Bijouterie Grégoire

Rue Étienne-Dumont 8, 1204 Genf · seit 2012

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Wer die Bijouterie Grégoire sucht, findet sie nicht auf einer Einkaufsmeile, sondern in einer Seitengasse der Genfer Altstadt, an der Rue Étienne-Dumont 8, wenige Schritte vom Bourg-de-Four entfernt. Das ist selbst für Genf ungewöhnlich: Die grossen Namen der Uhren- und Schmuckbranche sitzen meist an den Rives du Lac oder in den Boutiquen rund um die Rue du Rhône, während sich in der Altstadt eher die Ateliers verstecken, die für diese Häuser produzieren. Grégoire gehört zu Letzteren, verkauft aber auch direkt an Endkunden, und genau diese Doppelrolle prägt den Laden.

Geführt wird das Geschäft von Pascal Huguenin und Sonia Lacroix, zwei Bijoutiers, deren Werdegänge fast spiegelbildlich verlaufen. Huguenin absolvierte seine Lehre bei Patek Philippe (1996-2000) und schloss 2000 mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (CFC) in Bijouterie-Joaillerie ab, danach arbeitete er von 2000 bis 2004 in verschiedenen Genfer Ateliers und Manufakturen, bevor er sich 2005 auf Fassungstechnik (Sertissage) spezialisierte und seither als selbstständiger Bijoutier und Steinfasser für diverse Luxushäuser tätig ist. Lacroix machte ihre Lehre an der Genfer Kunstgewerbeschule (1996-2000), erwarb ebenfalls 2000 das CFC, arbeitete anschliessend sechs Jahre lang als Designerin für Piaget (2000-2006) und ist seit 2006 als unabhängige Designerin für Schmuck und Uhren im Luxussegment tätig. Zwei Karrieren also, die mitten in der Genfer Manufakturwelt begonnen haben, bei Patek Philippe und Piaget, und die sich am selben Ladentisch wiedertreffen.

Diese Herkunft erklärt auch, warum sich der Handel überhaupt an diesem Ort konzentriert hat: Genf ist heute Hauptsitz von Rolex sowie Standort von Omega, Patek Philippe, Vacheron Constantin, Frédérique Constant und Baume & Mercier, und rund um diese Manufakturen ist über Generationen ein dichtes Netz an Bijoutiers, Steinfassern und Goldschmieden gewachsen, die dieses Handwerk beherrschen. Zürich hat mit der Bahnhofstrasse die grössere internationale Einkaufsmeile, aber Genf hat die Manufakturen selbst und damit auch die Ausbildungsplätze und Ateliers, aus denen Leute wie Huguenin und Lacroix kommen. Wer in der Deutschschweiz nach einem Solitär sucht, findet in Genf deshalb eine andere Dichte an Handwerkern als anderswo im Land, auch wenn der Weg an den Lac Léman weiter ist als der Sprung in die nächste Kantonshauptstadt. Der direkte IC1 verbindet Zürich ohne Umsteigen mit Genf, wer mit dem Auto kommt, fährt über die A1 quer durchs Mittelland.

Das Kerngeschäft ist die Rubrik Mariage: Solitäre und Alliancen, auf der Website mit dem Satz eingeführt, man wolle jeder Person helfen, "LE solitaire qu'il vous faut" zu finden, den einen Ring, der passt. Das Atelier selbst beschreibt seine Arbeit so, man realisiere die Träume der Kundschaft nach Mass und bringe die eigene Erfahrung und das Savoir-faire ein, um bei der Wahl eines Solitärs, einer Alliance oder eines anderen Schmuckstücks zu beraten. Konkrete Angaben zu Diamantzertifikaten, Steinherkunft oder Preisspannen macht die Seite nicht, wer also gezielt nach GIA- oder vergleichbaren Zertifikaten fragt, sollte das direkt im Laden klären.

Neben der Massanfertigung führt Grégoire die hauseigene Marke Rives Genève, 2011 lanciert und laut eigener Beschreibung vollständig im eigenen Atelier entworfen und hergestellt. Die erste Kollektion, Croisière, kam 2011 auf den Markt, 2015 folgte mit La Forêt eine zweite. 2013 gründete Huguenin zusätzlich die Firma Lux & Lab SA. Diese Kette aus Eigenmarke, eigener Firma und eigenem Atelier ist ein Unterschied zu vielen Bijouterien, die fremde Kollektionen kuratieren, ohne selbst zu produzieren. Ergänzt wird das Sortiment durch kuratierte Uhren- und Schmuckmarken wie Junghans, Nomos Glashütte, Caspita, March La.b, Philippe Barbey, Speake-Marin, Monsho und Meistersinger, was den Laden auch für alle interessant macht, die neben dem Ring gleich eine Uhr fürs Fest oder als Geschenk suchen.

