Vanni Pesciallo Gioielli
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Vanni Pesciallo Gioielli ist kein Laden, der fertige Ringe aus der Vitrine verkauft, sondern ein Atelier, das seinen eigenen Schmuck herstellt. Das Unternehmen sitzt in Balerna im Mendrisiotto, wenige Kilometer nördlich der Grenze bei Chiasso, und führt daneben eine zweite Adresse in Locarno. Wer von der Deutschschweiz aus über den Gotthard reist, kommt damit nicht zu einem weiteren Juwelier an der Lugano Via Nassa, sondern zu einer Werkstatt, in der laut eigener Aussage vom Entwurf bis zur Fassung alle Produktionsschritte im Haus stattfinden.
Vanni Pesciallo hat seine Karriere 2005 als Goldschmiedelehrling in der Bottega Inauen in Mendrisio begonnen, also praktisch am gleichen Ort, an dem er heute sein eigenes Atelier führt. Danach folgte die künstlerische Berufsmatura in Lugano, ein Bachelorstudium in Fashion Design am Istituto Europeo di Design in Mailand mit Spezialisierung auf Schmuck, und ein Gemmologie-Masterabschluss am Gemological Institute of America, wo er den Titel G.G. (Graduate Gemologist) für Diamanten und Farbsteine erwarb. 2015 arbeitete er als Eyewear-Designer bei Prada in Mailand, zuständig für die Herrenlinie und Prada Linea Rossa, bevor er 2016 sein eigenes Einzelunternehmen gründete, das später als LabOr Pesciallo SAGL mit Sitz in Balerna eingetragen wurde.
Der Name LabOr ist Programm: Das Atelier versteht sich als Labor, nicht als Verkaufsfläche. Auf der eigenen Website beschreibt der Betrieb, dass er über technologische Maschinen verfügt, mit denen sämtliche Schritte der Umwandlung, vom Entwurf über den 3D-Druck und den Guss bis zur Politur, der Steinfassung und der Lasergravur, direkt vor Ort in Balerna ausgeführt werden. Die Edelmetalle selbst werden im eigenen Betrieb legiert. Bei 18-karätigem Gold liegt der Feingehalt laut Website bei 750 von 1000 Teilen, bei 14 Karat bei 585 von 1000 und bei 9 Karat bei 375 von 1000 Teilen, jeweils ergänzt durch Legierungen für Weiss-, Gelb-, Rosa- oder Rotgold. Als Besonderheit nennt der Betrieb eine eigene Weissgold-Legierung mit hohem Palladiumanteil, intern als "160pd" bezeichnet, die dem Weissgold dauerhaft seine Farbe erhalten soll, ohne dass es nachrhodiniert werden muss.
Bei den Steinen bietet Vanni Pesciallo sowohl natürliche als auch laborgezüchtete Diamanten an. Die Website beschreibt Letztere als chemisch, physikalisch und optisch identisch mit natürlichen Diamanten und positioniert sie als Alternative, die weniger stark mit den Arbeitsbedingungen im Bergbau verknüpft ist. Auf der Startseite wirbt der Betrieb zusätzlich mit drei Nachhaltigkeitsversprechen: Verzicht auf Konfliktdiamanten, recycelte Materialien und nachhaltige Diamanten. Konkrete Zertifizierungsstellen für einzelne Steine nennt die Website nicht, wohl aber verweist sie für allgemeine Informationen zur Gemmologie auf das Gemological Institute of America, dessen Ausbildung Vanni Pesciallo selbst durchlaufen hat.
Das Sortiment an Verlobungsringen zeigt eine deutliche Bandbreite. Der "Anello Solare" ist im Shop mit Preisen zwischen 2'890 und 6'490 Franken gelistet, der Ring "Eterna Wave" zwischen 2'290 und 7'490 Franken, dazu passende Ohrringe zwischen 4'490 und 14'900 Franken. Ein Solitär namens "TFY" reicht von 1'990 bis 54'500 Franken, ein Halo-Ring von 2'400 bis 48'900 Franken, teils auch mit rosafarbenen Diamanten. Aufwendigere Einzelstücke wie ein Ring mit Saphiren und Diamanten liegen bei 13'900 Franken, ein Ring mit Rubin und Diamant bei 12'400 Franken. Daneben führt der Betrieb eine Kollektion "C6", die Diamant mit Carbon kombiniert, eine Schwarz-Diamant-Linie in Gold und eine 2023 lancierte Silberkollektion in Sterling Silber 925. Wer keines der bestehenden Modelle will, kann laut Website ein individuelles Projekt in Auftrag geben: Der Betrieb begleitet Kundinnen und Kunden Schritt für Schritt durch die Gestaltung, ausgehend von der eigenen Idee.
