Der Goldschmied (Mathias Leo Jenny)
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Wer bei den meisten Adressen auf dieser Liste einen Ring kauft, kauft ihn an einer Theke. Bei Der Goldschmied kauft man ihn an der Werkbank. Hinter dem Namen steht eine einzige Person, Mathias Leo Jenny, Goldschmiedemeister mit eigenem Atelier am Rümelinsplatz mitten in der Basler Altstadt. Es gibt kein Verkaufsteam, keine Filiale und keine Vitrine mit Massenware, sondern einen Handwerker, der jedes Stück selbst entwirft, lötet, fasst und graviert. Das ist kein Werbesatz, sondern schlicht die Betriebsform: ein Atelier im wörtlichen Sinn, nicht ein Laden mit Werkstatt im Hinterzimmer.
Ein Werkstattbetrieb, kein Schaufenstergeschäft
Jenny beschreibt seinen eigenen Werdegang auf der Atelier-Seite selbst: Nach einer vierjährigen Lehre mit Abschluss im Rang eröffnete er 2002 sein erstes eigenes Goldschmied-Atelier in der Laufener Altstadt. Seit 2017 liegt sein Domizil am Rümelinsplatz, mitten in der Basler Altstadt, wo der Betrieb seither geführt wird. Diese Verlagerung in die Stadt Basel ist für Kundschaft aus anderen Kantonen relevant: Wer heute den Weg antritt, findet das Atelier nicht in einer Seitenstrasse eines kleineren Ortes, sondern zentral in der Altstadt, in Gehdistanz zu Marktplatz und Rathaus.
Der Betrieb versteht sich ausdrücklich als Unikatschmiede. Auf der eigenen Seite heisst es, die Spezialität sei die Anfertigung von Unikaten in allen Edelmetallen, ausschliesslich aus ökologisch nachhaltigem Material gefertigt. Praktisch zeigt sich das in den Produktnamen im Shop: Ökorotgold, Ökogelbgold und Ökogold tauchen bei Ringen, Ohrschmuck und Anhängern durchgehend auf, nicht als Sonderlinie, sondern als Standard des Hauses. Wer Wert auf recyceltes statt neu geschürftes Edelmetall legt, muss hier nicht extra danach fragen.
Auch bei den Techniken bleibt die Seite konkret statt werblich: genannt werden Puk-Laser-Schweissen, Granulieren, Emaillieren, Montieren, Handgravieren und ausschliesslich manuell gefertigte Fassungen. Eine Fassung wird also nicht aus einem Katalog bestellt und angepasst, sondern von Hand gebaut. Das erklärt auch, warum der Betrieb zusätzlich Lehrlinge bis zur Reifeprüfung EFZ ausbildet: Handarbeit dieser Art lebt von der Weitergabe des Handwerks, nicht nur vom eigenen Output. Für ein Paar, das einen Verlobungsring bestellt, heisst das konkret: Die Person, die das erste Gespräch führt, ist dieselbe, die später den Stein fasst und die Gravur setzt, ohne einen Übergang an eine separate Werkstatt oder einen externen Zulieferer.
Die eigene Beschreibung richtet sich laut Atelier-Seite an eine anspruchsvolle Kundschaft mit Aufträgen, die von schlichten Eheringen bis zum kunstvollen Geschmeide reichen. Diese Bandbreite zeigt sich auch im Sortiment: Neben Ringen führt der Shop eigene Rubriken für Armschmuck, Halsschmuck und Ohrschmuck, sodass ein Paar, das neben dem Verlobungsring auch ein passendes Geschenk oder ein zweites Stück sucht, in derselben Werkstatt fündig wird, statt bei einem zweiten Anbieter nachfragen zu müssen.
Was es dort tatsächlich zu sehen gibt
Der Online-Shop ist in Rubriken wie Armschmuck, Halsschmuck, Ohrschmuck, Ringe und Specials gegliedert, mit einzelnen Produktseiten pro Stück. Bei den Ringen finden sich zum Beispiel ein Verlobungsring mit 0,90 Carat Diamant in Rotgold, ein handgravierter Ehering-Satz aus 22 Karat Hausmischung sowie ein Schmuckring mit einem zertifizierten Paraiba-Turmalin von 3,86 Carat in 18 Karat Ökorotgold. Das sind keine Platzhalterbeschreibungen, sondern konkrete, einzeln fotografierte Stücke mit eigenen Materialangaben.
