Goldschmiede Sollberg

Bälliz 13, Thun

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Wer in Thun nach der Bälliz-Insel sucht, findet ein schmales Stück Altstadt zwischen der Inneren und der Äusseren Aare, dazwischen Wasser auf beiden Seiten. An der Hausnummer 13 sitzt die Goldschmiede Sollberg, ein Familienbetrieb, den Deborah Wälti-Sollberger führt, während ihr Vater Ulrich Sollberger als Goldschmied im Atelier arbeitet. Wer ein Paar Eheringe oder einen Verlobungsring sucht, der nicht aus einer Vitrinenreihe stammt, sondern am eigenen Werktisch entsteht, ist hier richtig, und wer aus Bern, Fribourg oder weiter her anreist, bekommt in Thun ein Handwerk zu sehen, das sich von den städtischen Adressen im eigenen Kanton deutlich unterscheidet.

Ein Atelier auf der Insel, kein Schaufenster in der Fussgängerzone

Der Werkraum selbst ist Teil des Angebots. Die Firma beschreibt ihn als Raum mit freigelegter Natursteinwand und handgefertigten Vitrinen im Schaufenster, dazu ein eigens angefertigter Tisch aus massivem Eisenblech, an dem Kundinnen und Kunden ihre Wünsche besprechen. Es ist eine bewusste Abkehr vom Verkaufsraum-Standard: kein Regal mit vorgefertigten Ringschienen, sondern ein Ort, an dem das Gespräch über Metall, Form und Fassung direkt am Objekt stattfindet. Bern selbst kennt diese Handwerksform vor allem in kleinen, inhabergeführten Ateliers unter den Lauben der Altstadt, eng an die Arkadenstrasse gebunden. Sollberg liegt anders: nicht unter Lauben, sondern auf einer Flussinsel, die selbst schon ein Stück Stadtgeschichte ist, und das prägt auch, wie das Geschäft sich präsentiert, ruhiger, weniger auf Laufkundschaft angewiesen als auf die Beratung mit Termin.

Öffnungszeiten sind entsprechend zurückhaltend gesetzt: Montag und Dienstag ist geschlossen, Mittwoch bis Freitag ist von 14 bis 18 Uhr geöffnet, Samstag durchgehend von 10 bis 16 Uhr. Für eine Eheringberatung wird ausdrücklich empfohlen, vorher einen Termin zu vereinbaren, damit genug Zeit reserviert werden kann, ausserhalb dieser Zeiten sind Termine nach Vereinbarung möglich. Das ist kein Nebensatz, sondern ein Hinweis darauf, wie das Geschäft arbeitet: mit reservierter Zeit statt mit offener Kundschaft von der Strasse.

Kein Sortiment, sondern ein Entwurf pro Paar

Das eigentliche Angebot bei den Eheringen ist ausdrücklich kein Sortiment. Auf der eigenen Beratungsseite schreibt die Goldschmiede, dass es bei ihr kein vorgefertigtes Ehering-Sortiment gebe, sondern viele Beispiele, an denen sich Paare orientieren können. Anhand von Fotos, Prospekten und Skizzen, die im Gespräch entstehen, wird jedes Ringpaar gemeinsam entworfen, das Ergebnis sind laut eigener Aussage zwei Unikate. Die Firma betont dabei, dass diese Einzelanfertigungen wegen des fehlenden Zwischenhandels preislich nicht über industriell gefertigten Ringen liegen müssen, eine Aussage, die sich nicht unabhängig nachprüfen lässt und daher hier nur als Selbstauskunft steht.

Materialseitig ist die Bandbreite ungewöhnlich gross für ein Atelier dieser Grösse. Auf der Eheringe-Seite laufen aktuell Ausführungen in Gelbgold, Rotgold, Silber, Platin, Palladium, Edelstahl, Titan, Tantal und Carbon, teils auch als Kombination mehrerer Metalle in einem Ring. Diese Materialvielfalt ist keine Randnotiz: Tantal und Carbon etwa sieht man in den meisten Trauring-Auslagen gar nicht, weil sie sich anders verarbeiten lassen als klassisches Gold und im Atelier eigenes Wissen brauchen. Über die Eheringe hinaus fertigt der Betrieb auch Colliers, Perlenketten, Broschen und Herrenschmuck wie Manschettenknöpfe, Gürtelschnallen, Pins und Krawattenklammern, bis hin zu mit Gold und Edelsteinen veredelten Alltagsobjekten wie einer Computermaus oder einem USB-Stick.

