Stucky Uhren
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Wer im Sarganserland nach einem Verlobungsring sucht, landet fast zwangsläufig bei Stucky Uhren in Bad Ragaz. Das Auffälligste an diesem Geschäft ist nicht das Sortiment, sondern die Geschichte dahinter: Es ist eine Uhrmacherfamilie in der dritten Generation, deren Linie sich bis 1917 zurückverfolgen lässt, als Jean Stucky, der Grossvater des heutigen Inhabers Remo Stucky, auf dem Dorfplatz von Mels eine kleine Uhrmacherei eröffnete. Wer heute den Laden am Bartholoméplatz betritt, kauft also nicht einfach einen Ring bei einem x-beliebigen Händler, sondern bei einem Betrieb, der sein Handwerk über drei Generationen im selben Familienstamm weitergegeben hat.
Vom Dorfplatz in Mels zum Bijoutier in Bad Ragaz
Jean Stucky führte sein Geschäft bis 1936, dann zog er in grössere Räume im "Fazis-Haus" im Unterdorf um. Sein Sohn Hans absolvierte die Lehre als Uhrmacher-Rhabilleur im elterlichen Betrieb an der Kirchstrasse in Mels, ging danach auf Wanderjahre und übernahm das Geschäft am 1. Januar 1960. Von seinen drei Söhnen lernten zwei das Uhrmacherhandwerk: Remo an der Uhrmacherschule in Solothurn, Hanspeter in einem Fachgeschäft in Buchs, der 1991 den Melser Betrieb übernahm. Remo schloss seine vierjährige Lehre 1982 ab und liess sich danach in Idar-Oberstein, dem deutschen Zentrum der Edelsteinbranche, zusätzlich zum Gemmologen ausbilden. 1984 bot sich ihm die Gelegenheit, das Bijouteriegeschäft von Freddy Stump in Bad Ragaz zu übernehmen, mit gerade einmal 22 Jahren, was ihn laut der eigenen Firmengeschichte zum jüngsten Bijoutier der Schweiz machte. Das ist der eigentliche Gründungsmoment des heutigen Geschäfts an diesem Standort, auch wenn das Uhrmacherhandwerk der Familie fast siebzig Jahre älter ist.
Die folgenden Jahre brachten mehrere Erweiterungen. 1996 eröffnete Stucky eine Filiale im neu aufgebauten Grandhotel Quellenhof, was dem Geschäft Zugang zu einer internationalen Kundschaft aus dem Kurbetrieb verschaffte. 1998 übernahm die Familie die Bijouterie Scherraus, wandelte den Betrieb in die Remo Stucky AG um und baute die Räumlichkeiten innerhalb von nur zwei Monaten komplett um, mit dem hauseigenen Uhrmacheratelier und dem Büro im Obergeschoss. 2014 feierte das Geschäft sein 30-jähriges Bestehen in Bad Ragaz. Aktuell ist der Betrieb, wie die eigene Kontaktseite ankündigt, in die Räume von Foto Fetzer am Bartholoméplatz 11 gezogen, eine neue, gemeinsam genutzte Adresse, die sich von der im Handelsregister eingetragenen Sitzadresse an der Bernhard-Simonstrasse unterscheidet. Für Kundinnen und Kunden zählt die Adresse am Bartholoméplatz, dort findet der Verkauf statt.
Werkstatt statt reiner Verkauf
Was Stucky von einem reinen Ringhändler unterscheidet, ist das hauseigene Atelier. Nach eigener Angabe werden über 90 Prozent aller Reparaturen im Haus selbst ausgeführt, nicht extern vergeben. Das ist bei einem Geschäft, das sowohl Uhren als auch Trauringe verkauft, keine Nebensache: Wer einen Ring künftig weiten, ein Gravur nachziehen oder eine Fassung nacharbeiten lassen will, profitiert davon, dass die Werkstatt im selben Gebäude sitzt und nicht eingeschickt werden muss. Remo Stucky selbst bringt neben der Uhrmacherlehre eine gemmologische Ausbildung mit, was für die Beratung bei Steinqualität und Fassung bei Verlobungsringen ein reales Plus ist, auch wenn die Website selbst keine Details zu Zertifikaten oder Prüflaboren nennt.
