Agua de Oro

Grand-Rue 21, 1204 Genève · seit 2009

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Agua de Oro sitzt mitten in der Genfer Altstadt, an der Grand-Rue 21, und wirbt mit einem Versprechen, das bei kaum einem anderen Genfer Juwelier so klar formuliert ist: Gold aus Fairtrade-Minen und ein Diamantensortiment, das den mühsamen Weg über Konfliktregionen erst gar nicht anbietet. Wer sich für einen Verlobungsring aus der Deutschschweiz auf die Reise nach Genf macht, kauft hier nicht nur ein Schmuckstück, sondern ein Herstellungsversprechen, das sich auf der eigenen Website mit Namen und Institutionen belegen lässt.

Das Fairtrade-Gold

Auf der Seite zum eigenen Gold erklärt Agua de Oro, das Material sei "labellisé par Max Havelaar", also von der Fairtrade-Organisation Max Havelaar zertifiziert. Konkret bedeutet das laut dem Haus: Das Gold stammt aus Minen, die unter Bedingungen fördern, die "les droits humains, des principes du commerce équitable et de la préservation de l'environnement" respektieren, auf Deutsch: Menschenrechte, Prinzipien des fairen Handels und Umweltschutz. Jedes Gramm werde zu einem garantierten Mindestpreis eingekauft, dazu komme eine Fairtrade-Prämie, die direkt in die lokale Entwicklung der Minengemeinden fliesst. Die Rückverfolgbarkeit sei durch unabhängige Audits "de la mine à l'atelier" abgesichert, von der Mine bis zur eigenen Werkstatt. Konkrete Prozentsätze, wie viel des verarbeiteten Goldes tatsächlich Fairtrade-zertifiziert ist, nennt die Seite nicht, das bleibt eine Lücke in der sonst detaillierten Darstellung.

Diamanten: Labor statt Kimberley-Lücken

Bei den Diamanten wählt Agua de Oro einen ungewöhnlich offenen Ton. Die eigene Diamantenseite erklärt den Kimberley-Prozess, jenes internationale Kontrollsystem, das die Finanzierung von Konflikten durch Diamantenhandel verhindern soll, und räumt gleich selbst ein: "malgré les efforts entrepris, des problèmes subsistent encore, à cause de fuites dans le processus de contrôle", trotz aller Bemühungen blieben Probleme bestehen, weil das Kontrollsystem Lücken habe. Die Konsequenz, die das Haus daraus zieht: ein grosses Angebot an laborgezüchteten Diamanten als Alternative zu geförderten Steinen, chemisch und physikalisch identisch, aber ohne die Herkunftsfrage. Bei den 4Cs, also Schliff, Farbe, Klarheit und Karat, bleibt die Website allgemein gehalten, sie erklärt das Prinzip, nennt aber keine konkreten Grade oder Labor-Standards. Für die verkauften Steine verspricht die Seite immerhin: "Chaque diamant est livré avec son certificat", jeder Diamant wird mit einem Zertifikat geliefert. Welches Labor dieses Zertifikat ausstellt, GIA, IGI oder ein anderes, wird auf der Website nicht genannt, das lässt sich nur im Laden selbst klären.

Warum Genf und nicht einfach die eigene Filiale in Zürich

Agua de Oro betreibt neben Genf auch eine Boutique an der Wohllebgasse 7 in Zürich, das Haus deckt die Deutschschweiz also längst selbst ab. Wer trotzdem nach Genf reist, kauft aber nicht bei einer Filiale, sondern am Ursprungsort: Die Geschichte des Hauses beginnt 2009 in Genf, "AGUAdeORO est née à Genève en 2009", und die Fertigung ist bis heute dort verankert. Die Seite zu "Swiss Made" beschreibt es so: "Chaque bijou, conçu dans nos ateliers genevois, est le fruit d'un savoir-faire artisanal", jedes Schmuckstück entstehe in den eigenen Genfer Ateliers. Designer und Steinsetzer arbeiten laut eigener Aussage vor Ort, vom Entwurf bis zum Polieren. Wer in Genf kauft, kauft also näher an der eigenen Werkstatt als an einer reinen Verkaufsfläche, ein Unterschied, den man in Zürich so nicht hat.

