Bergschmuck

Hauptstrasse 35, 8750 Glarus

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Wer den Namen "Bergschmuck" liest und einen Sitz in St. Gallen erwartet, liegt falsch: Das Atelier steht in Glarus, keine 3 Gehminuten vom Bahnhof entfernt, an der Hauptstrasse 35. Diese Kategorie fasst neben der Stadt St. Gallen auch Thurgau, Appenzell, Schaffhausen und eben Glarus zusammen, und gerade Glarus ist hier der Ausreisser: ein eigener Kanton mit eigenem Talboden, umgeben von den Glarner Alpen, wirtschaftlich lange von Textilindustrie und Bergbau geprägt, nicht vom Ostschweizer Stickereigewerbe, das St. Gallen gross gemacht hat. Ein Paar, das für den Ring anreist, kommt also nicht in eine Fachgeschäftsstrasse, sondern in ein Tal, in dem der Goldschmied einen direkten Bezug zum umliegenden Gestein hat, und genau der ist der Grund, warum dieser Betrieb überhaupt in eine gesamtschweizerische Liste gehört.

Wer hier arbeitet

Das Atelier gehört zur Familie Oberholzer und heisst offiziell Goldschmiede Oberholzer. Die Werkstatt besteht seit 1985, gegründet in Rüti GL, mit einem mehrjährigen Zwischenstopp in Chile von 1989 bis 1993, danach in Hätzingen GL bis 1995. Seit 1996 führt die Familie Verkaufsgeschäft und Atelier gemeinsam in Glarus, aktuell an der Hauptstrasse 35. Seit 2021 arbeitet der Sohn, Alexander Oberholzer, als ausgebildeter Goldschmied und Edelsteinschleifer im selben Betrieb mit, und er hat das Geschäft per 1.1.2026 offiziell übernommen. Das ist ein Generationenwechsel, kein Verkauf an eine Kette: Wer heute anruft, spricht mit jemandem, der seit über vier Jahren an derselben Werkbank steht wie sein Vater zuvor. Steine schleifen, Fassen und Gravieren laufen alle im selben Haus, unter einem Dach, nicht verteilt auf mehrere Zulieferer.

Was regional wirklich heisst

Der auffälligste Unterschied zu einem Fachgeschäft in der Stadt St. Gallen ist die Herkunft eines Teils der verwendeten Steine. Bergschmuck führt eine eigene Linie namens Bergkristallschmuck, deren facettierte Steine laut eigener Angabe aus Elm im Kanton Glarus stammen und von einem Winterthurer Edelsteinschleifer im Brillantschliff bearbeitet werden. Die Website beschreibt den Weg so: Die Kristalle kommen direkt vom Strahler zum Atelier, werden dort aussortiert, geschliffen und gefasst, ohne Zwischenhändler dazwischen. Neben Elm nennt die Website auch Fundstellen im Tessin, etwa Robiei, das Val Bedretto und die Cavradischlucht, als Herkunft für weitere Kristalle in derselben Linie. Für einen Verlobungsring bedeutet das eine Option, die ein Geschäft ohne eigene Steinschleiferei so nicht anbieten kann: einen Stein, dessen Fundort sich auf der Landkarte des eigenen Landes nachverfolgen lässt, statt eines importierten Edelsteins ohne bekannte Herkunft. Wer lieber einen klassischen Diamanten oder farbigen Edelstein möchte, bekommt den ebenfalls, die einheimischen Steine sind eine Zusatzoption, keine Pflicht.

Auch beim Edelmetall legt der Betrieb Wert auf Herkunft: Gold und Silber bezieht Bergschmuck von der Firma Gyr Edelmetalle in Baar, laut eigener Aussage zu 100 Prozent aus Recyclingmaterial, das von einem beim Responsible Jewellery Council in London geprüften und zertifizierten Lieferanten stammt. Das Atelier führt dafür das Label Oekogold. Wer sein eigenes Altgold mitbringt, kann es entweder in Zahlung geben oder direkt in einen neuen Ring einarbeiten lassen, statt es separat einzuschmelzen und neu zu kaufen.

