Zürich-Juwelier

Fraumünsterstrasse 19, 8001 Zürich

Zum Bewerten auf einen Stern tippen

Wer in der Schweiz nach einem Verlobungsring sucht, landet fast überall bei derselben Auswahl. Neue Ringe, dieselben Fassungen, dieselben Steingrössen, oft dieselben Lieferanten hinter mehreren Ladentheken im Land. Zürich-Juwelier macht davon eine Ausnahme, weil hier gar keine neuen Ringe entstehen. Der Betrieb an der Fraumünsterstrasse 19 in Zürich handelt mit Secondhand- und Antikschmuck, kauft alte Stücke an und verkauft sie weiter, kuratiert von einem ausgebildeten Gemmologen. Wer sich für einen bestimmten Ring aus dem Sortiment entscheidet, kauft ein Unikat, das es kein zweites Mal gibt, egal in welchem Kanton man sonst sucht.

Was der Betrieb ist

Geschäftsführer ist Hedley Prynn, der auf der Website mit einem Abschluss in Gemmologie vom GIA, dem Gemological Institute of America, sowie einer aktiven Mitgliedschaft bei der SGG, der Schweizerischen Gemmologischen Gesellschaft, geführt wird. Die Seite spricht von mehr als 35 Jahren Erfahrung im Bereich Secondhand- und Antikschmuck sowie Edelsteinen. Das ist keine Werbefloskel, sondern die Basis für das eigentliche Geschäftsmodell: Zürich-Juwelier kauft Schmuck und lose Edelsteine an, begutachtet sie fachmännisch und bringt einen Teil davon zurück in den eigenen Verkauf. Wer selbst verkaufen möchte, bekommt laut Website eine unverbindliche Offerte vor Ort und bei Einigung eine sofortige Auszahlung, bar oder per Banküberweisung.

Der Showroom liegt im ersten Stock, der Zugang erfolgt über die Kappelergasse, nicht über die Fraumünsterstrasse selbst. Geöffnet ist von Dienstag bis Freitag, 10:00 bis 18:00 Uhr, Kreditkarten werden akzeptiert. Der Standort liegt in unmittelbarer Nähe des Paradeplatzes, einen kurzen Fussweg von der Bahnhofstrasse entfernt, aber eben nicht auf ihr: Wer hier vorbeikommt, betritt kein Schaufenstergeschäft der grossen Prestigehäuser, sondern einen Beratungsraum, in dem man einzelne Stücke in Ruhe ansehen kann.

Was man bekommt

Im Ringsortiment unterscheidet die Website drei Kategorien von Verlobungsringen: den Diamant Solitär Ring, den Diamant Croisé Ring und den Diamant Alliance Ring. Die Preise im Verlobungsringe-Bereich reichen von CHF 1'000 bis CHF 3'600, der grösste Teil der Stücke liegt zwischen CHF 1'600 und CHF 2'800. Das ist ein Segment, in dem ein neuer Ring mit vergleichbarem Diamanten oft teurer wäre, weil hier keine Herstellungskosten für ein neues Modell eingepreist sind, sondern der Wert eines bereits existierenden Steins und einer bereits existierenden Fassung.

Beim Ankauf beschreibt sich der Betrieb als Liebhaber alter Schliffe: Old Mine Cuts, Cushion- beziehungsweise Kissenschliffe und klassische Brillantschliffe werden ausdrücklich genannt. Gesucht werden dabei keine losen Diamanten, sondern ganze antike Ringe, etwa aus der Art-déco-Zeit oder den Vierzigerjahren. Auf der Ankaufsseite nennt die Website als bevorzugte Marken unter anderem Cartier, Van Cleef & Arpels, Tiffany, Pomellato, Boucheron, Chaumet und Bulgari, dazu Schweizer Goldschmiede wie Gübelin, Meister Juwelier, Binder, Gilbert Albert, Bucherer und Kurz. Das zeigt, aus welchem Marktsegment die Ware stammt, die später im eigenen Shop landet: signierte Einzelstücke aus Platin und Gold, nicht Massenware.

Was auffällt

Zwei Dinge unterscheiden diesen Betrieb von einem gewöhnlichen Juwelier. Erstens die gemmologische Absicherung: Zur Bestimmung von Herkunft und Behandlung von Steinen arbeitet Zürich-Juwelier laut eigener Aussage mit mehreren Labors zusammen, darunter SSEF, GGTL und Gübelin. Ein Zertifikat wird nach eigenen Angaben nur bei entsprechend hoher Qualität ausgestellt, was zumindest darauf hindeutet, dass nicht jedes Stück automatisch eines bekommt. Zweitens die Schätzungsexpertise als eigenständige Dienstleistung: Wer ein Erbstück oder einen alten Ring bewerten lassen möchte, kann vier unterschiedliche Werte ermitteln lassen, den Versicherungswert, den Handelswert, den Erbschaftswert und den Liquidationswert. Das kostet laut Website CHF 180 pro Stunde, abhängig vom Aufwand, und dauert rund 2 Wochen bis zum fertigen Gutachten.

