Bijoux Concept
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Seit 1997 arbeitet Bijoux Concept mitten in der Neuenburger Altstadt, an der Rue du Seyon, nur ein paar Schritte vom See und vom Bahnhof entfernt. Wer im Kanton Neuenburg oder im Berner Jura nach einem Verlobungsring sucht, landet früher oder später hier, denn das Atelier gehört zu den wenigen Adressen der Region, die Trauringe nicht nur verkaufen, sondern in den eigenen Werkstatträumen von Grund auf selbst herstellen.
Was es ist
Bijoux Concept ist ein Familienbetrieb, geführt von der Goldschmiedin Susanne und dem Designer François. Auf der eigenen Seite beschreiben sie sich als von der New-Wave-Bewegung geprägt, mit einer Vorliebe für gotische und barocke Ästhetik, und das merkt man dem Laden an: kein steriles Vitrinengeschäft, sondern ein Atelier mit eigenem Charakter, in dem beide Inhaber die Kundschaft selbst beraten. Das ist ein Unterschied zu den grossen Ketten am Bahnhofplatz oder an der Rue de l'Hôpital, wo man selten dieselben zwei Personen trifft, die den Schmuck auch tatsächlich anfertigen.
Was man bekommt
Der Kern des Angebots sind massgefertigte Stücke: Trauringe, Verlobungsringe, Armbänder, Halsketten, Chevalière-Ringe und Einzelstücke, alle im eigenen Atelier entworfen und gefertigt. Dazu kommen das Auffädeln und Montieren von Perlenketten, Reparaturen (Ringgrössenänderung, Umarbeitung alter Schmuckstücke) und Expertisen, also Wertschätzungen und Unterlagen für Versicherungen. Wer ein altes Familienstück umarbeiten oder eine geerbte Perlenkette neu montieren lassen will, ist hier also am selben Ort richtig wie ein Paar, das einen neuen Ring bestellt.
Bei den Trauringen wirbt das Atelier ausdrücklich mit einer 100 Prozent neuenburgischen Fertigung: Die Ringe entstehen vollständig in der Region, nach Methoden, wie sie auch die renommiertesten Manufakturen einsetzen. Verwendet werden ausschliesslich Edelmetalle mit dem Label "Or écologique", und die Diamanten, die in den Ringen verarbeitet werden, liegen in der Qualität F/G, VVS bis VS. Sowohl Metalle als auch Diamanten sollen laut eigenen Angaben aus zertifizierten Quellen stammen, die strenge ethische Standards garantieren.
Was auffällt
Das Nachhaltigkeitsversprechen ist konkreter, als man es bei einer kleinen Bijouterie erwarten würde. Bijoux Concept trägt das Zertifikat "Or écologique", vergeben vom Responsible Jewellery Council in London, und laut eigener Aussage stammt sämtliches im Atelier verarbeitetes Gold zu 100 Prozent aus recycelten Quellen, etwa aus alten Schmuckstücken, Computerbauteilen oder Elektronikgeräten, statt aus dem Bergbau. Bei 18-karätigem Gelbgold bestehen laut der Seite 40 Prozent des Volumens aus Kupfer und Silber, die ebenfalls aus bekannten Recyclingquellen stammen sollen, ebenso Palladium und Silber in den übrigen Legierungen. Die Zertifikate werden nach eigenen Angaben jährlich erneuert, die Mitglieder regelmässig kontrolliert. Ob ein Kunde diese Angaben unabhängig nachprüfen kann, bleibt offen, aber das Zertifikat selbst ist eine überprüfbare, benannte Instanz und keine vage Eigenwerbung.
Ein zweites, eher ungewöhnliches Standbein ist die Rohdiamanten-Kette: Diamanten in Würfel-, Tonnen-, Oliv-, Linsen- oder Knopfform, deren natürliche Farbe von Weiss über Grau, Gelb, Grün bis Braun reicht (nur Schwarz entsteht laut der Seite durch Erhitzen auf sehr hohe Temperaturen). Die Seite erwähnt, dass der Diamantschliff seit dem 13. Jahrhundert bekannt ist und sich seither stetig weiterentwickelt hat; heute würden die Steine per Laser durchbohrt und die Facetten von Hand nach traditioneller Methode geschliffen. Montiert werden die Ketten auf ein Edelstahlkabel und mit einem Verschluss aus 18-karätigem Gold abgeschlossen, komplett in der Schweiz gefertigt. Das ist kein Verlobungsring, aber es zeigt, dass das Atelier auch bei Nebenprodukten auf Herkunft und Handwerk Wert legt, ein Hinweis darauf, wie es auch bei den eigentlichen Ringen arbeitet.
