Schaffner & Kihm Geschmiede
Zum Bewerten auf einen Stern tippen
Schaffner&Kihm Geschmiede führt zwei Goldschmiedebiografien zusammen, die lange getrennt liefen, bevor sie sich in Baden trafen. Olivia Schaffner und Jonathan Kihm sind beide gelernte Goldschmiede mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis, Kihm hat sich zusätzlich als Edelsteinfasser weitergebildet. Ihre Wege begannen weit auseinander: Kihm gründete seine kihm geschmiede GmbH 2009 in Uster, Schaffner startete 2018 als Einzelfirma unter dem Namen Olivia Schaffner Goldschmiede in Lupfig. 2021 übernahm sie die Goldschmiede von Jürg Tanner in der Badener Altstadt und brachte ihr Handwerk damit in ein Geschäft mit eigener Geschichte am Ort. Aus der Zusammenarbeit der beiden wurde 2025 eine feste Firma, die GmbH mit dem heutigen Namen. Für ein nationales Verzeichnis ist das der eigentliche Punkt: kein Neuling, der ein Label über ein Atelier klebt, sondern zwei Werdegänge, die sich zusammen entschieden haben, an einem Ort weiterzuarbeiten.
Was man bekommt
Der Betrieb deckt die klassische Bandbreite einer Goldschmiedewerkstatt ab, die Verlobungs- und Trauringe direkt im eigenen Atelier anfertigt statt sie zuzukaufen. Bei den Verlobungsringen selbst reicht das Angebot vom klassischen Solitär mit einem zentralen Brillanten oder Farbstein bis zum individuell entworfenen Stück, das eine eigene Geschichte trägt. Wer den Verlobungsring später zusammen mit dem Trauring tragen will, kann die Goldfarbe zwischen beiden abstimmen lassen, ein Detail, das nur funktioniert, wenn dieselbe Werkstatt beide Ringe fertigt. Auf der Website sind die Verlobungsringe zusätzlich nach Material sortiert: Holz-Kombinationen, klassische Solitäre und eine Kategorie namens Struktur & Beisteckringe. Als Metalle stehen Weissgold, Roségold, Rotgold, Gelbgold und Platin zur Wahl.
Neben Neuanfertigungen bietet das Atelier Umarbeitungen an, etwa das Verändern bestehender Trau- und Schmuckringe oder das Umarbeiten eines geerbten Stücks in etwas Neues und Zeitloses. Dazu kommen Reparaturen von feinen Lötarbeiten über das Anpassen von Ketten und Armbändern bis zur schonenden Reinigung und dem fachgerechten Neuaufziehen von Perlen- und Steinketten. Edelsteinfassen ist als eigener, zentraler Teil der Herstellung ausgewiesen, ebenso Lasergravuren für filigrane Muster oder persönliche Botschaften auf dem fertigen Schmuckstück. Bei zwei Themen ist das Atelier ehrlich über seine Grenzen: Schmuckschätzungen und den Ankauf von Altgold übernimmt es nicht selbst, sondern verweist an spezialisierte Partner. Das ist kein Nachteil, sondern eine klare Ansage, wofür man an die Rathausgasse geht und wofür nicht.
Materialherkunft als Teil des Angebots
Für ein Atelier dieser Grösse widmet Schaffner&Kihm der Materialherkunft ungewöhnlich viel Raum auf der eigenen Website. Ökogold wird als Gold beschrieben, das aus bestehenden Quellen wie altem Schmuck und Zahngold eingeschmolzen und neu aufbereitet wird, die Gewinnung aus Recyclingmaterial verbrauche bis zu 99 Prozent weniger Ressourcen als der primäre Bergbau. Daneben führt das Atelier den Responsible Jewellery Council (RJC) als die nach eigener Beschreibung weltweit führende Organisation zur Standardisierung und Zertifizierung der Lieferkette für Schmuck und Uhren, mit Anspruch auf Transparenz, Vertrauen und Ethik in der Kette. Als Alternative zu recyceltem Material nennt die Website Fairtrade-Gold aus kleingewerblichen Minen, die strenge Sicherheitsstandards einhalten, Kinderarbeit ausschliessen und faire Löhne zahlen sollen. Bei Diamanten verweist das Atelier auf den Kimberley-Prozess als Standard gegen Konfliktware. Wer einen Verlobungsring will, bei dem die Herkunft des Materials Teil der Entscheidung ist und nicht nur ein Absatz im Kleingedruckten, findet hier eine Werkstatt, die das von sich aus zum Thema macht.
