Kostbares - Angela Zbinden
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Bei Kostbares in Basel gibt es keine Verkaufstheke und kein Team von Beratern. Es gibt eine Goldschmiedin, Angela Zbinden, und ihren Werktisch am Leonhardsberg, mitten in der Basler Altstadt, ein paar Schritte vom Barfüsserplatz und von der Leonhardskirche entfernt. Wer hier ein Verlobungsring bestellt, bestellt ihn bei der Person, die ihn auch anfertigt. Das ist der eigentliche Unterschied zu den grösseren Häusern in der Stadt, und er zieht sich durch den ganzen Auftritt des Ateliers.
Zbinden ist 1973 in Basel geboren und in der Stadt auch ausgebildet worden. Nach dem Vorkurs an der Kunstgewerbeschule Basel absolvierte sie ihre Lehre bei Goldschmied Kurt Degen, ebenfalls in Basel, also den klassischen Weg zum Handwerk, der in der Schweiz mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis endet und den auch heute noch jede angehende Goldschmiedin oder jeder Goldschmied durchläuft. Zwischen den Stationen ihrer Ausbildung lagen für sie auch andere Berufe: Sie arbeitete als Zeichenlehrerin, als Dekorateurin und als Tanzlehrerin, bevor sie zum Schmuck zurückkehrte. Danach folgten Jahre bei Goldschmied Rainer Parzevall in Deutschland, eine Anstellung bei Comme les Millionaires in Zürich und Entwürfe für Varga's Art, sowohl in Zürich als auch in Ungarn. Diese Umwege sind auf der Website als eigene Stationen aufgeführt und lesen sich weniger wie ein Lebenslauf zur Selbstdarstellung als wie eine ehrliche Skizze eines Werdegangs, der nicht geradlinig verlief.
Selbständig ist Zbinden seit 1998, ihr eigenes Atelier unter dem Namen Kostbares eröffnete sie 1999. Seither arbeitet sie am gleichen Standort in Basel, ohne Filiale, ohne zweiten Verkaufspunkt in einer anderen Stadt. Wer hierherkommt, kommt an den einen Ort, an dem auch geschmiedet wird, nicht an eine von mehreren Adressen eines grösseren Betriebs.
Was das Atelier anbietet
Kostbares führt vier Schmuckgruppen: Ringe, Halsschmuck, Ohrschmuck sowie eine eigene Kategorie für Ehe- und Verlobungsringe. Die Website zeigt zu jeder Gruppe eine Galerie mit fertigen Arbeiten, aber bewusst wenig Fliesstext, keine Preisangaben und keine Materialtabellen. Das ist für ein Einzelatelier dieser Grösse nicht ungewöhnlich: Wer bestellen will, klärt Material, Steine und Preis im Gespräch am Werktisch, nicht über einen Onlinekonfigurator. Zu Gold- und Platinlegierungen, zu Steinzertifikaten oder zu einer allfälligen Punzierung durch die Edelmetallkontrolle macht die Website keine Angaben, weshalb sich an dieser Stelle auch keine seriösen Aussagen dazu treffen lassen, ausser dem allgemeinen Hinweis, dass für jeden Kauf in der Schweiz ohnehin die zweijährige Gewährleistung nach Obligationenrecht gilt, unabhängig davon, bei welchem Goldschmied man kauft.
Was die Website stattdessen deutlich macht, ist die Arbeitsweise. Zbinden beschreibt selbst, wie sehr ihr die Zusammenarbeit mit der Kundschaft wichtig ist: Sie geniesse es, gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden etwas entstehen zu lassen. Wer möchte, darf ihr beim Schmieden über die Schulter schauen oder selbst Feile und Hammer in die Hand nehmen. Das ist eine Einladung, die man bei einem klassischen Schmuckgeschäft an der Freien Strasse oder in einem Einkaufszentrum kaum bekommt, und sie passt zu einem Betrieb, der aus einer einzigen Werkstatt lebt statt aus einer Verkaufsfläche.