Wie es organisiert ist
Der Ablauf bei einem massgefertigten Ring ist unkompliziert beschrieben: Das Atelier präsentiert Entwürfe, die auf die Wünsche und das Budget der Kundschaft eingehen, und während der Fertigung kann man vorbeikommen, um die Ringe anzuprobieren und anpassen zu lassen, bevor sie fertiggestellt werden. Konkrete Angaben zu Preisen oder zur Dauer der Fertigung macht die Seite nicht, das erfährt man erst im Gespräch vor Ort. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag 09:00 bis 12:00 und 14:00 bis 18:30 Uhr sowie Samstag 10:00 bis 17:00 Uhr, montags und sonntags bleibt das Atelier geschlossen.
Zur Pflege gibt die Seite auf einer eigenen FAQ-Seite handfeste Hinweise: Schmuck sollte nicht mit Zahnpasta gereinigt werden, da deren Schleifpartikel die Oberfläche angreifen, besser eignen sich lauwarmes Wasser und milde Seife. Bei Perlen warnt das Atelier vor Parfüm und Haarspray, die man vor dem Anlegen der Perlen auftragen sollte, sowie vor Chlorwasser, das den Glanz zerstört, weshalb Perlen vor dem Schwimmbadbesuch abgelegt werden sollten. Gold kauft Bijoux Concept nach eigenen Angaben nicht an und kann altes Gold auch nicht direkt für ein neues Stück wiederverwenden, bietet aber an, den Rückkaufswert des alten Goldes von einer neuen Auftragsarbeit im eigenen Atelier abzuziehen.
Wie es sich einordnet
Neuenburg ist historisch ein Zentrum der Schweizer Uhrenindustrie und heute zusätzlich Standort für Mikrotechnik- und Hightech-Firmen, wie es auf Wikipedia zur Stadt heisst. Das erklärt, warum sich in der Region über Generationen Goldschmiede- und Bijouterie-Handwerk gehalten hat, anders als in Kantonen ohne diese Tradition, wo Schmuckgeschäfte eher reine Verkaufsstellen sind. Für ein Paar, das nicht aus der Region stammt, lohnt sich die Reise trotzdem: Ab Zürich dauert die direkte Zugverbindung nach Neuenburg rund 1 Stunde 49 Minuten, ab Genf etwa 1 Stunde 17 Minuten, beides über den Neuenburger Bahnhof, der an der Jurafusslinie liegt und unter anderem auch TGV-Verbindungen nach Paris in rund 4 Stunden bedient. Wer also ohnehin am Neuenburgersee unterwegs ist oder die Zugreise als Ausflug einplant, kann einen Abstecher zum Atelier gut mit einem Altstadtbummel verbinden, die Rue du Seyon liegt mitten im Fussgängerbereich.
Im Vergleich zu den grossen Bijouterie-Ketten, die man in praktisch jeder Schweizer Innenstadt findet, punktet Bijoux Concept mit der eigenen Werkstatt vor Ort und der klaren Herkunftsangabe beim Gold. Wer stattdessen eine grosse Auswahl an internationalen Markenringen ab Lager sucht, ist bei einer Kette besser bedient; wer einen Ring will, der im selben Haus entworfen und gefertigt wird, in dem man ihn auch kauft, findet das in dieser Form nicht an jeder Adresse im Jurabogen.
Für wen es sich eignet
Am besten passt Bijoux Concept zu Paaren, die einen Ring wollen, der nicht von der Stange kommt, denen die Herkunft des Materials wichtig ist und die keine Eile haben, weil eine Massanfertigung mit Anprobe naturgemäss mehr Zeit braucht als ein Ring aus der Vitrine. Wer ausschliesslich montags einkaufen kann, muss die Öffnungszeiten im Blick behalten, das Atelier bleibt an diesem Tag geschlossen. Ein weiterer Punkt: Die Website ist rein französischsprachig, wer lieber auf Deutsch oder Englisch kommuniziert, sollte das vor dem Besuch klären.
Fazit
Ein kleines, von zwei Handwerkern geführtes Atelier mitten in der Neuenburger Altstadt, das seit 1997 Trauringe und Verlobungsringe komplett vor Ort fertigt und beim Material auf ein benanntes Nachhaltigkeitszertifikat statt auf blosse Behauptungen setzt. Für Paare aus der Deutschschweiz ist die Anfahrt kein Klacks, aber angesichts der Kombination aus eigener Werkstatt, zertifiziertem Recyclinggold und persönlicher Beratung durch die Inhaber selbst durchaus eine Reise wert, besonders wenn sie sich mit einem Ausflug an den Neuenburgersee verbinden lässt.