Die Berge als wiederkehrendes Motiv

Ein eigenes Merkmal des Hauses sind Ringe mit Alpenmotiven, eine eigene Menü-Rubrik der Website heisst schlicht "Berge". Die gezeigten Stücke tragen Namen wie Bishorn, Niesen, Stockhorn, Bergrelief mit Schreckhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau, meist als feines Relief oder als eingelegte Linie aus Carbon oder Silber, die den Gebirgshorizont auf dem Ring nachzeichnet. Bei einem Stück wird die Bergsilhouette laut Beschreibung sogar nach einem Foto der Kundschaft gestaltet. Für ein Atelier so nah am Alpenrand ist das ein naheliegendes, aber selten so konsequent verfolgtes Motiv, und es ist ein Grund, weshalb ein Ring von hier sich von einer Zürcher oder Genfer Fassung unterscheidet, ohne dass die Handwerksqualität dahinter zurückstehen müsste.

Reparatur, Umarbeitung und Ankauf als zweites Standbein

Neben Neuanfertigungen bietet die Goldschmiede auch Reparaturen und Änderungen an bestehendem Schmuck an, dazu laut Website die Möglichkeit, alte Eheringe zu neuen umzuarbeiten, ein Angebot, das gerade bei geerbtem oder nicht mehr passendem Familienschmuck gefragt ist. Auf der Startseite wird zudem der Ankauf von Altgold erwähnt. Das sind typische Zusatzleistungen eines Goldschmiedeateliers, die zeigen, dass der Betrieb nicht nur auf das einmalige Verlobungs- oder Hochzeitsgeschäft setzt, sondern auf eine langfristige Beziehung zur Kundschaft, vom ersten Ring bis zur Umarbeitung Jahrzehnte später.

Diese Bandbreite an Zusatzleistungen ist auch deshalb bemerkenswert, weil sie alle im selben kleinen Atelier erbracht werden, ohne dass Aufträge an externe Werkstätten weitergereicht würden. Wer eine Fassung ändern, einen Ring enger oder weiter machen oder ein Erbstück in ein neues Paar Eheringe verwandeln lassen will, spricht direkt mit der Person, die später auch am Werktisch steht. Das ist ein Unterschied zu grösseren Fachgeschäften, wo Reparaturen häufig an ein zentrales Servicecenter der Marke gehen und Wochen dauern können, während hier die Werkstatt und der Verkaufsraum im selben Gebäude auf der Bälliz liegen.

Warum ein nationaler Eintrag

Hinter dem Ladenschild steht die Sollberg Schmuck GmbH, wie das Impressum als eingetragene Firma nennt, kein loses Einzelunternehmen ohne rechtliche Struktur. Die Firma selbst führt keine Filialen, das Impressum der Website nennt nur die eine Adresse auf der Bälliz, was zur kleinteiligen, ortsgebundenen Arbeitsweise passt, die auf dieser Seite beschrieben ist. Neben den Alpenmotiven zeigt die Galerie auch einen Ring mit eingearbeitetem Laser-Fingerabdruck, ein weiteres Beispiel dafür, dass hier tatsächlich individuell nach Kundenwunsch gefertigt wird statt aus einem festen Formenkatalog ausgewählt zu werden. Das Impressum trägt zudem ein Copyright, das bis ins laufende Jahr reicht, ein einfacher, aber verlässlicher Hinweis darauf, dass die Website aktiv gepflegt wird und der Betrieb kein Auslaufmodell ist.

Wen das Atelier überzeugt

Wer eine grosse Auswahl an fertigen Ringschienen zum sofortigen Anprobieren sucht, ist bei Sollberg an der falschen Adresse, genau das bietet der Betrieb bewusst nicht an. Wer dagegen bereit ist, sich Zeit für ein Beratungsgespräch zu nehmen und ein Ringpaar wirklich mitzuentwerfen, findet hier ein Atelier, das ungewöhnliche Materialien beherrscht, mit den Alpen ein eigenes Formthema pflegt und mit der Insellage auf der Bälliz einen Standort hat, der sich vom Grossstadtjuwelier ebenso unterscheidet wie vom Lauben-Atelier in der Berner Altstadt. Der einzige nachvollziehbare Wermutstropfen: ohne Termin bleibt die Tür an drei Wochentagen zu, und wer spontan vorbeischauen will, sollte vorher anrufen.

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