Rüthy Goldschmiede

Kramgasse 82, 3011 Bern · seit 1997

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Wer in Bern nach einem Verlobungsring sucht, landet fast zwangsläufig in der Kramgasse, mitten in der Altstadt und unter den gedeckten Lauben, die hier seit dem 15. Jahrhundert das Strassenbild prägen. Auf Nummer 82 arbeitet die Rüthy Goldschmiede GmbH, ein Zweipersonenbetrieb, geführt von Stefan Rüthy und Alexandra Döme. 1997 übernahmen die beiden das Geschäft von Othmar Zschaler, nachdem Stefan Rüthy zuvor 9 Jahre lang in dessen Atelier gearbeitet hatte. Es ist damit kein junger Laden, aber auch keiner, der sich über eine lange Familiendynastie definiert: Die Übernahme selbst ist die Geschichte, nicht eine Ahnenreihe.

Was man hier bekommt

Das Kerngeschäft ist die eigene Werkstatt. Beide Inhaber sind ausgebildete Goldschmiede: Stefan Rüthy trägt den Titel Goldschmied EFZ SWB und ist zugleich Berufsfachlehrer SFGBB sowie Prüfungsexperte beim Qualifikationsverfahren Goldschmiede EFZ. Alexandra Döme ist Goldschmiedin EFZ SWB und Goldschmiedemeisterin HF, ebenfalls Berufsfachlehrerin SFGBB, und hat 2004 den Schweizer Goldschmiede-Wettbewerb mit dem ersten Preis gewonnen. Beide bilden nach eigener Aussage als Meister ihres Berufs auch zukünftige Goldschmiede aus, das Geschäft ist also gleichzeitig Lehrbetrieb. Wer einen Ring in Auftrag gibt, bekommt ihn nicht von einer Verkaufstheke vermittelt, sondern von Leuten, die selbst am Stichel und an der Lötlampe stehen.

Verlobungsringe fertigt Rüthy in 750er Gold, wahlweise gelb, rosé, rot oder weiss. Als Steine stehen naturfarbene Brillanten, im Rosenschliff geschliffene Diamanten sowie ovale Diamanten in natürlicher Farbe zur Auswahl, dazu weisse Brillanten für Kombinationen. Die Website beschreibt den Ansatz so: "Ihr Wunsch und unsere Beratung, beides wesentliche Bestandteile einer sorgfältigen Auswahl für die Auserwählte." Konkrete Preise, Mindestpreise oder Lieferfristen nennt die Website nicht, wer eine Zahl braucht, muss im Laden vorbeigehen oder anrufen.

Wer sich hier verlobt, kann später auch die Trauringe im selben Atelier bestellen. Die Website beschreibt den Trauring so: "Der Trauring, bedeutungstragend wie kein anderes Schmuckstück. Wir fertigen ihn einzeln von Hand und setzen bei Bedarf auch modernste Techniken ein." Zum Ablauf heisst es: "Im Beratungsgespräch offenbaren sich Vorstellungen und Wünsche, so unverwechselbar wie das Paar und seine Geschichte. Subtile Symbole und verbindende Elemente führen zu individuellen Ringen für das zukünftige Ehepaar." Auch hier gilt: "Wir tragen den individuellen Vorstellungen Rechnung." Für ein Paar, das den Ring vor Ort in Bern bestellt, bedeutet das, den Verlobungs- und den Trauring bei denselben zwei Goldschmieden in Auftrag geben zu können, ohne den Betrieb zu wechseln.

Wie weit die Werkstatt technisch reicht, zeigt die separate Reihe "dasExklusive", eine jährlich wechselnde Sammlung von Einzelstücken ausserhalb des klassischen Ring-Sortiments. Dort verarbeitet Rüthy neben 750er Gold auch reinere Legierungen, laut Website "Au 999, PT 950 und Ag 999", kombiniert etwa mit einer Naturperle von "8.76ct". Ein Amulett aus dieser Reihe wird so beschrieben: "Sonne und Mond, Tag und Nacht, vereint in einem Amulett, das weder Vorder- noch Rückseite kennt." Als Leitsatz dazu formuliert die Website: "Ideen und Visionen leiten unseren Schaffensprozess, Leidenschaft und Perfektion die Umsetzung." Für die Verlobungsringe selbst heisst das vor allem eines: Wer will, bekommt nicht nur ein Standardmodell aus dem Katalog, sondern Zugang zu einer Werkstatt, die auch technisch anspruchsvollere Einzelanfertigungen jenseits von 750er Gold beherrscht.