Neben Neuanfertigungen bietet das Atelier ein breites Servicespektrum an: Reparaturen an bestehenden Schmuckstücken, Steinfassungen, gemmologische Analysen inklusive Versicherungsgutachten, Gravuren sowie den Ankauf von nicht mehr getragenem Gold, das entweder bar ausbezahlt oder direkt zu einem neuen Schmuckstück eingeschmolzen wird. Konkrete Preise oder Bearbeitungszeiten für diese Dienstleistungen veröffentlicht die Website nicht. Auch bei den Steinen bleibt die Website an dieser Stelle zurückhaltend: Ein konkretes externes Prüflabor für einzelne verkaufte Steine wird nicht genannt, das Gemological Institute of America taucht nur als Ausbildungsstätte von Vanni Pesciallo selbst und als externer Link für allgemeine Informationen auf. Wer für einen Verlobungsring einen unabhängigen Bericht wünscht, sollte das im Beratungsgespräch direkt ansprechen, statt sich auf eine automatische Zertifizierung zu verlassen.
Für ein nationales Publikum ist die Frage, ob sich die Reise über den Gotthard lohnt, entscheidend, und die eigenen Kundenstimmen liefern dafür einen Hinweis: Unter den auf der Website veröffentlichten Bewertungen findet sich eine eines Kunden aus Zug, der eine individuelle Anfertigung als Jahrestagsgeschenk in Auftrag gab. Ein Kunde aus der Deutschschweiz, der für ein Einzelstück extra nach Balerna kommt statt bei einem der zahlreichen Juweliere entlang der Zürcher Bahnhofstrasse zu bestellen, ist ein stärkeres Argument für die überkantonale Anziehungskraft als jede Eigenwerbung. Balerna liegt zudem direkt an der Bahnlinie zwischen Lugano und Chiasso, mit Anschluss an die Gotthard-Basistunnel-Strecke aus der Deutschschweiz, auch wenn die Website selbst keine Fahrzeiten nennt.
Im Vergleich zu den etablierten Namen an der Lugano Via Nassa, wo das Angebot stärker auf internationale Uhren- und Schmuckmarken ausgerichtet ist, positioniert sich Vanni Pesciallo bewusst als Werkstattbetrieb mit eigener Handschrift. Das ist ein Unterschied, der für eine Verlobung relevant ist: Wer nicht ein Serienmodell einer grossen Marke sucht, sondern einen Ring, der ausgehend vom eigenen Entwurf im selben Haus gefertigt wird, findet in Balerna eine der wenigen Adressen im Tessin, die diesen Weg konsequent anbietet, gestützt auf eine gemmologische Ausbildung, die über eine reine Verkaufsberatung hinausgeht. Auch die zweite Adresse in Locarno spricht für ein Unternehmen, das über die eine Werkstatt in Balerna hinausgewachsen ist, auch wenn beide Standorte im Tessin liegen und keine Filiale nördlich des Gotthards dazugekommen ist.
Ein Wermutstropfen bleibt die Website selbst: Eine physische Adresse mit Strasse und Hausnummer, Öffnungszeiten oder eine Telefonnummer sind auf der Kontaktseite nicht direkt einsehbar, ein Termin muss offenbar über das Kontaktformular oder Instagram vereinbart werden. Für ein Atelier, das explizit mit persönlicher Begleitung durch den Entwurfsprozess wirbt, ist das ein unnötiges Hindernis, gerade für Interessierte, die von weiter her anreisen und vorab planen wollen.
Unter dem Strich ist Vanni Pesciallo Gioielli am ehesten etwas für Paare, die einen Ring nicht von der Stange, sondern aus einer Werkstatt wollen, deren Inhaber die gesamte Ausbildungskette vom Goldschmiedelehrling bis zum Gemmologen selbst durchlaufen hat. Wer bereit ist, für ein Erstgespräch nach Balerna oder Locarno zu fahren, bekommt einen Betrieb, der Metalllegierung, Fassung und Gravur nachweislich selbst im Haus macht, statt nur weiterzuverkaufen, was andernorts produziert wurde.