Was man bekommt

Verlobungsringe entstehen als Auftragsarbeit, von der Skizze bis zum fertigen Stück im selben Atelier. Die Website nennt ausdrücklich Kombinationen verschiedener Materialien, etwa Karbon mit Gold, Stein mit Gold oder Stein mit Karbon, sowie Fassungen mit Eisenmeteorit neben klassischem Gold oder Silber. Für die passende Ringgrösse gibt das Atelier den Kundinnen und Kunden ein Probierringset mit nach Hause, damit sich die Grösse über mehrere Tage in Ruhe bestimmen lässt, statt sie in einer einzigen Sitzung im Laden festzulegen. Wer Partnerringe kauft, bekommt die Gravur laut Website ohne Aufpreis dazu. Neben der Bergkristalllinie fertigt das Atelier auch klassische Gold- und Silberringe, Carbonringe, Damastringe sowie eine eigene Reihe mit Tantal- und Carbonringen der Marke TeNo. Das Sortiment reicht damit von sehr traditionellen bis zu technisch ungewöhnlichen Materialien, was für ein Atelier dieser Grösse ungewöhnlich breit ist.

Reisen für den Ring

Für ein Paar, das aus einem anderen Kanton anreist, ist die Lage direkt am Bahnhof Glarus der praktische Kern des Angebots: Wer mit dem Zug kommt, muss nach dem Aussteigen keine 3 Minuten laufen, um im Atelier zu stehen, ohne Umsteigen auf einen Bus oder eine längere Fussstrecke durch die Stadt. Für einen Betrieb, der auf einen Ausflug angewiesen ist statt auf Laufkundschaft aus der eigenen Nachbarschaft, ist das ein reales Argument, gerade im Vergleich zu einem Fachgeschäft in einem grösseren Zentrum, wo der Weg vom Bahnhof zum Laden oft ein Fussmarsch durch die Innenstadt ist. Filialen ausserhalb von Glarus nennt die Website nicht: Das Angebot bleibt an diesem einen Standort gebündelt, was zur Grösse des Betriebs passt und bedeutet, dass jeder Ring am selben Ort entsteht, den man beim Abholen wieder betritt.

Beratung und Öffnungszeiten

Die Website nennt keinen festen Preis für die einzelnen Ringmodelle; Kombinationen aus Stein, Material und Grösse bestimmen den Preis im persönlichen Gespräch. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 18:30 Uhr, Samstag durchgehend von 10 bis 16 Uhr, während Sonntag und Montag geschlossen bleibt. Kontakt läuft über Telefon unter 055 640 90 30, über ein Kontaktformular auf der Website oder direkt im Atelier an der Hauptstrasse 35 in Glarus.

Für ein Ostschweizer Paar, das sonst eher an St. Gallen oder Winterthur denkt, verschiebt Bergschmuck den Radius um einen ganzen Kanton nach Süden, ins Glarnerland zwischen Walensee und Klausenpass. Das ist kein Umweg ohne Grund: Wer die Bergkristalllinie will, bekommt hier einen Stein, der buchstäblich aus dem Tal stammt, in dem der Ring entsteht, und keine noch so grosse Auswahl an importierten Edelsteinen liefert dieses Argument. Die kurze Distanz zum Bahnhof macht aus der Kantonsgrenze zudem kein logistisches Hindernis, sondern einen Tagesausflug mit Ziel.

Wie es sich einordnet

Innerhalb dieser Kategorie, die von der Stadt St. Gallen bis nach Thurgau, Appenzell, Schaffhausen und eben Glarus reicht, steht Bergschmuck für einen bestimmten Fall: das kleine, familiengeführte Atelier mit einer eigenen, nachvollziehbaren Rohstoffgeschichte statt eines grossen Sortiments von der Stange. Wer ein Fachgeschäft mit vielen fertigen Modellen zum sofortigen Anprobieren sucht, findet das eher in einem grösseren Zentrum. Wer dagegen einen Ring möchte, bei dem sich zumindest ein Teil des Steins bis zum Fundort im eigenen Land zurückverfolgen lässt, und der dafür eine Fahrt ins Glarnerland auf sich nimmt, trifft hier auf einen Betrieb, der genau das seit Jahrzehnten anbietet und gerade an die nächste Generation übergegangen ist.

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