Jörg Eggimann Goldschmied

Helvetiastrasse 5, CH-3005 Bern

Zum Bewerten auf einen Stern tippen

Wer in der Schweiz gezielt nach einem Verlobungsring aus fairem Gold sucht, landet früher oder später bei Jörg Eggimann in Bern. Seine Werkstatt an der Helvetiastrasse 5 liegt nicht in einer Einkaufsstrasse, sondern gegenüber dem Erweiterungsbau Kubus/Titan des Historischen Museums Bern, mitten im ruhigen Kirchenfeld-Quartier. Eggimann selbst beschreibt die Lage so: Die Goldschmiede liege gegenüber dem Museumsbau, im ruhigen Museumsquartier lasse es sich vorzüglich wirken. Wer einen Ring bestellt, kauft ihn also nicht von der Stange in einem Verkaufsraum, sondern bespricht ihn direkt mit dem Mann, der ihn danach an derselben Adresse von Hand fertigt.

Eggimann selbst schreibt, dass er als einer der Pioniere für fairtrade Schmuck in der Schweiz bereits auf über 17 Jahre Selbständigkeit zurückblicken kann. Der fairtrade Gedanke ist bei ihm kein Marketingzusatz, sondern der Kern des Angebots. Er verarbeitet vorwiegend Fairtrade-Gold von Max Havelaar sowie ökofaires Gold von EcoAndina, dazu Edelsteine aus fairem Handel, wo immer das möglich ist. Erst wenn technische Gründe es verlangen, greift er auf Recycling-Edelmetalle oder Edelsteine aus konventionellen Quellen zurück, und er sagt das auf seiner eigenen Seite auch so offen. Seit 2016 ist er Lizenznehmer von Max Havelaar Schweiz, und seine Fairtrade-Praxis wurde durch FLOCERT 2019 und erneut 2025 auditiert und zertifiziert. Diese Kontinuität über fast zehn Jahre unterscheidet ihn von Adressen, die faires Gold nur als ein Sortiment unter vielen führen.

Ausbildung und Werdegang

Eggimanns Weg zum Goldschmiedemeister zieht sich über zwei Jahrzehnte. Die Lehre als Goldschmied absolvierte er von April 1985 bis April 1989 bei H.U. Geissbühler in Konolfingen, danach folgte von September 1994 bis Februar 1995 ein Praktikum als Juwelenfasser bei Christian Jensen in Bern. Es folgten Auslandsstationen: ein Silberschmiedekurs an der London Guildhall University von Februar bis Juni 1998, dort ausgezeichnet mit einem Certificate of Merit im Fach Silberschmieden an der Sir John Cass Faculty of Arts, Design and Manufacture, und ein Gastsemester in Hildesheim von September 1998 bis Februar 1999 bei Professor Werner Bünck. Nach einem Vorbereitungskurs zur Meisterprüfung von 2004 bis 2006 schloss er im Februar 2006 als Goldschmiedemeister ab. Auf seiner Über-mich-Seite fasst er das selbst zusammen: Wer über 40 Jahre dem Goldschmiedehandwerk treu bleibe, könne nur mit Leidenschaft am Werk sein, schreibt er, und rechnet dabei die Lehrzeit ab 1985 mit ein.

2010 erhielt er den Swiss Ethics Award für sein Projekt Fair Trade Schmuck, einen Preis, der laut Auszeichnung Wirtschaftsprojekte ehrt, die neue ethische Massstäbe setzen. Über die Jahre berichteten mehrere Medien über ihn und sein Thema, darunter der Bund mehrfach zwischen 2008 und 2025, die Berner Zeitung, Le Temps, Journal B, reformiert. und das KMU-Magazin. Diese Reihe an Presseartikeln über fast zwei Jahrzehnte zeigt, dass er als einer der Pioniere für fairtrade Schmuck in der Schweiz nicht nur sich selbst so bezeichnet, sondern auch von aussen so wahrgenommen wird.

Trauringe, Verlobungsringe und Schmuck aus eigener Hand

Im Zentrum des Angebots stehen fairtrade Trauringe, die Eggimann individuell nach den Wünschen des Paars gestaltet. Weil jeder Ring einzeln von Hand gefertigt wird, ergeben sich laut seiner eigenen Beschreibung individuelle Preise statt einer festen Liste, und er empfiehlt dafür ein unverbindliches Beratungsgespräch direkt in seinem Geschäft, bei dem er anhand von Skizzen oder Modellen die Vielfalt der Möglichkeiten zeigt. Wer dem Ring eine persönliche Note geben möchte, kann eine Gravur oder einen zusätzlichen Edelstein wählen. Eine eigene Unterseite ausschliesslich für Verlobungsringe führt seine Website derzeit nicht, der entsprechende Menüpunkt verweist auf eine Seite, die nicht erreichbar ist; das Trauring-Sortiment und das allgemeine Schmuckangebot decken das Thema aber inhaltlich ab, und ein Verlobungsring lässt sich im selben Beratungsgespräch besprechen wie ein Trauringpaar.

