Ôkami
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Ôkami verkauft ausschliesslich online. Kein Ladengeschäft, kein Schaufenster, keine Adresse zum Reinspazieren, das steht auf keiner Seite der Site, weder unter "À propos" noch im Kontaktformular noch in den FAQ. Wer einen Ring von Ôkami kaufen will, tut das am Bildschirm, von Basel bis Lugano, und genau darin liegt der Sinn dieses Eintrags in dieser Kategorie: hier stehen die Anbieter, die man landesweit erreicht, nicht die, zu denen man in eine bestimmte Stadt fährt.
Gegründet wurde die Marke 2021 von Loris Benoit, der sich selbst als Designer und künstlerischer Leiter bezeichnet. Vorher hat er nach eigener Aussage mehr als 15 Jahre bei grossen Schweizer Uhren- und Schmuckhäusern gearbeitet, bevor er mit Ôkami sein eigenes Label startete. Gefertigt wird im Jurabogen, jener Region zwischen Neuenburg, Jura und dem Berner Jura, die für Uhrmacherei und Feinmechanik bekannt ist und in der ein grosser Teil der Schweizer Schmuckzulieferer sitzt. Ôkami selbst nennt keine eigene Werkstattadresse, arbeitet aber laut eigenen Angaben seit den ersten Tagen mit Schweizer Partneratelier zusammen: Designerin, Juwelier und Steinsetzer, die an jedem Stück gemeinsam arbeiten. Der Gründer entwirft und modelliert die Stücke selbst in 3D, die eigentliche Fertigung liegt bei diesen Partnerbetrieben.
Die Ringe im Einzelnen
Vier Kollektionen bilden das Rückgrat des Sortiments: Kiku, Shino, Sen und Yuki. Jede trägt einen eigenen gestalterischen Ansatz, Kiku etwa arbeitet mit einem stilisierten Solitär in Blütenform, Shino setzt den Diamant in ein Blattwerk aus Peridot, Sen kombiniert zwölf kleine Diamanten zu einem Ring, der laut Website für jeden Monat des Jahres einen trägt. Verlobungsringe, Armbänder, Colliers und Ohrschmuck sind über die Kollektionen verteilt erhältlich, alles in Roségold oder Weissgold, 18-karätig mit dem Feingehalt Au750. Die Preise auf der Website bewegen sich für Ringe zwischen rund 888 und 2098 Franken, ein Collier der Kollektion Shino liegt bei 1968 Franken, ein Armband der Kollektion Kiku bei 898 Franken. Das ist eine Preisklasse, die deutlich unter den grossen Bahnhofstrasse-Häusern liegt, ohne dass es sich um Fast-Fashion-Schmuck handelt.
Zentral für Ôkami ist der Kulturdiamant. Die Marke erklärt auf einer eigenen Seite, warum sie darauf setzt: Aus 100 Tonnen gefördertem Gestein lassen sich im Schnitt zwischen 25 und 50 Karat Rohdiamant gewinnen, davon erreichen nur rund 5 Karat die für die Schmuckherstellung nötige Qualität, macht am Ende ungefähr 1 Gramm schmucktauglichen Diamanten je 100 Tonnen abgebautem Material. Der im Labor gezüchtete Diamant umgeht diesen Abbau vollständig, chemisch und physikalisch ist er laut Ôkami ein vollwertiger Diamant und kein Ersatzstoff. Die von Ôkami verwendeten Kultursteine liegen zwischen 0,005 und 0,25 Karat und sind in der Reinheitsklasse F/VVS eingestuft, was über dem am Markt üblichen Standard G/VS liegt. Der Markt für Kulturdiamanten wächst laut der Seite um etwa 20 Prozent pro Jahr, ein Hinweis darauf, dass Ôkami hier keine Nische bedient, sondern einen wachsenden Trend.
Beim Gold setzt die Marke auf Fairtrade-Gold aus Kleinminen, in denen die Arbeiter laut eigener Aussage einen garantierten Mindestpreis erhalten. Jedes Stück wird mit einem Zertifikat samt Referenznummer ausgeliefert, das die Herkunft des Goldes nachvollziehbar machen soll. Dazu kommt die gesetzliche Punzierung: Jedes Ôkami-Schmuckstück trägt laut der Website den Meisterpunzen, den Bernhardinerkopf und die Waage sowie den Feingehaltsstempel Au750. Der Bernhardinerkopf ist die offizielle Schweizer Edelmetallpunze, sie bestätigt, dass die Metallzusammensetzung dem Gesetz entspricht, geprüft und vergeben vom Service du contrôle des métaux précieux, dem Schweizer Edelmetallamt. Für einen Onlinehändler ohne Laden ist das die wichtigste Vertrauensmarke, die ein Käufer im Paket findet: eine amtliche Prüfung, keine Werbebehauptung der Marke selbst.
