Goldschmiede Maurer

Hauptstrasse 36, 4562 Biberist · seit 1985

Zum Bewerten auf einen Stern tippen

An der Hauptstrasse 36 in Biberist, 3 km von Solothurn entfernt, sitzt eine Goldschmiede, die inzwischen mehr als 40 Jahre auf dem Buckel hat und trotzdem gerade neu anfängt. Beat Maurer machte sich 1985 mit einer eigenen Werkstatt selbständig. 2014 zog der Betrieb an die heutige Adresse, und im Juni 2024 übergaben Jacqueline und Beat Maurer das Geschäft an die drei Geschwister Ramona Burkhard, Janik Maurer und Marina Steiner. Ramona Burkhard arbeitet als Goldschmiedin seit 2009 im Betrieb, Janik Maurer als Uhrmacher seit 2014, Marina Steiner seit 2020 im Verkauf. Die Gründer sind laut der Website weiterhin unterstützend eingebunden, das Geschäft läuft aber unter der zweiten Generation. Das ist ein sauberer Übergang, keine Auflösung: Wer im Sommer 2024 eine Nachfolgeregelung sucht statt eines auslaufenden Ladens, findet hier genau das.

Auf die Frage, warum sich der Betrieb ausgerechnet auf Trauringe spezialisiert hat, gibt die eigene Website eine unkomplizierte Antwort: „Wir haben uns auf Trauringe spezialisiert, weil vielen Marken das gewisse Etwas fehlt." Sichtbar wird das nicht nur im Sortiment, sondern auch ausserhalb des Ladens: Am 1. und 2. November 2025 war der Betrieb an der Hochzeitsmesse in der Rythalle Solothurn präsent, am 12. Oktober 2025 an der Veranstaltung Hochzytsinspirationen im Casino Bern. Für ein Familiengeschäft dieser Grösse ist das eine ungewöhnlich aktive Präsenz auf regionalen Hochzeitsmessen, ergänzt durch zwei eigene Instagram-Profile, eines für das Atelier allgemein und eines gezielt für die Trauringspezialisierung, sowie eine Facebook-Seite.

Was man bekommt

Der Betrieb deckt vier Bereiche ab, die man sonst oft auf mehrere Adressen verteilt findet: Verlobungsringe, Trauringe, freie Goldschmiedearbeiten und ein Uhrenatelier mit eigener Uhrenmarke. Bei den Verlobungsringen schreibt die Website offen, dass die amerikanische Faustregel von etwa drei Monatsgehältern hierzulande unüblich sei, man also nicht mit einem fixen Preisschema rechnen muss. Empfohlen werden Edelmetalle, weil sich an Edelstahl oder Titan die Ringgrösse später nicht mehr ändern lässt: Weissgold, Gelbgold, Rosé- oder Rotgold als Standard, Platin als teuerste und edelste Option. Wer den Brillanten selbst aussuchen und die Fassung mit dem Team entwerfen will, kann das direkt im Atelier tun, statt online aus einem starren Konfigurator zu wählen.

Bei den Trauringen liegt der eigentliche Schwerpunkt. Über 300 Modelle stehen zur Auswahl, die meisten Strukturen werden von Hand gefräst statt maschinell vorgefertigt. Jedes Modell lässt sich in Edelmetall, Breite und Profil frei kombinieren, mit oder ohne Struktur, und weisse oder farbige Brillanten können sowohl bei der Herstellung als auch nachträglich gefasst werden. Als Anhaltspunkt nennt die Website konkrete Beispiele: ein Damenring für 1780 Franken neben einem Herrenring für 1980 Franken, oder ein schmaleres Paar mit 3 Brillanten zu 0,04 Karat für 1580 Franken (Damen) und 2690 Franken (Herren). Die Seite weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Preise wegen der schwankenden Edelmetallkurse unverbindlich sind, was ehrlicher ist als eine Liste, die nie aktualisiert wird.

Die freie Goldschmiedearbeit läuft parallel dazu: eigenes Lager an Fertigschmuck, daneben individuell entworfene Unikate nach Vorlage oder freiem Wunsch, aus einem Sortiment an Diamanten, Farbsteinen und Perlen. Das verwendete Gold ist Oekogold-zertifiziert, die Website betont die soziale und ökologische Herkunft des Materials als festen Bestandteil des Angebots und nicht als Marketingzusatz.