Der heutige Laden an der Rue Étienne-Dumont wurde 2012 eröffnet beziehungsweise, wie es auf der Seite selbst heisst, renoviert, das Gebäude stammt vom Architekturbüro Lacroix Chessex. Ein genaues Gründungsjahr der Bijouterie als solcher nennt die Website nicht, nur dieses Datum für den heutigen Standort, weshalb sich zur älteren Geschichte des Namens Grégoire nichts Verlässliches sagen lässt. Geöffnet ist von Dienstag bis Freitag von 11 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 11 bis 17.30 Uhr, montags bleibt zu, was für einen Termin unter der Woche eher entgegenkommt als ein reiner Wochenendbetrieb. Filialen ausserhalb von Genf sind auf der Website nicht ausgewiesen, es handelt sich um einen einzigen Standort in der Altstadt.

Für die Deutschschweizer Zielgruppe ist genau diese Verbindung von Manufakturherkunft und eigenem Ladengeschäft der eigentliche Grund für den Umweg. In Zürich oder Bern findet man Juweliere, die kuratierte Kollektionen verkaufen, aber selten ein Atelier, dessen Inhaber ihre Lehre bei Patek Philippe und ihre Anstellung bei Piaget absolviert haben und heute unter eigenem Namen fassen und gestalten. Wer einen Solitär möchte, der nicht von der Stange kommt, sondern am selben Ort entworfen wird, an dem beide seit ihrer Lehrzeit im Genfer Handwerk arbeiten, bekommt hier ein Argument, das über die reine Kollektion hinausgeht. Die zwei Kollektionen von Rives Genève, Croisière und La Forêt, sind zudem nicht in jeder Bijouterie des Landes zu finden, weil sie ausschliesslich im eigenen Atelier entstehen und nicht extern lizenziert oder vertrieben werden.

Was fehlt, ist Transparenz bei den Zahlen: keine Preisliste, keine Angabe zu Wartezeiten für eine Massanfertigung, keine Aussage zu Garantiebedingungen über das gesetzliche Mass hinaus. Das ist bei einem Atelier dieser Grösse nicht unüblich, macht den ersten Kontakt aber zu einem Anruf oder Besuch statt zu einem Online-Vergleich. Auch zu Diamantzertifikaten oder zur Herkunft der verwendeten Steine äussert sich die Website nicht, wer darauf Wert legt, muss im Gespräch gezielt nachfragen. Wer aus der Deutschschweiz anreist, bucht das am besten vorab telefonisch, damit beide Bijoutiers Zeit für ein Beratungsgespräch haben, denn ein spontaner Besuch am Montag scheitert ohnehin an den Öffnungszeiten.

Unterm Strich ist die Bijouterie Grégoire ein Fall für alle, die einen Solitär nicht von der Stange, sondern von Leuten wollen, die ihr Handwerk in den grossen Genfer Manufakturen gelernt haben und heute unter eigenem Namen arbeiten. Die Kombination aus Massanfertigung, eigener Kollektion und kuratierten Uhrenmarken an einer Adresse in der Altstadt ist im nationalen Vergleich selten, und wer für den Ring ohnehin einen Ausflug an den Genfersee einplant, findet hier mehr als nur einen weiteren Juwelier auf der Liste.

Ein Nebeneffekt der Altstadtlage: Wer nach dem Termin noch Zeit hat, ist zu Fuss in wenigen Minuten am Bourg-de-Four und an der Rue du Rhône, wo sich die grossen internationalen Uhrenboutiquen aneinanderreihen, ein direkter Vergleich zwischen dem Atelierbetrieb in der Seitengasse und den Flagship-Stores am See, den man in dieser Kombination nur in Genf hat. Für Paare, die den Ring lieber im kleineren, persönlicheren Rahmen besprechen als in einer grossen Boutique, ist das ein Argument, das für die ganze Schweiz gilt und nicht nur für Genf selbst.

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