Türler
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Türler ist ein eigenständiges Zürcher Traditionshaus, kein Schweizer Ableger einer internationalen Maison. Der Salon liegt im zweiten Stock an der Fraumünsterstrasse 17, direkt über der historischen Türler-Uhr und nur wenige Schritte vom Paradeplatz entfernt, dem Platz, an dem das Geschäft ursprünglich stand. Ungewöhnlich für ein Haus dieser Grösse ist, dass die Preise nicht hinter einer Anfrage verschwinden: Die E-Vitrine nennt für Trauringe konkrete Zahlen, von CHF 1'232.00 für ein schlichtes Modell bis CHF 2'849.00, und für ein Einzelstück wie den "Ring in Weissgold mit Mondstein cabochon" CHF 22'000.00. Man weiss also vor dem Termin, in welchem Rahmen man sich bewegt. Genau diese Lage, zwischen den grossen Namen der Bahnhofstrasse und dem Fraumünster, unterscheidet Türler von einem x-beliebigen Juwelier in der eigenen Region: Wer hier kauft, kauft an einer Adresse mit eigener, seit 1883 ununterbrochener Geschichte.
Die Firma wurde am 5. Februar 1883 von den Brüdern César Alexander und Jean Henri Türler in Biel gegründet, damals ein Zentrum der Schweizer Uhrmacherei, unter dem Namen Uhrenmanufaktur Türler. Seit über 140 Jahren bleibt das Unternehmen in Familienhand, heute in 5. Generation unter Franz A. Türler, der den Salon persönlich leitet und auf der Website als Inhaber unterzeichnet. Eine Adresse mit einer Geschichte, die sich über anderthalb Jahrhunderte durchzieht, ist unter Schweizer Traditionshäusern selten geworden, gerade wenn sie noch familiengeführt und nicht an einen Konzern verkauft ist.
Das Geschäft handelt nicht mit fremden Marken allein, sondern fertigt selbst: Schmuckstücke aus Diamant-, Farbstein-, Gold-, Perlen- und Korallenschmuck entstehen laut eigener Aussage in der hauseigenen Goldschmiedewerkstatt. Für Verlobungs- und Trauringe heisst das, dass ein Ring nicht von der Stange kommt, sondern im selben Haus gearbeitet wird, in dem er verkauft wird. Im Onlineschaufenster, das Türler "E-Vitrine" nennt, finden sich einzelne Beispiele mit Preis: ein Ring in Weissgold mit Mondstein-Cabochon liegt bei CHF 22'000, während die gezeigten Trauringmodelle, etwa ein gedrechselter, massiver Ring in Roségold oder ein geschwungener, fünffach gewellter Ring in Weissgold, zwischen CHF 1'232 und CHF 2'849 kosten. Die Spanne zeigt, dass hier sowohl ein schlichtes, alltagstaugliches Eheringpaar als auch ein aufwendiges Solitärstück im höheren Preissegment möglich ist, je nachdem, wofür man sich entscheidet.
Bei Diamantschmuck stützt sich Türler auf die klassische Bewertung nach den "4 C", also Carat, Colour, Clarity und Cut, wie die eigene Diamantschmuck-Seite festhält. Konkrete Zertifizierungsangaben zu einzelnen Steinen veröffentlicht die Website nicht öffentlich, das dürfte im persönlichen Beratungsgespräch im Salon geklärt werden, was zur eher diskreten, terminbasierten Art passt, wie das Haus seine Kundschaft empfängt.
Warum die Adresse für eine nationale Auswahl zählt
Ein Bahnhofstrasse-Juwelier taucht auf einer landesweiten Liste nur auf, wenn er mehr bietet als das, was man auch am eigenen Wohnort findet. Bei Türler ist das die Kombination aus Gründungsjahr 1883, ununterbrochener Familienführung bis in die 5. Generation und einer eigenen Werkstatt an einer Adresse, die untrennbar mit der Zürcher Uhrmachergeschichte verbunden ist. Die von Türler entwickelte astronomische "Türler-Uhr, Modell des Kosmos" wurde nach neun Jahren Konstruktionszeit am 21. Juni 1995 in Gang gesetzt und steht seit 2018 im Musée International d'Horlogerie in La Chaux-de-Fonds, dem nationalen Uhrenmuseum der Schweiz. Diese Verbindung zu Zürich, konkret zum ursprünglichen Standort am Paradeplatz, dokumentiert Türler selbst auf der eigenen Website. Ein Haus, dessen eigenes Werk in einem nationalen Museum steht, hat einen Ruf, der über den Kanton Zürich hinausreicht, und genau das ist der Massstab, an dem ein Zürcher Geschäft gemessen werden muss, um in einer gesamtschweizerischen Auswahl zu bestehen.