Das Ringsortiment
Die eigene Seite zu Verlobungs- und Trauringen ist inhaltlich schmal, sie besteht im Wesentlichen aus Titel und Kurzbeschreibung: Das Geschäft spricht dort von einem Trau(m)ringlager mit über 250 Modellen verschiedener Partnerfirmen. Konkrete Marken, Preise oder Materialangaben für Ringe fehlen auf der Website, anders als bei den Uhrenmarken, wo Chopard, Ebel, Tissot, Mido und Balmain klar benannt sind. Wer sich vorab online über einzelne Ringmodelle informieren will, wird deshalb wenig finden und sollte für Details direkt im Laden nachfragen oder anrufen. Das ist der ehrliche Wermutstropfen bei diesem Eintrag: Die Reputation und die Geschichte des Betriebs sind solide belegt, das Onlineangebot zu Trauringen selbst ist knapp gehalten.
Warum Bad Ragaz
Bad Ragaz liegt im Kanton St. Gallen, im Sarganserland, und ist in erster Linie als Kurort mit Thermalquelle bekannt. Das Thermalwasser, das Ragaz überhaupt erst zum Badekurort gemacht hat, taucht auch in der eigenen Firmengeschichte von Stucky auf: Der grosse Umbau der Grand Resorts 2008 und 2009 sowie die neue Tamina Therme brachten dem Geschäft laut eigener Darstellung eine neue Gästegeneration, ein Beleg dafür, dass sich der Betrieb nicht nur auf Familienname und Tradition verlässt, sondern auf Entwicklungen am eigenen Standort reagiert, so wie schon 1996 mit der Filiale im Grandhotel Quellenhof. Wer als Paar für ein Wellness-Wochenende ohnehin nach Bad Ragaz reist, kann den Ringkauf mit dem Aufenthalt verbinden, ein Vorteil, den ein reiner Fachhändler in einer Stadt ohne diesen touristischen Anziehungspunkt nicht bietet.
Im Vergleich zu den grossen Trauringanbietern in Zürich oder Basel ist Stucky ein kleiner, lokal verwurzelter Betrieb ohne Filialnetz ausserhalb der Region. Das bedeutet weniger Auswahl an internationalen Grossmarken, aber dafür eine Beratung, die auf Generationen von Lokalkenntnis und einer eigenen Werkstatt aufbaut, nicht auf einem Katalog von der Stange. Für das Sarganserland, Thurgau, Appenzell, Glarus und Schaffhausen, wo grosse Markenboutiquen dünn gesät sind, ist ein Betrieb wie dieser oft die realistischere Alternative zu einer Fahrt nach Zürich.
Handwerk als roter Faden
Was sich durch die ganze Firmengeschichte zieht, ist die klassische Schweizer Ausbildungskette: Lehre, Wanderjahre, Übernahme. Hans Stucky lernte als Uhrmacher-Rhabilleur im elterlichen Betrieb, Remo absolvierte seine vierjährige Lehre in Solothurn und liess sich danach zusätzlich zum Gemmologen ausbilden, bevor er mit 22 Jahren selbst ein Geschäft übernahm. Diese Ausbildungsform, die klassische Lehre mit anschliessendem eidgenössischem Fähigkeitszeugnis, ist in der Schweizer Uhren- und Schmuckbranche nach wie vor der übliche Weg zum eigenen Betrieb, und bei Stucky lässt sich diese Kette über drei Generationen lückenlos nachverfolgen. Für Kundinnen und Kunden, die Wert auf ein Geschäft mit echter handwerklicher Substanz legen und nicht nur auf eine Verkaufsfläche, ist das ein Argument, das über die reine Auswahl an Ringmodellen hinausgeht.
Für wen sich das eignet
Wer im Sarganserland oder in der weiteren Bündner Herrschaft wohnt und einen Verlobungsring bei einem Geschäft mit langer Familientradition und eigener Werkstatt kaufen möchte, findet in Stucky Uhren einen soliden, historisch verankerten Anbieter. Wer hingegen vorab online durch ein grosses Sortiment stöbern will, wird auf der Website wenig Substanz finden und sollte den Kontakt vor Ort suchen. Für ein Paar, das die Ringwahl mit einem Wochenende in der Therme verbindet, liegt der Charme klar auf der Hand: Geschäft und Ausflugsziel liegen fussläufig beieinander, und die Beratung kommt von jemandem, der das Handwerk in der eigenen Familie gelernt hat.