Für Käufer eines Verlobungsrings ist diese Schätzungspraxis indirekt relevant: Ein Betrieb, der routinemässig fremden Schmuck nach Alter, Zustand und Echtheit beurteilt, bringt dieselbe Sorgfalt vermutlich auch in den eigenen Einkauf ein, bevor ein Stück im Verlobungsringe-Regal landet. Wer selbst unsicher ist, ob eine ältere Fassung noch den ursprünglichen Feingehalt trägt, kann sich zudem an den Kontrollstempel der Edelmetallkontrolle halten, den offizielle Punzierung für Gold- und Platinlegierungen in der Schweiz, ein Detail, das bei antiken Stücken oft wichtiger ist als bei neu produzierter Ware.

Wie er organisiert ist

Das Angebot ist klar in zwei Richtungen aufgeteilt, Ankauf und Verkauf, mit derselben Adresse und demselben Fachpersonal auf beiden Seiten. Verlobungsringe sind eine Unterkategorie neben Diamant-Solitär-Ringen, Ohrringen, Colliers, Perlen, Ketten, Anhängern, Armbändern und Broschen. Wer nicht spontan in Zürich vorbeikommen kann, findet den ganzen Online-Shop mit Fotos und Preisen im Voraus. Der Ankauf selbst läuft in vier Schritten ab: Kontaktaufnahme per E-Mail oder Telefon, Übergabe oder Abholung der Stücke zur Begutachtung, ein unverbindliches Angebot und bei Einigung die sofortige Auszahlung. Für Interessenten von ausserhalb Zürichs erwähnt die FAQ-Seite zusätzlich, dass Beratung auf Englisch vor Ort möglich ist, auch wenn die Website selbst nur auf Deutsch geführt wird.

Wie er sich vergleicht

Der eigentliche Unterschied zu einem Verlobungsring-Kauf in Bern oder Basel liegt nicht in der Distanz, sondern im Angebot selbst. Ein neu gefertigter Solitärring lässt sich grundsätzlich bei jedem Juwelier im Land in Auftrag geben, ob in Zürich, Bern oder Basel spielt dann vor allem für die Beratung vor Ort eine Rolle. Ein bestimmter Art-déco-Ring mit einem Old Mine Cut aus dem Bestand von Zürich-Juwelier existiert dagegen nur einmal. Wer sich online in ein Stück verliebt, muss zwangsläufig nach Zürich reisen, um es vor dem Kauf im Original zu sehen, unabhängig davon, wo man wohnt. Das ist ein anderer Grund zu reisen als bei einem Prestigehaus an der Bahnhofstrasse: nicht die Adresse zieht, sondern das einzelne, nicht wiederholbare Stück.

Für wen sich das eignet

Am besten passt dieser Betrieb zu Paaren, die einen Ring mit eigener Geschichte suchen statt eines neu gefertigten Modells, und die bereit sind, für ein bestimmtes Stück eigens anzureisen. Wer lieber ein komplett neues Design nach eigenen Vorstellungen fertigen lassen möchte, ist hier falsch, denn Zürich-Juwelier verkauft, was bereits existiert, nicht, was erst noch entworfen wird. Auch wer eine feste Öffnungszeitenspanne von vier Tagen pro Woche unpraktisch findet, sollte vorher einen Termin per E-Mail oder Telefon vereinbaren, bevor er extra anreist.

Verdict

Zürich-Juwelier ist kein klassischer Verlobungsring-Händler, sondern ein Antik- und Secondhand-Fachgeschäft, das unter anderem Verlobungsringe führt, mit einem GIA-ausgebildeten Gemmologen an der Spitze und Kooperationen mit anerkannten Prüflabors wie SSEF und Gübelin. Für Käufer aus der übrigen Schweiz lohnt sich der Weg genau dann, wenn ein konkretes Einzelstück überzeugt, ein alter Schliff, eine signierte Fassung, eine Herkunft, die sich nicht einfach nachbestellen lässt. Für Standardware ist die Auswahl vor Ort in Bern oder Basel genauso gut, für ein echtes Unikat mit geprüfter Herkunft ist der Showroom an der Fraumünsterstrasse eine der wenigen Adressen im Land, die das systematisch anbieten.

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