Wie der Kauf ohne Laden abläuft
Wer bei Ôkami bestellt, wählt online aus, legt den Ring in den Warenkorb und bezahlt. Als Zahlungsmittel akzeptiert die Seite laut den Allgemeinen Geschäftsbedingungen Kredit- und Debitkarte, Paypal, Google Pay, Apple Pay, Klarna und Banküberweisung. Innerhalb der Schweiz und der EU ist die Lieferung gratis, weltweit gibt die Seite eine Lieferzeit von 5 bis 10 Werktagen an, je nach Wohnsitzland. Verschickt wird laut FAQ in einem neutralen, nicht als Schmucksendung erkennbaren Paket, das gegen Unterschrift zugestellt wird, ein Standard, der bei Schmuckversand nachvollziehbar ist.
Wer einen Ring nicht anfassen kann, bevor er kauft, muss sich auf andere Signale verlassen als auf das Gefühl in der Hand. Bei Ôkami sind das: die amtliche Punze als Beleg für den tatsächlichen Feingehalt, die Diamant-Reinheitsklasse F/VVS als objektive Grössenangabe, das Herkunftszertifikat für das Gold, und ein Rückgaberecht als Sicherheitsnetz, falls der Ring am Finger doch nicht überzeugt. Für die Grösse bietet die Website einen herunterladbaren Grössenguide an, eine Anleitung, mit der man zuhause die eigene Ringgrösse ermittelt, ein persönliches Anpassen vor Ort ist naturgemäss nicht möglich.
Rückgabe, Umtausch und Gewährleistung
Nach Erhalt der Ware hat man 14 Tage Zeit, um den Ring zurückzugeben oder umzutauschen, sofern er unbenutzt und in der Originalverpackung zurückgeschickt wird. Die Rücksendung geht laut den Geschäftsbedingungen auf eigene Kosten des Käufers, das Porto für die Rücksendung übernimmt die Marke nicht. Wichtig für alle, die sich für ein individuelles Stück entscheiden: personalisierte oder auf Mass gefertigte Bestellungen können laut FAQ weder zurückgegeben noch umgetauscht werden, ein Punkt, den man vor einer Sonderanfertigung kennen sollte.
Für Mängel gilt eine andere Frist. Ôkami garantiert seine Schmuckstücke laut den Geschäftsbedingungen 24 Monate ab Kaufdatum gegen Fabrikationsfehler, was der zweijährigen Gewährleistungsfrist entspricht, wie sie das Obligationenrecht für Kaufverträge grundsätzlich vorsieht. Der Vertrag mit Ôkami untersteht ausdrücklich Schweizer Recht, unabhängig davon, aus welchem Land die Bestellung kommt. Als Rechnungs- und Rücksendeadresse nennt die Marke "Ôkami c/o Borealis Innovation SA".
Der Weg zum Massanfertigung
Neben den vier Kollektionen bietet Ôkami eine Sur-Mesure-Linie an, für alle, die keinen der bestehenden Ringe wollen, sondern etwas Eigenes. Der Ablauf beginnt laut der eigenen Seite mit einem Gespräch, in dem der Gründer zuhört und Fragen stellt, danach folgen Entwürfe, die als Gouache-Zeichnung oder als 3D-Rendering gezeigt werden, bevor das Stück in Handarbeit entsteht. Vor jeder Ausführung gibt es eine klare, persönliche Offerte, feste Preise für Sondermodelle nennt die Website nicht, das hängt vom gewünschten Stein und Design ab. Ob dieses Gespräch persönlich, per Video oder nur schriftlich stattfindet, sagt die Seite nicht, was für ein reines Online-Label aber naheliegend eher über Distanz laufen dürfte.
Wer sich hier wiederfindet
Ôkami passt zu Paaren, die sich bewusst für einen Kulturdiamanten statt eines geschürften Steins entscheiden, denen die Herkunft von Gold und Stein wichtiger ist als ein grosser Markenname, und die mit dem Bestellprozess eines Online-Shops vertraut sind. Wer einen Ring unbedingt vorher anprobieren will, muss mit dem Rückgaberecht arbeiten, nicht mit einem Ladenbesuch, das kostet im Fall der Rücksendung eigenes Geld für den Versand. Für alle, die ein Einzelstück wollen, ist die Sur-Mesure-Linie ein ernstzunehmender Weg, verlangt aber Vertrauen in einen Prozess, der über Gespräch und Renderings läuft statt über eine Werkbank, die man besuchen kann.
Unter dem Strich ist Ôkami ein kleines, noch junges Label mit einer klaren ethischen Ausrichtung, einer nachvollziehbaren Herkunftskette bei Gold und Diamant und einer amtlichen Punzierung, die für einen Käufer ohne Laden vor Ort das wichtigste Vertrauenssignal liefert. Wer landesweit sucht statt an einem bestimmten Ort, findet hier eine Alternative zu den etablierten Häusern, mit tieferen Preisen, aber auch ohne die persönliche Beratung eines Schaufensters.