Franz Schmuck
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Franz Schmuck, auf der eigenen Website als Franz Goldschmiede geführt, sitzt nicht in einer Einkaufsstrasse der Stadt St. Gallen, sondern eine gute halbe Autostunde nördlich davon, direkt am Hafen von Romanshorn im Kanton Thurgau. Wer diese Kategorie nach einem Ort in der Stadt St. Gallen durchsucht, landet hier falsch, und genau das macht das Atelier interessant: Es zeigt, dass die besten Goldschmieden der Ostschweiz nicht zwingend in der Kantonshauptstadt sitzen, sondern dort, wo ein Handwerker vor Jahrzehnten sein eigenes Geschäft eröffnet hat und geblieben ist.
Die Adresse lautet Bahnhofstrasse 3. Wer einen Termin vereinbaren will, kann das telefonisch tun oder sich vorab an die jährliche Betriebspause halten, die Franz Schmuck auf der eigenen Startseite ausdrücklich ankündigt: Vom 21. Juli bis 8. August ist das Atelier laut eigenen Angaben geschlossen. Ausserhalb dieses Fensters richtet sich der Betrieb, wie weiter unten beschrieben, nach den Öffnungszeiten der Werkstatt selbst, nicht nach den durchgehenden Öffnungszeiten eines Ladengeschäfts in der Innenstadt. Erreichbar ist das Atelier ausserdem per Telefon und E-Mail, so dass ein erstes Anliegen auch ohne persönlichen Besuch vor Ort geklärt werden kann, bevor ein Termin für die eigentliche Beratung vereinbart wird.
Ein Geschäft mit eigener Geschichte
Auf der Startseite wirbt Franz Schmuck mit dem Zusatz "Est. 1981". Die firmeneigene Über-uns-Seite erzählt die Geschichte allerdings etwas anders und genauer: Markus Franz habe seine handwerkliche Laufbahn 1979 mit der Ausbildung zum Goldschmied begonnen, sei 1989 den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen und habe sein erstes eigenes Geschäft in Altnau eröffnet. Erst 1998 sei er mit dem Betrieb in die Hafenstadt Romanshorn gezogen, wo Franz Goldschmiede seither ansässig ist. Die Jahreszahl 1981 auf der Startseite lässt sich mit diesem selbst erzählten Werdegang nicht sauber in Deckung bringen, denn zwischen Lehrbeginn und erstem eigenen Laden liegen laut derselben Seite zehn Jahre. Was genau 1981 markiert, sagt die Website nicht, und wir spekulieren hier bewusst nicht weiter. Fest steht dagegen, den eigenen Angaben zufolge, dass der Betrieb seit 1998 ununterbrochen an derselben Adresse in Romanshorn arbeitet.
Geführt wird das Atelier heute nicht mehr allein von Markus Franz. Seit 2015 gehört Rémy Mérens zum Team, der bei Franz seine eigene vierjährige Goldschmiede-Lehre absolviert hat und inzwischen die Werkstatt leitet. Der Betrieb bildet damit selbst aus, statt nur fertige Fachkräfte einzustellen, und wirbt damit, dass eigene Lehrlinge Titel bei der Goldschmiede-Schweizermeisterschaft geholt und an der Weltmeisterschaft teilgenommen haben. Für ein Ein-Standort-Geschäft in einer Kleinstadt ist das eine ungewöhnlich aktive Rolle in der Ausbildung des eigenen Berufsstands, und sie erklärt auch, warum das Atelier trotz seiner überschaubaren Grösse einen Ruf über den Thurgau hinaus hat.
Was das Sortiment ausmacht
Im Zentrum des Angebots stehen Verlobungsringe, die das Geschäft selbst als vielseitig beschreibt: von klassisch bis modern, jeweils von Hand gefertigt statt aus einem Katalog bestellt. Für die Diamanten verweist die Website ausdrücklich auf ethisch und ökologisch zertifizierte Lieferanten; wer beim Ringkauf Wert auf die Herkunft des Steins legt, findet hier eine klare, wenn auch knapp gehaltene Aussage dazu. Bei den Edelmetallen wirbt Franz Schmuck mit zertifiziertem Material von OEKOGOLD.