Was das Geschäft auszeichnet

Rüthy stellt sich nicht als Katalog-Juwelier dar, sondern über die Idee des Einzelstücks. Der Eigenbeschrieb dazu: "Die Konzentration aufs Wesentliche. Der Mut zur Reduktion. Sie führen zu einzigartiger Tragbarkeit." Und weiter: "Unikate in hoher Goldschmiedekunst, aus hochwertigen Materialien gefertigt. Im Mittelpunkt ein Edelstein. Seine Ausstrahlung ist uns Inspiration." Ob eine Kundin ein bestehendes Modell bestellt oder eine reine Atelieranfertigung nach eigener Idee, das Geschäft beschreibt beides als gleichwertigen Weg: "Ob in Ihrem Auftrag oder für eine Atelieranfertigung, Interesse und Neugier bestimmen das sorgfältige Umsetzen von Ideen." Das ist erkennbar die Sprache eines Ateliers, das mit individuellen Anfertigungen wirbt, nicht mit Lagerware.

Wie sich die Adresse einordnet

Die Kramgasse selbst ist keine beliebige Einkaufsstrasse. Sie gehört zur Berner Altstadt, die seit 1983 als UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen ist, und ihre charakteristischen Lauben entstanden im 15. Jahrhundert, als die Stadt nach dem grossen Brand von 1405 in Stein statt in Holz wiederaufgebaut wurde. Das Berner Goldschmiedehandwerk hat sich historisch genau in diesen engen, überbauten Altstadtgassen angesiedelt, kleine, inhabergeführte Ateliers unter den Arkaden statt grosser Schaufensterfronten. Das unterscheidet den Berner Handel deutlich von der Zürcher Bahnhofstrasse mit ihren internationalen Häusern oder von den grossen Handelskontoren, die den Genfer Uhren- und Schmuckmarkt prägen. In Bern kauft man eher bei den Leuten, die den Ring auch selbst herstellen, als in einer Filiale eines überregionalen Namens.

Der Bahnhof Bern liegt von der Kramgasse aus in Gehdistanz durch die geschlossene Altstadt, ein Grund, der die Adresse für Reisende aus anderen Kantonen zugänglich macht: Wer mit dem Zug aus Zürich, Basel oder der Westschweiz anreist, muss kein Auto organisieren, um bis vor die Ladentür zu kommen. Filialen ausserhalb der Kramgasse weist die Website nicht aus, der Betrieb firmiert nach eigener Darstellung an dieser einen Adresse.

Wer hierher passt

Rüthy passt zu Paaren, die einen Ring wollen, der nicht von der Stange kommt, und die bereit sind, den Entstehungsprozess mit den Goldschmieden selbst zu besprechen statt mit einer Verkaufsperson. Wer eine grosse Auswahl an sofort verfügbaren Fassungen und Grössen sehen will, ist bei einem grösseren Haus mit Lagerbestand vermutlich schneller bedient, Rüthy stellt das Einzelstück und die Massanfertigung in den Vordergrund, nicht die schnelle Mitnahme. Wer als Paar aus einem anderen Kanton anreist, bekommt dafür einen Betrieb, der über die eigene Lehrtätigkeit und den gewonnenen Wettbewerb belegbar zur handwerklichen Spitze der Schweizer Goldschmiedezunft zählt.

Öffnungszeiten und Erreichbarkeit

Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 09:00 bis 12:00 und von 13:30 bis 18:00 Uhr, samstags durchgehend von 10:00 bis 16:00 Uhr. Montags bleibt das Geschäft geschlossen, eine Besonderheit, die man bei der Reiseplanung aus einem anderen Kanton einkalkulieren sollte. Kontakt ist telefonisch unter +41 31 311 45 35 oder per E-Mail an info@ruethy.ch möglich.

Fazit

Für einen Verlobungsring aus eigener Werkstatt, gefertigt von zwei EFZ-Goldschmieden mit Meistertitel und Wettbewerbserfolg, ist die Kramgasse 82 eine der wenigen Adressen in der Schweiz, an der Beratung, Entwurf und Herstellung tatsächlich am selben Tisch stattfinden. Der Standort mitten in der Berner Welterbe-Altstadt macht den Besuch zusätzlich zu einem Ausflug, der sich auch ohne Ringkauf lohnt, wer die Werkstatt aber gezielt aufsucht, bekommt ein Stück, das anderswo in dieser Form nicht existiert.

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