Atelier Silvio Rodrigues
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Bei den meisten Adressen in dieser Liste kauft man einen Ring. Beim Atelier Silvio Rodrigues trifft man zuerst den Mann, der ihn baut. Silvio Rodrigues ist selbst Kreateur und Sertisseur, arbeitet seit über 15 Jahren in Genf und führt sein Atelier im Quartier Acacias, an der Eugène-Marziano-Strasse südlich der Altstadt. Wer hierherkommt, sitzt nicht einer Verkäuferin gegenüber, sondern demjenigen, der später selbst den Stein in die Fassung setzt. Das ist der Kern des Angebots, und es ist auch der Grund, warum sich die Reise aus der Deutschschweiz für das richtige Projekt lohnt.
Was man hier bekommt
Das Atelier arbeitet fast ausschliesslich auf Mass. Am Anfang steht ein Gespräch, im Atelier oder per Video, bei einem Kaffee und ohne Verpflichtung. Aus diesem Gespräch entsteht ein 3D-Entwurf, den man sich vorlegen und anpassen lässt, bevor überhaupt etwas produziert wird. Danach kommt der Schritt, der das Haus von den meisten Mitbewerbern unterscheidet: Der künftige Ring wird kostenlos als Harzabguss gedruckt. Man trägt dieses Modell einige Tage, prüft Sitz und Proportion am eigenen Finger und gibt erst danach grünes Licht für die eigentliche Fertigung. Die finale Anfertigung dauert 3 bis 5 Wochen von Hand, Abholung im Atelier oder Lieferung nach Hause, mit Zertifikat.
Wer den Diamanten unabhängig vom Ring auswählen will, kann das ebenfalls tun: Man kauft zunächst nur den Stein, im eigenen Budget, die provisorische Fassung in Silber sowie das Sertieren sind dabei inbegriffen. Die definitive Fassung folgt erst nach dem Antrag, ab 675 CHF. Für Paare, die sich noch nicht auf eine Fassung festlegen wollen, ist das ein spürbar geringeres finanzielles Risiko als die übliche Reihenfolge, bei der man Stein und Fassung gemeinsam kauft, bevor überhaupt die Frage gestellt ist.
Die Leihring-Lösung für Eilige
Ein drittes Angebot richtet sich an alle, die unter Zeitdruck stehen: einen runden Geburtstag, eine gebuchte Reise, einen fixen Abend. Das Atelier leiht in diesem Fall einen Solitär-Ring in Silber mit einem Stein aus, der einem Diamanten optisch sehr nahekommt, innerhalb von 24 bis 48 Stunden verfügbar. Erhältlich sind die gängigen Grössen zwischen 52 und 54, wobei 54 laut Atelier die in der Schweiz häufigste Ringgrösse ist. Für die Leihdauer von bis zu 3 Wochen wird eine Kaution von 300 CHF verlangt, die bei Rückgabe vollständig zurückerstattet wird oder beim späteren Kauf des definitiven Rings angerechnet werden kann. Sagt sie nicht sofort Ja, entsteht keine Verpflichtung, man gibt den Leihring einfach zurück. Es ist ein pragmatisches Angebot für eine Situation, die viele Ring-Adressen schlicht ignorieren: den Antrag selbst, bevor überhaupt feststeht, was danach gebaut wird.
Naturdiamant oder Laborware
Das Atelier berät explizit zu beiden Wegen und stellt sie nüchtern nebeneinander. Laborgezüchtete Diamanten bestehen aus demselben reinen Kohlenstoff wie natürliche Steine und werden bei IGI, GIA und GCAL zertifiziert, den gleichen Laboren, die auch natürliche Diamanten prüfen. Am Beispiel eines 0,5-Karat-Steins nennt die Website als Richtwert rund 1250 CHF für die natürliche Variante gegenüber rund 350 CHF für die Laborware, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass diese Preise nicht bindend sind und je nach Schliff, Reinheit, Farbe und Diamantenbörse schwanken. Hergestellt wird über zwei Verfahren, HPHT (Hochdruck-Hochtemperatur) oder CVD (chemische Gasphasenabscheidung); für die Kundschaft heisst das vor allem, dass bei gleichem Budget ein grösserer oder reinerer Stein möglich wird, wenn man sich für Laborware entscheidet.