Was das Geschäft von reinen Verlobungsring-Spezialisten unterscheidet, ist die zweite Säule des Angebots: die Verarbeitung von Altgold. Kundinnen und Kunden können eigenes altes Gold oder Platin mitbringen, das im Atelier auf den Feingehalt geprüft und zum Tageskurs angerechnet wird, entweder als Anzahlung für ein neues Stück oder direkt umgearbeitet zu etwas Neuem. Für ein Paar, das den Verlobungsring bewusst nicht komplett neu kaufen, sondern aus einem Familienerbstück entstehen lassen will, ist das ein konkretes Angebot, keine vage Umschreibung von "Nachhaltigkeit". Daneben fertigt das Atelier auch Wappenringe für Familien an, führt eine eigene LGBTQ+-Kollektion sowie eine Linie namens Secret Heart und bietet Trauringe sowie handgefertigten Schmuck jenseits des Ring-Sortiments.
Klar begrenzt ist der Service dort, wo es nicht um eigene Arbeit geht: Uhren-Service, Reparaturen an Modeschmuck oder unedlen Materialien sowie Reparaturen an Stücken anderer Goldschmieden lehnt das Geschäft laut eigener Aussage ab, ebenso Kopien von Designs, die man online oder bei anderen Marken gesehen hat. Wer einen bestehenden Ring eines fremden Ateliers reparieren lassen will, ist hier folglich falsch, wer aber ein Original in Auftrag geben will, genau richtig.
Wie sich Romanshorn von der Stadt St. Gallen abhebt
In der Kategorie, die den ganzen Thurgau, das Appenzellerland, Glarus und Schaffhausen mit St. Gallen zusammenfasst, konkurriert Franz Schmuck nicht mit den grösseren Fachgeschäften in der St. Galler Innenstadt, sondern bietet etwas, das dort seltener zu finden ist: ein kleines, familiär geführtes Atelier mit eigener Werkstatt vor Ort statt einer reinen Verkaufsfläche. Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Freitag sowie samstags, montags bleibt das Geschäft geschlossen, ein Hinweis darauf, dass hier tatsächlich in der Werkstatt gearbeitet wird und nicht durchgehend verkauft. Filialen an anderen Orten in der Schweiz führt Franz Schmuck laut eigener Website nicht, das Geschäft konzentriert sich vollständig auf den einen Standort am Bodensee.
Für ein Paar aus Zürich, Winterthur oder dem St. Galler Rheintal, das eine persönliche Anfertigung sucht statt eines Ladenregals, lohnt sich der Umweg an den Bodensee: Der Termin im Atelier ist auf ein ausführliches Beratungsgespräch ausgelegt, in dem Metall, Fassung und mitgebrachtes Altgold besprochen werden, nicht auf einen schnellen Abschluss an der Vitrine.
Passend für Massanfertigungen und Altgold, nicht für den Sofortkauf
Franz Schmuck passt zu Paaren, die einen Verlobungsring wirklich in Auftrag geben wollen, statt eine Vitrine durchzugehen, und die keine Berührungsängste damit haben, für den Termin aus der Stadt herauszufahren. Besonders passend ist das Atelier, wenn eigenes Altgold im Spiel ist, sei es ein Erbstück, das eingeschmolzen und neu gestaltet werden soll, oder wenn ein Wappenring für die Familie gesucht wird. Wer dagegen eine grosse Auswahl an sofort verfügbaren, fertigen Ringen im mittleren Preissegment sucht, oder eine Reparatur an einem Stück aus einem anderen Haus braucht, ist bei einem der grösseren Fachgeschäfte in St. Gallen selbst besser aufgehoben.
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt die uneinheitliche Datumsangabe zur Gründung: Wer sich auf die Jahreszahl "Est. 1981" verlässt, sollte wissen, dass die eigene Firmengeschichte auf derselben Website eher auf 1989 als Startpunkt des eigenen Geschäfts und auf 1998 als Ankunft in Romanshorn hindeutet. Am handwerklichen Anspruch und an der langjährigen Präsenz am selben Standort seit 1998 ändert das nichts, es ist eher ein Hinweis, die eigene Website-Werbung nicht ungeprüft zu übernehmen, was für dieses Verzeichnis genauso gilt wie für die Leserschaft selbst.