Über die Ringe hinaus entstehen in seiner Werkstatt vorwiegend Einzelstücke: Hals-, Ohr- und Armschmuck in einer, wie er selbst schreibt, klaren, modernen Formensprache mit schlichter Eleganz. Ihm ist wichtig, ein Schmuckstück vom Entwurf bis zum fertigen Objekt selber herzustellen, statt Teile davon auszulagern. Das passt zur kleinen Grösse des Betriebs: ein einzelner Goldschmiedemeister, keine Filialkette, ein Geschäft.

Warum gerade Bern

Das traditionelle Berner Goldschmiedehandwerk sitzt zu einem grossen Teil unter den Lauben der Altstadt, in kleinen, inhabergeführten Läden. Eggimanns Werkstatt liegt bewusst nicht dort, sondern jenseits der Aare im Kirchenfeld-Quartier, direkt gegenüber dem Historischen Museum Bern, in einem ruhigeren Umfeld ohne Schaufensterdrängelei. Für ein Beratungsgespräch über einen Verlobungsring ist das kein Nachteil: Wer einen Termin vereinbart, sitzt dem Goldschmied direkt gegenüber, nicht einer Verkäuferin an einer Ladentheke.

Im Vergleich zu Zürich, wo die grossen, international ausgerichteten Häuser an der Bahnhofstrasse das Bild prägen, oder zu Genf, wo ein Teil des Handels über Handelsbüros für den internationalen Auktions- und Grosshandel läuft, bleibt das Berner Goldschmiedehandwerk kleinteiliger: einzelne Meisterbetriebe statt grosser Marken, persönliche Beratung statt Verkaufsfläche. Eggimann passt in dieses Bild, mit dem Unterschied, dass er sein fairtrade Thema so konsequent verfolgt wie kaum ein anderer Betrieb in der Kategorie. Filialen ausserhalb von Bern führt er keine, auf seiner Website erscheint durchweg nur die eine Adresse an der Helvetiastrasse.

Wer national vergleicht, findet faires Gold zunehmend auch im Sortiment grösserer Ketten, meist als eine Option neben konventionellem Material. Bei Eggimann ist die Reihenfolge umgekehrt: Fairtrade-Gold von Max Havelaar und ökofaires Gold von EcoAndina bilden die Grundlage, konventionelles Material bleibt die Ausnahme, die er nur bei technischer Notwendigkeit einsetzt. Diese Reihenfolge, nicht die Adresse allein, ist der eigentliche Grund, warum ein Paar aus einem anderen Kanton für ein Beratungsgespräch nach Bern fährt, statt beim Goldschmied am eigenen Ort ein einzelnes Fairtrade-Modell abzufragen.

Öffnungszeiten und Erreichbarkeit

Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 10:00 bis 12:30 Uhr und von 14:00 bis 18:00 Uhr, samstags von 10:00 bis 14:00 Uhr, ausserhalb dieser Zeiten nach Vereinbarung. Das Geschäft ist telefonisch unter 0041 31 332 70 29 erreichbar. Zum Zeitpunkt der Recherche kündigte die Website eine Betriebsschliessung vom 8. bis zum 24. August 2026 an, mit Wiedereröffnung am 25. August, ein reguläres Sommerferienfenster und kein Hinweis auf eine dauerhafte Schliessung.

Ein paar Einschränkungen

Die Website nennt keine konkreten Preise für Ringe, weder für Trauring- noch für Verlobungsringpaare, sodass sich der Betrag erst im persönlichen Gespräch klärt, was bei einem reinen Einzelanfertigungsbetrieb aber wenig überrascht. Wer eine grosse Auswahl an fertigen Modellen zum sofortigen Anprobieren sucht, ist bei einem Betrieb dieser Grösse und Ausrichtung ohnehin falsch, hier entsteht der Ring erst im Gespräch. Die Unterseite für Verlobungsringe, auf die das Menü verweist, ist derzeit nicht erreichbar, ein kleiner technischer Mangel auf einer inhaltlich sonst gut gepflegten Seite mit aktuellen Presseeinträgen bis ins Jahr 2025.

Für Paare, die in der ganzen Schweiz gezielt nach einer Adresse suchen, an der Fairtrade-Gold nicht nur im Sortiment steht, sondern die eigentliche Geschäftsgrundlage bildet, und die dafür auch einen Ausflug in die Bundesstadt in Kauf nehmen, ist Eggimanns Werkstatt im Kirchenfeld eine der konsequentesten Adressen des Landes. Wer stattdessen eine grosse Auswahl an der Ladentheke will, findet die eher in einem der internationaler ausgerichteten Zentren der Kategorie.

Mehr aus Bern und Freiburg

Alle ansehen