Erwin Senn Goldschmied
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Wer ein Paar von Grund auf zusammenarbeiten sieht statt einer Vitrine mit Fertigware, findet in Goldach genau das. Erwin Senn und seine Frau Aline Senn, beide Goldschmiede, führen dort ein Zweipersonenatelier, in dem jeder Ring vom Wachsmodell bis zum fertigen Schmuckstück im eigenen Haus entsteht. Kein Zukauf ab Stange, kein Import aus dem Ausland: Auf jeder einzelnen Ringseite der Website steht derselbe Satz, "handgefertigt im eigenen Atelier", und er ist keine Floskel, sondern beschreibt tatsächlich jedes gezeigte Modell, von schmalen Edelstahlringen bis zu aufwendigen Kronenringen mit Fassungen aus Brillanten.
Im Zentrum steht der Solitär, der Ring mit dem einen dominanten Stein, den die Website selbst als "beliebten Antrags- oder Verlobungsring" bezeichnet. Er entsteht in Edelstahl oder Gold, mit echtem Brillanten, und wird wie jedes andere Modell von Hand gearbeitet statt aus einem Katalog gewählt. Wer will, verbindet ihn später über Sennes exklusives "Lock-in"-Design mit dem Ehering: Aus dem Verlobungsring wird dann, wie die Website es nennt, ein "Vertrauring", zwei ineinandergreifende Ringe, die als Paar zusammengehören. Für alle, die den Herstellungsprozess vor der Kaufentscheidung sehen wollen statt ihn sich vorzustellen, gibt es zwei Filme direkt auf der Website: eine 13-minütige Dokumentation von 2013 über die Entstehung eines Verlobungsrings und eine 23-minütige Produktion von 2019, die vier Arbeitsschritte im Detail zeigt, vom Fräsen des Wachsmodells über den Goldguss bis zum Fassen der Brillanten.
Das Sortiment reicht deutlich über den Solitär hinaus. Schmale und breite Eheringe bilden die Basis, dazu kommen Kronenringe (aufwendigere Modelle mit mehreren Brillanten, in der gezeigten Preisspanne bei rund 4300 bis 4800 Franken), Wappenringe mit graviertem Familienwappen und, unter der eigenen Marke Sennenring, eine an die Ostschweizer Sennentracht angelehnte Ringlinie. Beim Wappenring beginnt die Basisversion in Edelstahl, wer es exklusiver mag, bekommt dasselbe Modell auch in Gelb-, Rot- oder Weissgold gefertigt, eine Abstufung, die es Paaren mit unterschiedlichem Budget erlaubt, dieselbe Grundform zu wählen. Alle Ringe gibt es wahlweise in Edelstahl, Weiss-, Gelb- oder Rotgold 18 Karat, teils auch in Kunststoff oder Carbon kombiniert, mit Amethyst, Turmalin, Rubin, Onyx oder Zuchtperlen als Farbstein. Die Preise verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer, und die Gravur ist bei jedem Modell kostenlos, ein Detail, das viele grössere Häuser gesondert berechnen.
Warum Goldach der Grund ist, hinzufahren
Goldach liegt am Bodensee, nur wenige Kilometer von St. Gallen entfernt, keine Adresse, an der man zufällig vorbeikommt. Man reist bewusst dorthin, und genau das ist der Punkt: Die Website führt keine Filiale, kein zweites Ladenlokal und keinen Onlineshop mit Versand, die gesamte Produktion läuft über das eine Atelier an der Rietbergstrasse 14. Wer hier kauft, kauft direkt bei den beiden Personen, die den Ring in der Hand hatten, nicht bei einer Verkaufsstelle, die ihn von einem Zulieferer bezieht. Das unterscheidet Erwin Senn Goldschmied deutlich von den grossen Namen an der Zürcher Bahnhofstrasse, wo Beratung und Werkstatt oft getrennte Abteilungen sind: Hier sitzt das Atelier direkt hinter dem Verkaufsraum, und man bekommt eine grössere Modellauswahl zu sehen, als die laufend aktualisierte Galerie auf der Website je zeigen kann.
