Pierre Niederer Goldschmied

Friedhofstrasse 9, 8104 Weiningen ZH · seit 1983

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Pierre Niederer Goldschmied sitzt nicht auf einer Einkaufsmeile, sondern in einer alten Mühle am Rand von Weiningen, einer Limmattaler Gemeinde im Bezirk Dietikon. Pierre Niederer selbst hat 1983 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und fertigt seit 1985 in dieser Mülischür. Wer heute dort einen Verlobungsring bestellt, kauft nicht von der Stange, sondern von einer Werkstatt, die ihre eigenen Modelle seit 1983 selbst zeichnet und baut. Für ein national ausgerichtetes Verzeichnis ist genau das der Punkt: Weiningen liegt nicht auf dem Weg, den man sowieso geht, wenn man in Zürich einkauft. Man muss dorthin wollen, und der Grund dafür ist die Werkstatt selbst, nicht die Postleitzahl.

Was man bekommt

Das Sortiment an Verlobungsringen deckt die üblichen Materialien ab: Gelbgold, Weissgold, Rosé- und Rotgold, Platin, Palladium und Edelstahl stehen zur Wahl, dazu Brillanten, klassische Diamanten und Labor-Diamanten. Letzteres ist auf einer Schweizer Goldschmiedeseite nicht selbstverständlich; viele traditionelle Ateliers führen im Onlineauftritt gar keine im Labor gezüchteten Steine. Die Grösse des Brillanten ist bei mehreren Modellen frei wählbar, je nach Budget auch Grösse und Qualität insgesamt. Die Preisangaben sind gemischt: manche Ringe zeigen einen festen Preis, etwa CHF 3680.- für ein bestimmtes Modell, andere sind mit "Preis auf Anfrage" ausgezeichnet. Das ist ehrlicher als eine Website voller runder Lockpreise, macht die Website als Ganzes aber weniger transparent, als man sich das wünschen würde, wenn man von auswärts anreist und vorher kalkulieren möchte.

Der eigentliche Prozess ist keine Auswahl aus einem Katalog, sondern ein Gespräch. Das Atelier zeigt über 300 eigene Modelle, die als Gesprächsgrundlage dienen: Anhand dieser Vorlagen bespricht man Wünsche und Vorstellungen, und daraus entsteht ein individuelles Schmuckstück. Wer also mit der klaren Erwartung anreist, ein fertiges Stück direkt mitzunehmen, ist hier falsch. Wer stattdessen ein Gespräch über Form, Metall und Stein sucht, das in ein wirklich eigenes Stück mündet, findet hier ein Handwerk, das genau darauf ausgelegt ist.

Was das Atelier von anderen unterscheidet

Zwei Dinge fallen auf, wenn man über die reine Ringauswahl hinausblickt. Erstens die Herkunft des Materials: Das Atelier bezieht sein Gold über eine Scheideanstalt, die vom Responsible Jewellery Council zertifiziert ist, und wurde selbst als Partnerfirma dieses Standards zertifiziert. Die Begründung, die auf der Website für recyceltes Gold angeführt wird, ist unaufgeregt: es sei sinnvoller, bestehendes Gold in Europa wiederzuverwerten, als weiterhin in der sogenannten Dritten Welt neue Edelmetalle abzubauen. Zweitens die Diamanten: Das Atelier wirbt mit zertifiziert konfliktfreien Steinen und nennt dazu eine Zahl, die man selten so konkret sieht, nur noch 0,02% der gehandelten Diamanten stammen laut dieser Angabe aus Konfliktregionen, gegenüber 4.0% in den 1990er-Jahren. Ob diese Statistik aus einer unabhängigen Quelle stammt oder eine Brancheneinschätzung des Ateliers wiedergibt, lässt die Seite offen, aber die Richtung der Aussage, klare Verbesserung gegenüber früher, deckt sich mit dem, was zum Kimberley-Prozess allgemein bekannt ist.

Dazu kommt das Gravurangebot: Handgravur, Lasergravur und Maschinengravur werden alle drei angeboten, mit dem Hinweis, dass sich die Handgravur durch eine feine Linienführung auszeichnet, während die Lasergravur als derzeit modernste Technik beschrieben wird. Ringgrössen lassen sich laut eigener Aussage jederzeit ändern, auch bei anspruchsvollen Fällen dank moderner Lasertechnik, was für ein Verlobungsring-Atelier praktisch ist, wenn sich Fingergrössen nach der Verlobung noch einmal ändern.