Für ein Verlobungsring-Projekt heisst das konkret: Der Weg führt nicht über eine Vitrine mit fertigen Modellen, sondern über ein Gespräch, in dem Wünsche, Budget und Zeitrahmen geklärt werden, bevor überhaupt ein Entwurf entsteht. Diese Arbeitsweise braucht mehr Vorlauf als der Kauf eines Serienrings, dafür bekommt man ein Stück, das ausschliesslich für dieses eine Paar entstanden ist und dessen Entstehung man, wenn man will, selbst miterlebt hat. Für Paare, die sich Zeit nehmen wollen und die den Gedanken schätzen, dass ihr Ring buchstäblich von Hand an einem einzigen Werktisch in Basel entsteht, ist das ein Argument, das eine grössere Schmuckhandlung mit Filialnetz kaum bieten kann.
Wie Basel sich einordnet
Wer national vergleicht, muss die Basler Situation von der Zürcher unterscheiden. In Zürich konzentriert sich der Ring- und Schmuckhandel stark auf die Bahnhofstrasse, mit mehreren traditionsreichen Häusern auf engem Raum und entsprechend hoher Konkurrenzdichte. Basel hat keine vergleichbare Einkaufsmeile für Schmuck; wer dort sucht, findet einzelne Adressen verteilt über die Altstadt, darunter eben auch handwerklich geführte Einzelateliers wie dieses. Für Käuferinnen und Käufer, die nicht das grosse Schaufenster, sondern die persönliche Werkstatt suchen, ist das eher ein Vorteil als ein Nachteil: weniger Auswahl auf einen Blick, dafür ein direkterer Draht zur Person, die den Ring am Ende auch macht.
Als Bahnknoten ist Basel SBB sowohl von Zürich als auch von Bern aus mit dem Direktzug in unter einer Stunde erreichbar, was einen Ausflug zu einem einzelnen Atelier für Interessierte aus beiden Städten grundsätzlich machbar macht, ohne dass daraus eine ganztägige Reise wird. Innerhalb von Basel selbst liegt der Leonhardsberg zentral in der Altstadt und ist von den beiden Bahnhöfen, SBB wie Badischer Bahnhof, zu Fuss oder mit wenigen Tramstationen erreichbar.
Eine Filiale ausserhalb von Basel gibt es nicht, und darauf deutet auf der Website auch nichts hin. Für die nationale Betrachtung heisst das: Wer Kostbares aufsucht, tut das gezielt, wegen der Goldschmiedin und ihrer Arbeitsweise, nicht wegen eines Filialnetzes, das den Weg verkürzt.
Öffnungszeiten und Erreichbarkeit
Das Atelier ist dienstags und donnerstags von 10.00 bis 12.30 Uhr und von 14.00 bis 18.30 Uhr geöffnet, freitags von 14.00 bis 17.00 Uhr und samstags von 11.00 bis 15.00 Uhr, jeweils mit der Möglichkeit, ausserhalb dieser Zeiten einen Termin zu vereinbaren. Das sind reduzierte, aber klar kommunizierte Zeiten, wie sie für ein von einer Person geführtes Atelier typisch sind: Wer ein längeres Beratungsgespräch für ein Verlobungsring-Projekt braucht, bucht sich ohnehin eher einen festen Termin, als spontan vorbeizugehen. Kontakt ist per Telefon, unter zwei Nummern für Festnetz und Mobil, sowie per E-Mail möglich.
Wer den Weg hierher machen sollte
Kostbares eignet sich für Paare, die einen Ring nicht von der Stange, sondern am Werktisch entstehen sehen wollen, und die bereit sind, den Prozess mit der Goldschmiedin gemeinsam zu gestalten statt aus einem fertigen Sortiment zu wählen. Wer stattdessen eine grosse, sofort verfügbare Auswahl mit transparenten Online-Preisen sucht, ist bei einem grösseren Haus an der Zürcher Bahnhofstrasse besser aufgehoben. Wer aber Wert auf ein persönliches, in Basel verwurzeltes Handwerk legt, bei dem die Ausbildung, der Werdegang und die Werkstatt der Person, die den Ring anfertigt, öffentlich nachvollziehbar sind, findet in Angela Zbindens Atelier eine der wenigen Adressen dieser Art in der Stadt. Der kleine Wermutstropfen ist die dünne Informationslage zu Material und Preis auf der Website selbst; wer das vorab klären will, kommt am besten direkt am Werktisch oder per Telefon ins Gespräch, statt sich auf die Website allein zu verlassen.