Wie es sich anfühlt
Die Bewertungen, die das Atelier selbst zeigt, sprechen von 5,0 von 5 bei Google aus 8 Bewertungen und von über 300 begleiteten Paaren seit 2008. Diese Zahlen stammen von der eigenen Website und liessen sich in dieser Recherche nicht extern gegenprüfen, sind aber immerhin konsistent mit den 17 Jahren Erfahrung, die an anderer Stelle auf der Seite genannt werden. Die Stimmen selbst, drei davon mit Namen, Ort und Jahr versehen, stammen von Kundinnen und Kunden aus Genf, Carouge und Lausanne und beschreiben durchweg denselben Punkt: die persönliche Betreuung durch Silvio Rodrigues selbst, vom ersten Entwurf bis zum fertigen Stück, ohne Verkaufsdruck.
Der Vergleich mit der Deutschschweiz
An der Zürcher Bahnhofstrasse kauft man Verlobungsringe meist in einer Boutique einer international tätigen Maison, in Genf sitzt man häufiger direkt bei der Werkbank. Das ist kein Zufall: Genf ist Hauptsitz von Rolex und beherbergt mit Patek Philippe, Vacheron Constantin, Omega, Frédérique Constant und Baume & Mercier weitere der bekanntesten Uhrenhäuser der Welt, was über Generationen ein tiefes Reservoir an Sertisseuren, Steinschleifern und Goldschmieden in der Stadt gehalten hat. Wer in Genf ein Atelier wie dieses aufsucht, kauft nicht nur einen Ring, sondern profitiert von einem Handwerk, das in dieser Dichte anderswo in der Schweiz selten zu finden ist. Das zeigt sich auch im eigenen Beratungsversprechen: Die Website wirbt bei den Laborware-Diamanten ausdrücklich mit der Beratung durch einen diplomierten Gemmologen, ein Fachprofil, das in Genf dank der Uhren- und Diamantenbranche dichter vorhanden ist als in den meisten anderen Kantonen.
Wer in der Deutschschweiz wohnt, muss dennoch nicht für jeden Schritt anreisen: Das Erstgespräch führt das Atelier laut eigenen Angaben wahlweise vor Ort oder per Videocall, unverbindlich und bei einem Kaffee. Die fertige Anfertigung liefert das Haus auf Wunsch auch nach Hause statt zur Abholung im Atelier. Nur die Anprobe des Harzmodells und das Sertieren selbst finden zwingend vor Ort statt, weil beides am eigenen Finger beziehungsweise am konkreten Stein geschieht. Filialen ausserhalb von Genf listet die Website nirgends, das Atelier arbeitet ausschliesslich von der einen Adresse in Acacias aus. Wer national vergleicht, muss also für diesen Anbieter zumindest für die entscheidenden Schritte tatsächlich nach Genf reisen, es gibt keine Zürcher oder Berner Zweigstelle als Abkürzung.
Für wen sich das eignet
Am besten passt dieses Atelier zu Paaren, die Zeit für einen echten Entwurfsprozess mitbringen und die den Gedanken schätzen, dass der Ring von derselben Person entworfen, modelliert und gefasst wird, die auch das Verkaufsgespräch führt. Wer zwischen Naturdiamant und Laborware schwankt, bekommt hier eine explizite, mit Zahlen unterlegte Gegenüberstellung statt eines reinen Verkaufsarguments für die teurere Option. Und wer unter Zeitdruck einen Antrag machen muss, bevor der eigentliche Ring überhaupt gebaut ist, findet mit dem Leihring eine Lösung, die andernorts kaum angeboten wird.
Ein Wermutstropfen bleibt: Wer in der Deutschschweiz wohnt, muss für jedes persönliche Treffen tatsächlich nach Genf fahren, ein Videocall ersetzt nicht jeden Schritt, insbesondere nicht die Anprobe des Harzmodells oder das Sertieren selbst. Und die auf der Website genannten Kennzahlen zu Bewertung und Kundenzahl sind Eigenangaben, die sich unabhängig nicht nachprüfen liessen. Für ein Paar, dem die Handschrift eines einzelnen Kreateurs wichtiger ist als die Nähe zum eigenen Wohnort, überwiegt das klar: ein Genfer Atelier mit klarer, nachvollziehbarer Preislogik bei Fassung und Diamant, einem ungewöhnlich kundenfreundlichen Try-before-you-buy-Schritt über den Harzabguss, und einer Antragslösung für den Moment, in dem der Ring selbst noch gar nicht fertig ist.