Filialen ausserhalb Zürichs gibt es nicht. Die Website nennt lediglich "Vertretungen" in New York und Tokio, also internationale Anlaufstellen, keine weiteren Verkaufsstellen in der Schweiz. Wer Türler kaufen möchte, kommt an dieser einen Adresse in Zürich nicht vorbei, was für ein Paar aus Bern oder Basel bedeutet: Es lohnt sich als eigener Ausflug, verbunden vielleicht mit einem Spaziergang durch die Bahnhofstrasse und einem Blick auf die anderen dort ansässigen Häuser, statt als Randnotiz zu einem anderen Termin.
Der Salon selbst ist bewusst klein gehalten. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag, 10 bis 12 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr, Besuche ausserhalb dieser Zeiten nur nach Vereinbarung. Das ist deutlich zurückhaltender als die durchgehenden Öffnungszeiten der grossen Maisons wenige Gehminuten weiter an der Bahnhofstrasse, und genau das ist Teil des Charakters: fast private Atmosphäre statt Schaufensterbetrieb, wie es Franz A. Türler selbst formuliert. Wer aus einer anderen Stadt anreist, sollte den Besuch daher vorab telefonisch oder per E-Mail ankündigen, damit man nicht vor verschlossener Tür steht.
Neben Trau- und Verlobungsringen führt Türler auch Diamant-, Farbstein-, Gold-, Perlen- und Korallenschmuck sowie eine eigene Uhrenlinie namens "Türler by Mendini". Dazu kommen Dienstleistungen, die selbst für auswärtige Kundschaft interessant sind: Schmuck- und Uhrenreparaturen, Schätzungen für Privatpersonen und Institutionen sowie ein laufender Altgold-Ankauf zum aktuellen Tagespreis. Ein Verlobungsring aus zweiter Hand oder ein Erbstück lässt sich hier also nicht nur kaufen, sondern bei Bedarf auch umarbeiten oder einschätzen lassen, alles am gleichen Ort. Beim Altgold-Ankauf wirbt Türler ausdrücklich damit, Schmuckstücke, Münzen und andere Edelmetalle fachkundig und transparent zu bewerten, sodass ein Kunde den Gegenwert eines alten Rings oder einer geerbten Kette direkt vor Ort in ein neues Stück umsetzen kann, statt zwei getrennte Wege zu zwei verschiedenen Anbietern zu gehen.
Auch das Onlineschaufenster selbst verrät etwas über die Ausrichtung des Hauses: Türler nennt es "E-Vitrine" statt eines gewöhnlichen Webshops, mit einzeln kuratierten Stücken statt einem durchsuchbaren Massensortiment. Wer sich vorab online orientieren will, sieht dort reale Modelle mit Fotos und Preisen, kann aber erst im persönlichen Gespräch im Salon die letzten Details klären, etwa Grösse, Fassung oder eine mögliche Anpassung des Designs. Für ein Paar, das ohnehin für den Ringkauf anreist, ist das kein Nachteil, sondern passt zum Anspruch eines Hauses, das seine Stücke selbst fertigt und entsprechend individuell berät.
Wer bei Türler richtig ist, und wer nicht
Türler passt zu einem Paar, das nicht nur einen Ring will, sondern eine Adresse mit Substanz: ein 1883 in Biel gegründetes, seit über 140 Jahren familiengeführtes Haus mit eigener Goldschmiedewerkstatt, heute in der Zürcher Altstadt. Wer stattdessen ausschliesslich eine international bekannte Marke sucht, findet diese eher bei den grossen Namen wenige Häuser weiter an der Bahnhofstrasse. Wer aber Wert auf ein Stück legt, das im eigenen Haus gefertigt wurde, und dazu die persönliche, terminbasierte Beratung eines Familienbetriebs schätzt, für den ist der Weg in die Zürcher Altstadt, zu einem Haus in fünfter Generation mit einem eigenen Werk im nationalen Uhrenmuseum, ein sinnvoller Umweg und keine Notlösung. Die eingeschränkten Öffnungszeiten sind der einzige echte Wermutstropfen, wer spontan an einem Wochenende vorbeischauen will, hat hier Pech, aber mit einer kurzen Anmeldung im Voraus lässt sich das leicht umgehen, und danach wartet ein Salon, der genau dafür gemacht ist, sich Zeit zu nehmen.