Wie es organisiert ist
Das Atelier liegt an der Rathausgasse 18 in der Badener Altstadt, im selben Geschäft, das Olivia Schaffner 2021 von Jürg Tanner übernommen hat. Geöffnet ist mittwochs und freitags von 10 bis 12 Uhr und von 13:30 bis 18 Uhr, samstags durchgehend von 10 bis 16 Uhr. Das ist ein knappes Zeitfenster, aber es passt zu einem Betrieb, in dem die beiden Inhaber Fertigung und Beratung selbst übernehmen statt sie auf Verkaufspersonal zu verteilen. Wer ausserhalb dieser Zeiten will, erreicht das Atelier telefonisch oder mobil. Die Website nennt keine weitere Filiale, keinen zweiten Standort in einem anderen Kanton, das Geschäft an der Rathausgasse ist der einzige Ort, an dem gearbeitet und verkauft wird.
Wie es sich einordnet
Baden liegt 21 Kilometer nordwestlich von Zürich im Limmattal und ist mit der S6 Richtung Zürich Oerlikon, Zürich HB, Meilen und Uetikon sowie der S12 Richtung Zürich HB, Winterthur, Schaffhausen und Wil angebunden, beide Linien verkehren halbstündlich. Für ein nationales Verzeichnis heisst das: Baden ist von Zürich, aber auch von Brugg und weiteren Teilen des Aargaus, ohne Umsteigen in wenigen Fahrminuten erreichbar, ein Ausflug zur Ringauswahl lässt sich mit einem Spaziergang durch die historische Altstadt verbinden statt ihn als reinen Termin zu behandeln. Innerhalb des Kantons Aargau konkurriert Baden dabei nicht mit grossen Ketten-Juwelieren, sondern mit anderen Werkstätten, die ähnlich wie Schaffner&Kihm selbst fertigen statt weiterzuverkaufen. Der Unterschied hier ist die Doppelbiografie: zwei getrennt gewachsene Betriebe aus Uster und Lupfig, die sich erst 2025 zu einer Firma zusammengeschlossen haben, statt von Anfang an als eine Werkstatt aufzutreten. Das gibt dem Haus zwei Handschriften statt einer, was sich in der Bandbreite zwischen klassischem Solitär und individuellem Design widerspiegelt.
Für wen sich das eignet
Am besten passt Schaffner&Kihm zu Paaren, die den Ring nicht von der Stange wollen, sondern ein Gespräch mit den Leuten, die ihn tatsächlich anfertigen, und die bereit sind, sich an die drei Öffnungstage zu halten oder vorher anzurufen. Wer Wert auf nachvollziehbare Materialherkunft legt, findet hier eine Werkstatt, die Ökogold, Fairtrade-Optionen und den Kimberley-Prozess von sich aus erklärt statt nur ein Zertifikatslogo zu zeigen. Wer zusätzlich den Trauring später farblich auf den Verlobungsring abstimmen will, profitiert davon, dass beide aus derselben Hand kommen. Weniger passend ist das Atelier für alles, was schnell und ohne Termin gehen muss, oder für die Suche nach einer grossen Auswahl fertiger Ringe zum sofortigen Mitnehmen, dafür ist die Werkstatt zu klein und zu sehr auf Massanfertigung ausgelegt.
Das Fazit
Schaffner&Kihm Geschmiede ist ein Beispiel dafür, wie aus zwei eigenständigen Karrieren, einer in Uster seit 2009, einer in Lupfig seit 2018 und in Baden seit 2021, ein einziges Geschäft werden kann, ohne dass eine der beiden Handschriften verschwindet. Wer in Baden oder von Zürich, Brugg und dem übrigen Aargau aus einen Verlobungsring sucht, der wirklich vor Ort entworfen und gefertigt wird, mit einer klaren Haltung zur Materialherkunft und der Möglichkeit, Trauring und Verlobungsring später aufeinander abzustimmen, findet an der Rathausgasse 18 eine Werkstatt, die diesen Anspruch mit einer eigenen Geschichte hinterlegt. Die knappen Öffnungszeiten sind der einzige echte Wermutstropfen, und der lässt sich mit einem Anruf im Voraus lösen.