cbijoux von Cédric Chevalley
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Wer im Wallis nach einem Verlobungsring sucht und dabei nicht in einer Auslage aus zehn ähnlichen Solitären wählen will, landet früher oder später bei cbijoux in Monthey. Hinter der Marke steht ein einziger Mensch, der Goldschmied und Bildhauer Cédric Chevalley, und genau das prägt das ganze Angebot: kein Filialkonzept, kein Verkaufspersonal, kein Katalog von der Stange, sondern ein Atelier, das jedes Stück von Grund auf selbst baut. Chevalley gründete cbijoux 2001, sein Weg dorthin war allerdings nicht der eines klassischen Bijoutiers, der direkt vom Lehrbetrieb in ein Geschäft wechselt, und diese Umwege erklären, warum seine Ringe anders aussehen als das, was man in den meisten Westschweizer Innenstädten findet.
Ein Werdegang, der beim Glas begann
Cédric Chevalley wurde 1972 in Montreux am Genfersee geboren. Bevor er sich der Bijouterie zuwandte, absolvierte er eine Lehre als Feinmechaniker und leistete danach Militärdienst, zwei Stationen, die in seiner heutigen Arbeit an präzise gearbeiteten Ringschienen und sauber verschweissten Fugen noch durchscheinen. 1993 reiste er ins tschechische Železný Brod, um dort das Glasblasen zu lernen, eine für einen angehenden Bijoutier ungewöhnliche Zwischenstation. Erst danach begann er die eigentliche Goldschmiedeausbildung an der Ecole Technique de la Vallée de Joux und schloss sie nach eigenen Angaben in 2,5 statt der vorgesehenen 4 Jahren ab. 2001 gewann er den ersten Preis in der Kategorie Technik am Prix Golay für ein Armband aus Silber, im selben Jahr gründete er cbijoux.
Das erste Atelier lag in der Vallée de Joux, in Esserts de Rive, danach zog Chevalley in die Altstadt von Lausanne um. 2004 entwickelte er dort das Konzept der Mood-Ringe, austauschbare Ringschienen, die er über die eigene Plattform yourmood.net vertrieb. Um 2005 begann er sich zunehmend auf Tantal als Schmuckmetall zu spezialisieren, zu einer Zeit, in der dieses Material in der Schweizer Bijouterie kaum verarbeitet wurde. 2013 übergab er die Leitung von Mood an Stéphanie Pousaz und verlegte sein eigenes Atelier ins Wallis, an die heutige Adresse Rue de Coppet 8 in 1870 Monthey.
Warum Monthey und nicht Lausanne oder Genf
Das Chablais, die Region rund um Monthey, liegt am Übergang vom Genfersee ins Rhonetal und ist geografisch näher an Chevalleys Heimat Montreux als etwa Sitten oder Brig. Für einen Bijoutier ohne Ladenlokal im klassischen Sinn spielt die Innenstadtlage einer grossen Stadt ohnehin eine kleinere Rolle: Besuche im Atelier finden ausschliesslich nach Vereinbarung statt, wie die Seite selbst festhält. Wer zu cbijoux will, bucht also einen Termin, statt an einem Schaufenster vorbeizugehen, und das unterscheidet das Haus von den Bijouterien mit Publikumsverkehr, wie man sie in den Bahnhofstrassen und Altstädten anderer Kantone findet. Eine Zweigstelle ausserhalb von Monthey ist auf der Seite nicht dokumentiert, cbijoux bleibt ein einziger Standort. Weil jeder Besuch ein Termin ist und kein Schaufensterbummel, plant Chevalley die Zeit für ein Gespräch bewusst ein: Wer kommt, bespricht Material, Form und Fertigungsart direkt am Werkplatz, nicht an einer Vitrine, an der ein Verkäufer zwischen mehreren Kunden pendelt.
Was das Atelier von klassischen Goldschmieden unterscheidet
Die meisten Verlobungsring-Anbieter in der Schweiz arbeiten in erster Linie mit Gelb-, Weiss- oder Roségold sowie Platin. cbijoux tut das auch, verarbeitet daneben aber regelmässig Stahl, Titan und vor allem Tantal, ein schweres, dunkelgraues Metall, das sich schwerer bearbeiten lässt als Gold und deshalb in der Schweizer Bijouterie selten in dieser Konsequenz eingesetzt wird. Dazu kommen Kombinationen mit Glas, mit Edelhölzern wie Rosenholz und Olive, sowie die Mokume-Gane-Technik, bei der mehrere Metallschichten zu einem holzmaserungsartigen Muster verschmolzen werden. Diese Materialwahl ist der Hauptgrund, weshalb ein Paar von ausserhalb des Wallis eigens ins Chablais fahren könnte: Wer eine Ringschiene aus Tantal mit einer Mokume-Gane-Auflage sucht, findet das nicht in jedem Kanton, während klassische Gold- und Platinringe praktisch überall im Land erhältlich sind.