Ein Stück ist auch mit Preis hinterlegt und zeigt, auf welchem Niveau sich das Haus bewegt: ein Solitär in Rotgold mit einem Brillanten von 1,05 Carat, GIA-zertifiziert, in 18 Karat Ökorotgold gefasst, für CHF 10'555. Das ist kein Einstiegspreis, aber auch kein Ausreisser für ein individuell gefertigtes Stück mit Zertifikat aus einem Ein-Personen-Atelier. Die meisten anderen Stücke im Shop zeigen keinen Preis online, was für ein Haus, das primär auf Mass und nach Gespräch arbeitet, wenig überrascht: Wer ein bestehendes Design nicht einfach übernehmen, sondern anpassen oder neu entwerfen lassen will, bespricht Budget und Ausführung ohnehin persönlich.
Warum sich der Weg aus einem anderen Kanton lohnt
Wer in Bern, Zürich oder der Ostschweiz nach einem Verlobungsring sucht, landet meist zuerst bei einer Boutique mit mehreren Filialen oder bei einer internationalen Marke. Der Goldschmied ist das Gegenmodell dazu: ein einzelner Meister an einer einzigen Adresse, ohne Zweigstelle, ohne Franchise, ohne dass die Website irgendwo eine zweite Filiale erwähnt. Wer hierher kommt, kommt zu genau der Person, die später auch am eigenen Ring arbeitet, nicht zu einer von mehreren Verkäuferinnen in einer grösseren Kette.
Basel selbst bringt dabei einen eigenen Standortvorteil mit: Die Stadt liegt an der Grenze zu Deutschland und Frankreich und ist Fernverkehrsknoten mit direkten Intercity-Verbindungen unter anderem nach Zürich und Bern, ohne dass sich für diese Recherche eine seriöse Fahrzeit in Minuten belegen liess, weshalb hier bewusst keine genannt wird. Wer die Reise plant, prüft die aktuelle SBB-Verbindung am besten selbst. Innerhalb der Stadt liegt der Rümelinsplatz zentral in der Altstadt, was den Besuch mit einem Bummel durch die Basler Innenstadt verbinden lässt, statt eine reine Zweckfahrt zu sein.
Der Ablauf und was man mitbringen sollte
Die Website nennt keinen Online-Checkout für individuelle Verlobungsringe, sondern eine klassische Terminvereinbarung: nach telefonischer Absprache oder per Mail. Das Atelier hat feste Öffnungszeiten, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 12 und von 14 bis 18:30 Uhr, Mittwoch von 10 bis 12 Uhr, Samstag von 10 bis 16 Uhr. Ein spontaner Besuch ohne vorherige Absprache ist damit möglich, ein Termin für ein längeres Beratungsgespräch aber sinnvoller, gerade wenn die Anreise aus einem anderen Kanton ohnehin geplant werden muss.
Kontakt läuft über Telefon und die auf der Seite angegebene E-Mail-Adresse, ergänzt durch Instagram, Facebook und LinkedIn, über die sich aktuelle Arbeiten ansehen lassen, bevor man überhaupt vor Ort ist. Für ein Verlobungsprojekt heisst das in der Praxis: erst online die Handschrift des Ateliers prüfen, dann einen Termin für das persönliche Gespräch vereinbaren.
Wermutstropfen und Fazit
Zwei Einschränkungen gehören zur ehrlichen Einordnung. Erstens zeigt der Shop nur bei einem einzigen Stück einen tatsächlichen Preis, bei allen anderen Ringen bleibt das Budget bis zum persönlichen Gespräch offen, was Vergleichsangebote vorab erschwert. Zweitens ist der Betrieb bewusst klein: eine einzige Person mit festen, überschaubaren Öffnungszeiten bedeutet auch, dass Kapazität und Termine begrenzt sind und ein spontaner Auftrag kurz vor einem fixen Datum eng werden kann.
Wer dafür ein Paar ist, dem echte Handarbeit und ein Werkstoff aus nachhaltiger Herkunft wichtiger sind als eine grosse Auswahl im Schaufenster, findet in Der Goldschmied ein Atelier, das genau das seit 2017 in der Basler Altstadt liefert, mit einer Werdegangsgeschichte, die bis 2002 zurückreicht, und mit Stücken, die von der ersten Skizze bis zur letzten Fassung in einer Hand bleiben. Für Kundschaft aus Zürich, Bern oder der Nordwestschweiz, die eine Reise nach Basel ohnehin in Betracht zieht, ist das ein Grund, den Rümelinsplatz auf dem Weg mitzunehmen und nicht nur die grossen Ketten der eigenen Stadt zu prüfen.