Die Region um Goldach und St. Gallen hat mit dem Sennenring, den Erwin Senn unter einer eigenen Marke weiterführt, sogar einen eigenen, an die Alpwirtschaft der Ostschweiz angelehnten Schmucktypus zu bieten, den man in einem Zürcher oder Genfer Fachgeschäft kaum findet. Das macht den Weg an den Bodensee für ein Paar, das etwas Regionaltypisches statt eines x-beliebigen Solitärs sucht, zu einem eigenen Argument, nicht nur zu einer Nebensache.
Wie ein Besuch abläuft
Wer in Goldach vorbeikommt, trifft nicht auf durchgehende Ladenöffnungszeiten wie in einer Einkaufsstrasse. Das Atelier hat am Dienstag, Mittwoch und Freitag vormittags und nachmittags offen, samstags nur am Vormittag, und bleibt montags und donnerstags geschlossen. Für alle, die sich ohne Zeitdruck und ohne andere Kundschaft im Raum beraten lassen wollen, bietet Erwin Senn zusätzlich persönliche Abendtermine ab 20 Uhr an, telefonisch zu vereinbaren. Das ist ein ungewöhnliches Angebot für ein Fachgeschäft dieser Grösse und passt zum Gesamtbild: ein Betrieb, der die Entscheidung für den wichtigsten Ring im Leben eines Paares nicht zwischen Tür und Angel abwickeln will.
Zum handwerklichen Anspruch gehört auch, wie die beiden mit dem fertigen Ring umgehen, bevor er fertig ist. Bei den Eheringen fertigen Erwin und Aline Senn vorab einen formalen Prototyp zum Probetragen; erst wenn dieser nach Tagen und Wochen noch passt, entsteht der endgültige Ring aus dem gewählten Material. Diese Sorgfalt, kombiniert mit der Aussage, dass Edelstahlringe im Gegensatz zu Weissgold nicht nachrhodiniert werden müssen und sich nachträglich vergrössern oder verkleinern lassen, zeigt ein Geschäft, das seine Kundschaft auch über den Kauftag hinaus mitdenkt.
Zur Herkunft des Materials gibt sich das Atelier ebenfalls konkret: Das verwendete Gold trägt die Bezeichnung OEKOGOLD, wird als Schweizer Handwerk ohne Serienproduktion und ohne Importstücke aus dem Ausland beworben und stammt laut Website von einem RJC-zertifizierten Lieferanten, was die konfliktfreie Herkunft garantieren soll. Für ein Paar, dem die Herkunft des Materials für den wichtigsten Ring seines Lebens nicht gleichgültig ist, ist das ein nachprüfbarer Anhaltspunkt statt einer reinen Werbeaussage.
Wen das überzeugt, und wo die Grenzen liegen
Am besten passt dieses Atelier zu einem Paar, das den Ring wirklich mitgestalten will, das sich Zeit für ein persönliches Gespräch nimmt und dem eine Reise an den Bodensee für ein handgefertigtes, statt industriell produziertes Stück nicht zu weit ist. Wer stattdessen in der eigenen Stadt an einem Nachmittag spontan ein Schaufenster durchsehen will, findet an der Rietbergstrasse eingeschränktere Öffnungszeiten vor, dazu ein kleines Familienunternehmen statt einer grossen Auswahl an internationalen Markenfassungen. Auch eine unabhängige Zertifizierung der einzelnen Steine (etwa ein GIA- oder SSEF-Bericht) nennt die Website für die gezeigten Modelle nicht; wer einen solchen Nachweis zwingend braucht, sollte ihn beim Beratungstermin gezielt ansprechen.
Das sind überschaubare Einschränkungen gegenüber dem, was das Atelier bietet: zwei Goldschmiede, die jeden Ring selbst herstellen, ein transparent beworbener Materialstandard, kostenlose Gravuren, ein Prototyp zum Probetragen vor dem endgültigen Ring, und mit dem Sennenring eine Ostschweizer Besonderheit, die es sonst kaum zu finden gibt. Für ein Paar, das die Herkunft seines Rings kennen will und dafür gerne einmal an den Bodensee fährt, ist Erwin Senn Goldschmied eine der wenigen Adressen in der Schweiz, an der der Verlobungsring wirklich von den Händen kommt, die ihn am Telefon oder direkt im Atelier in Goldach auch persönlich erklären.