Wie eine Ringschiene bei cbijoux entsteht
Die eigene Beschreibung des Herstellungsprozesses zeigt zwei unterschiedliche Techniken. Bei der einen wird ein Golddraht zunächst gewalzt und geschmiedet, bis er das gewünschte Profil hat, dann auf die exakte Fingerlänge zugeschnitten, zu einem Ring gebogen und verschweisst. Anschliessend wird der Ring auf einem Formkegel, dem sogenannten Triboulet, rundgeschmiedet, gefeilt, gereinigt und mit Metallstempeln graviert. Bei einem gezeigten Beispiel wurden 5 Diamanten sternförmig gefasst. Die zweite Technik ist das Wachsausschmelzverfahren: Ein Wachsmodell wird geformt, in feuerfeste Masse eingebettet, ausgebrannt und anschliessend mit geschmolzenem Gold ausgegossen, bevor die Form aufgebrochen wird, um den Rohling freizulegen. In einem dokumentierten Fall wurde ein Weissgoldring in der Mitte durchtrennt, damit ein dritter Ring aus Roséegold dazwischen eingeschweisst werden konnte, ein zweifarbiges Ergebnis, das mit einem gekauften Trauring von der Stange kaum zu erreichen ist. Zu Preisen oder verbindlichen Lieferfristen äussert sich die Seite nicht, wer das wissen will, muss den Termin vor Ort nutzen.
Wie lebendig das Angebot ist
Auf der Seite finden sich regelmässige Neuigkeiten, die letzte zum Zeitpunkt der Recherche datiert auf den 12. November 2025 und behandelt die Mokume-Gane-Technik, davor folgen Beiträge vom Oktober 2025 über Eheringe als Vermächtnis und vom Februar 2025 mit einem ausführlichen Porträt von Chevalley selbst. Im Oktober 2024 wechselte die Seite zudem formal von der Domain cbijoux.com auf cbijoux.ch, ein Hinweis darauf, dass der Betrieb aktiv gepflegt wird und nicht auf einer veralteten Präsenz stehen geblieben ist.
Tantal statt Gold von der Stange
cbijoux passt zu Paaren, die einen Ring wollen, der so aussieht wie kein zweiter, und die bereit sind, dafür einen Termin im Chablais zu vereinbaren statt in ein Geschäft mit Vitrine zu gehen. Wer lieber am selben Nachmittag einen fertigen Ring vom Regal mitnehmen möchte, ist bei einem klassischen Juwelier mit Ladenfläche besser aufgehoben, das ist kein Widerspruch, sondern schlicht ein anderes Modell. Wer sich dagegen für Materialien wie Tantal oder für Mokume Gane interessiert und die Geschichte hinter dem Ring genauso wichtig findet wie das fertige Stück, findet in Monthey ein Atelier, das seit über zwei Jahrzehnten genau darauf spezialisiert ist. Der Umweg über die Vallée de Joux, Lausanne und schliesslich das Wallis liest sich auf den ersten Blick wie ein Zufall, ergibt aber im Rückblick ein stimmiges Bild eines Handwerkers, der sein eigenes Handwerk immer wieder neu befragt hat, bevor er sich 2013 endgültig in Monthey niederliess.
Verglichen mit einem Bijoutier in der Stadt Zürich oder in Genf, der oft mehrere Marken parallel führt und die eigentliche Werkstatt hinter dem Verkaufsraum verbirgt, liegt bei cbijoux die Werkbank praktisch offen: Chevalley entwirft, feilt und schweisst die Ringe selbst, statt eine Auswahl fremd gefertigter Modelle zu kuratieren. Das ist der eigentliche Unterschied zum Angebot in den grossen Kantonen, nicht die Distanz allein. Wer eine bestimmte Bearbeitung sehen oder bei einer Sitzung dabei sein möchte, kann das im Rahmen eines Termins direkt vor Ort besprechen, eine Möglichkeit, die ein Filialbetrieb kaum bietet.