Was diesen Betrieb von einer reinen Goldschmiede unterscheidet

Im Juni 2025 lancierte der Betrieb eine eigene Uhrenmarke, Maurer Uhren, die man seither direkt im Geschäft anschauen und individuell zusammenstellen kann. Drei Grundmodelle bilden die Basis: M1 Open Heart für 1800 Franken, das Damenmodell M2 ab 1900 Franken ohne Struktur, das Herrenmodell M3 ab 1650 Franken ohne Struktur. Alle laufen mit einem mechanischen Sellita SW 200-1-Uhrwerk mit automatischem Aufzug, im Edelstahlgehäuse mit Saphirglas. Der eigentliche Clou ist die Oberfläche: Kundinnen und Kunden wählen zwischen Stein-, Schiefer- oder Rindenstruktur, die von Hand ins Gehäuse gefräst wird. Ein individuelles Gehäuse kostet je nach Aufwand 200 bis 250 Franken Aufpreis, ein individuelles Band 100 bis 200 Franken. Das ist ungewöhnlich für einen Betrieb dieser Grösse: Die meisten Goldschmieden im Kanton Solothurn verkaufen fremde Uhrenmarken, wenige entwickeln eine eigene mit hauseigenem Zifferblatt-Handwerk.

Verglichen mit den grossen Häusern an der Zürcher Bahnhofstrasse ist das Sortiment kleiner und die Adresse unauffälliger, aber genau das ist der Punkt: Hier beraten, entwerfen und fräsen dieselben drei Geschwister, die den Betrieb 2024 übernommen haben, statt ein Verkaufsteam, das an eine zentrale Werkstatt weiterleitet. Wer eine Uhr oder einen Trauring bestellt, hat es also nicht mit wechselnden Ansprechpersonen zu tun, sondern mit einem eingespielten Team, dessen Aufgabenteilung seit Jahren dieselbe ist.

Wer die Adresse mit einer Goldschmiede in einer der grossen Kantonshauptstädte vergleicht, sollte den Massstab richtig setzen: Es geht hier nicht um eine Filiale mit mehreren Standorten, sondern um genau ein Atelier an genau einer Adresse. Auf der ganzen Website findet sich kein Hinweis auf eine zweite Werkstatt oder einen weiteren Verkaufspunkt, was für Paare, die eine langfristige Ansprechperson für Grössenänderungen, Reparaturen oder eine spätere Gravur suchen, tatsächlich ein Vorteil ist: Wer hier kauft, kommt in zwei Jahren an dieselbe Hauptstrasse 36 zurück und trifft mit hoher Wahrscheinlichkeit dieselben drei Geschwister an, die den Ring ursprünglich verkauft haben.

Öffnungszeiten und Erreichbarkeit

Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 08:30 bis 12:00 Uhr und von 13:30 bis 18:00 Uhr, samstags von 09:00 bis 14:00 Uhr. Sonntag und Montag bleibt das Atelier geschlossen, was für Paare, die einen Beratungstermin am Montag einplanen wollen, ein echter Wermutstropfen ist und vorherige Terminabsprache sinnvoll macht. Für alle anderen Wochentage ist Biberist über den eigenen Bahnhof an der Strecke Solothurn-Burgdorf gut angebunden, sodass ein Abstecher ab Solothurn keinen Umweg bedeutet.

Trauringvielfalt und Uhrenwerkstatt in einer Hand

Wer ein Trauringpaar mit echter Formenvielfalt sucht, statt aus zehn Modellen eines Markenkatalogs zu wählen, findet in den über 300 handgefrästen Varianten deutlich mehr Spielraum als bei den meisten Fachgeschäften vergleichbarer Grösse. Wer zusätzlich eine mechanische Uhr mit individuell gefräster Oberfläche sucht, bekommt das nirgendwo sonst im Kanton Solothurn aus einer Hand. Und wer Wert auf einen familiengeführten Betrieb mit dokumentierter Nachfolge legt statt auf eine anonyme Filiale, bekommt hier beides: Kontinuität seit 1985 und ein Team, das seit 2024 sichtbar die Verantwortung trägt. Einziger Nachteil ist die Lage abseits der grossen Bahnhöfe, aber die kurze Distanz ab Solothurn macht das zu einem kleinen, keinem echten Hindernis.

Mehr aus Solothurn

Alle ansehen