Wie die Werkstatt organisiert ist

Drei Goldschmiedinnen und Goldschmiede prägen das Bild. Pierre Niederer selbst führt zusätzlich den Titel Ziseleur und hat seine Lehre nach eigener Aussage bei einem Herrn Gloor absolviert, nachdem er als Schüler in dessen Werkstatt aushelfen durfte. Barbara Phan-Häberli kam 1998 nach zwei Jahren Architekturstudium ins Atelier, fand dort eine Lehrstelle und liess sich zur Goldschmiedin ausbilden; heute arbeitet sie als freiberufliche Goldschmiedin im selben Haus. Alvyda Bukota ist in Litauen geboren und aufgewachsen, hat dort bis 2012 studiert und gearbeitet, ihr Studium mit einem Master in strategischem Organisationsmanagement abgeschlossen, und erst nach dem Umzug in die Schweiz ihre eigentliche Berufung entdeckt: seit Sommer 2017 absolviert sie bei Pierre Niederer eine Lehre zur Goldschmiedin. Diese drei Werdegänge, ein Ziseleur mit jahrzehntelanger Erfahrung, eine Goldschmiedin, die seit 1998 im selben Haus arbeitet, und eine Quereinsteigerin mitten in der Lehre, geben dem Atelier ein Gewicht, das eine reine Verkaufsvitrine nicht hätte. Kundinnen und Kunden können den beiden Goldschmieden bei der Arbeit über die Schultern schauen und die fertigen Kreationen in den Ausstellungsvitrinen begutachten, das Handwerk ist also sichtbar, nicht nur behauptet.

Wie sich das gegen andere Kantone macht

Wer in einer der grossen Deutschschweizer Städte nach einem Verlobungsring sucht, landet zuerst bei Namen auf der Einkaufsstrasse, wo Marke und Schaufenster einen Teil des Preises ausmachen. Weiningen bietet das Gegenteil: eine Werkstatt in einer alten Mühle, ohne Bahnhofstrassen-Adresse, dafür mit einer nachvollziehbaren Zertifizierungskette für Gold und Diamanten und einem Team, das seine eigenen Modelle zeichnet statt Grosshandelsware zu verkaufen. Das ist im Limmattal, an der nördlichen Grenze zur Kernagglomeration Zürich gelegen, gut mit dem Auto erreichbar, aber nicht das, was man auf einer Zürich-Städtereise nebenbei mitnimmt. Der Grund, aus einem anderen Kanton anzureisen, ist also nicht die Lage, sondern die Kombination aus Einzelanfertigung, offen kommunizierter Materialherkunft und der Möglichkeit, Labor-Diamanten als bewusste Alternative zu wählen, ohne dass man danach lange suchen muss.

Für wen sich das lohnt

Am besten passt dieses Atelier zu Paaren, die sich Zeit für ein Gespräch nehmen wollen, statt online ein fertiges Modell zu bestellen, und die Wert auf nachvollziehbare Herkunft von Gold und Stein legen. Wer stattdessen schnell und ohne Termin ein Fertigmodell zu einem online sofort ersichtlichen Preis sucht, ist mit dem gemischten Preismodell aus festen Preisen und "Preis auf Anfrage" schlechter bedient, das schränkt die Website als reine Vergleichsquelle etwas ein. Für alle, die ein individuell entworfenes Stück aus einer kleinen, klar zertifizierten Werkstatt wollen und dafür einen Ausflug ins Limmattal in Kauf nehmen, ist die Reise gerechtfertigt.

Das Fazit

Pierre Niederer Goldschmied ist kein Ableger einer Kette und kein reiner Onlineshop, sondern eine seit 1983 gewachsene Werkstatt mit drei sichtbaren Handwerkerinnen und Handwerkern, einer klaren Haltung zu Recyclinggold und konfliktfreien Diamanten sowie über 300 eigenen Modellen als Ausgangspunkt für jedes individuelle Stück. Die fehlende durchgängige Preistransparenz ist der einzige echte Wermutstropfen, alles Übrige, von der RJC-Zertifizierung bis zur sichtbaren Werkstattarbeit, spricht für einen Besuch, auch wenn man von weiter her anreist.

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