Dazu kommt, was Genf als Stadt für den Schmuck- und Uhrenhandel überhaupt bedeutet. Genf ist Hauptsitz von Rolex und Heimat weiterer Luxusuhrenhersteller wie Omega, Patek Philippe, Vacheron Constantin, Frédérique Constant und Baume & Mercier, eine Dichte an Maisons, die keine andere Schweizer Stadt erreicht. Die Wurzeln reichen laut Wikipedia bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurück, als protestantische Glaubensflüchtlinge vor religiöser Verfolgung bei Jean Calvin in Genf Zuflucht fanden und dort ihr Goldschmiede- und Uhrmacherhandwerk weiterführten. Aus dieser Fluchtgeschichte ist über die Jahrhunderte ein Cluster aus Ateliers, Steinhändlern und Prüfstellen gewachsen, in dem sich auch ein kleineres, wertegetriebenes Haus wie Agua de Oro bewegt, anders als eine Adresse in einer Stadt ohne diese Handelstiefe.

Das Sortiment

Das Angebot reicht von klassischen Solitären über Pavé- und Halo-Fassungen bis zu eigenen Kollektionen wie "Blooming Flower" oder "Tear of Joy", jeweils in Weissgold, Gelbgold, Rotgold oder Platin 950 erhältlich. Die Preise, die auf der Website offen ausgewiesen sind, liegen für einfachere Eheringe bei rund CHF 1'890 und reichen bei aufwendigeren Solitärringen und Colliers bis über CHF 8'990. Ein Ring mit 0,15 Karat startet dort, wo viele Häuser aufhören zu kommunizieren, nämlich mit einem sichtbaren Preis pro Stück statt einer reinen Anfrage-Option. Neben Verlobungs- und Eheringen führt Agua de Oro auch Ohrringe, Colliers, Armbänder sowie farbige Edelsteine wie Rubine, Smaragde und blaue Saphire, dazu ein Gravurservice für individuelle Stücke.

Für wen sich der Umweg lohnt

Agua de Oro richtet sich an Paare, die sich vor dem Kauf tatsächlich mit der Herkunft ihres Rings beschäftigen wollen, nicht nur mit Fassung und Karatzahl. Wer ohnehin schon einen Ausflug nach Genf plant, etwa wegen der dortigen Uhrenmaisons oder des Sees, kann den Boutique-Besuch mit einer Verkostung des Themas verbinden, das die Stadt seit Jahrhunderten prägt: Edelmetall- und Steinverarbeitung auf höchstem handwerklichem Niveau. Wer dagegen nur den günstigsten Ring sucht, ist bei Agua de Oro an der falschen Adresse, das Fairtrade-Gold und die kleinteilige Genfer Fertigung haben ihren Preis, und das Haus verschweigt das nicht. Für Paare, die ihre Deutschschweizer Filiale in Zürich ohnehin schon kennen, liefert der Besuch in Genf den Kontext dazu: die Werkstatt, aus der die Stücke tatsächlich stammen, nicht nur die Vitrine, in der sie verkauft werden.

Vor Ort in Genf

Der Laden liegt "au cœur de la vieille ville de Genève", im Herzen der Genfer Altstadt, an der Grand-Rue 21. Termine lassen sich über Calendly buchen, ein spontaner Besuch ohne Reservation ist laut Website ebenfalls möglich. Wer telefonisch vorfragen will, erreicht das Haus unter +41 22 732 38 64 oder per Mail an sales@aguadeoro.ch. Konkrete Öffnungszeiten nennt die Website nicht direkt, sie verweist stattdessen auf den Google-Eintrag, ein kleiner, aber echter Reibungspunkt für alle, die vor der Anreise fest planen wollen.

Fazit

Für Käufer aus der Deutschschweiz ist Agua de Oro einer der wenigen Genfer Adressen, die ihr Ethik-Versprechen nicht nur behaupten, sondern mit Namen wie Max Havelaar und einer offenen Auseinandersetzung mit den Schwächen des Kimberley-Prozesses unterlegen. Dass Zertifizierungslabore für die einzelnen Diamanten nicht benannt werden und Öffnungszeiten nur über Google zu finden sind, sind reale Lücken, aber keine, die das Kernversprechen infrage stellen. Wer ohnehin für die Uhren- und Schmuckszene nach Genf reist, findet hier ein Haus, dessen Werkstatt tatsächlich vor Ort liegt und nicht nur eine Filiale einer Zürcher Zentrale ist.

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