Vincent Michel
Zum Bewerten auf einen Stern tippen
Vincent Michel führt sein Atelier mitten in der Lausanner Altstadt, an der Rue de Bourg 47-49, an der Ecke zur Cheneau de Bourg. Wer die Boutique betritt, blickt direkt in die angeschlossene Werkstatt hinein. Die Ringe werden hier nicht zugekauft, sondern am selben Ort entworfen und gefertigt, so beschreibt es der Betrieb selbst auf seiner Website. Für ein national ausgerichtetes Verzeichnis ist das der eigentliche Grund, warum diese Adresse eine Reise wert ist: nicht die Filiale, sondern die Werkbank dahinter.
Vom Fribourger Dorf zum eigenen Atelier
Die Geschichte beginnt nicht in Lausanne, sondern in einem kleinen Dorf im Kanton Freiburg am Ufer des Neuenburgersees. Vincent Michel entdeckte den Goldschmiedeberuf mit 12 Jahren während eines Praktikums und richtete sich, laut der Website, in der Garage des Elternhauses seine erste Werkstatt mit gebrauchtem Werkzeug ein. 2009 machte er sich in Lausanne selbstständig, direkt nach seinem eidgenössischen Diplom als Goldschmied, im selben Jahr gewann er die Schweizer Meisterschaft im Goldschmiedehandwerk. Zunächst mietete er eine Werkbank in einer Werkstatt, die er sich mit 2 Kollegen teilte, während die Auftragslage wuchs.
2016 eröffnete er seine eigene Boutique direkt neben der Kathedrale von Lausanne. 4 Jahre später zog das Team an die Rue de Bourg um, in einen grösseren Verkaufsraum mit offener Werkstatt, die Kundinnen und Kunden bei einem Besuch sehen können. Die eigene Darstellung nennt das einen neuen Massstab in der Geschichte des Hauses, nicht nur eine grössere Ladenfläche.
Dieser Weg, von der Garage über die geteilte Werkbank bis zur eigenen Adresse an einer der bekannten Einkaufsstrassen der Lausanner Altstadt, ist selten geworden in einem Markt, in dem die meisten Verlobungsringe entweder aus einer Fabrik in Übersee oder aus dem Regal eines Filialbetriebs stammen. Der Betrieb selbst stellt die eigene Werkstatt bewusst in den Vordergrund: Sie liegt nicht irgendwo im Hinterland, sondern direkt neben der Boutique, sichtbar für jeden, der zur Beratung kommt.
Was im Angebot steht
Wer sofort einen Ring mitnehmen möchte, findet in der Kollektion der sofort verfügbaren Verlobungsringe 5 Modelle an Lager: den Solitaire-Ring für CHF 1'460, den Garden-Ring für CHF 1'560, den Halo-Ring für CHF 2'290 sowie den Promise-Ring in 2 Ausführungen für CHF 2'580 und CHF 9'200. Wer stattdessen ein Stück nach Mass will, wählt aus der Kollektion für Massanfertigungen mit 3 Modellen: dem Trilogy-Ring mit Millegrain-Fassung für CHF 2'360, einem weiteren Eternity-Ring für CHF 2'290 und einer zweiten Halo-Variante zum gleichen Preis. Alle Preise stammen von der Website und können sich seither geändert haben.
Für Trauringe führt das Haus eine eigene Sparte. Paare wählen ein bestehendes Modell oder lassen es gemeinsam mit dem Atelier abändern, von einem dezenten gemeinsamen Detail bis zu fast identischen Ringen. Der Ablauf ist dort im Detail beschrieben: ein Beratungstermin in der Boutique, eine unverbindliche Offerte, die Fertigung in der Werkstatt, dann Übergabe und Anprobe, mit einer kostenlosen Grössenanpassung innerhalb 1 Monats nach der Hochzeit. Diese Angaben gelten laut Website konkret für die Trauringe, sie zeigen aber denselben Ablauf, den auch ein Verlobungsring in diesem Atelier durchläuft, ob ab Lager gekauft oder eigens entworfen.
Anerkennung über Lausanne hinaus
Vincent Michel ist als Kunsthandwerker im Homo Faber Guide gelistet, der Online-Plattform der Michelangelo Foundation für herausragendes Handwerk in Europa. Der Guide beschreibt ihn nach eigenem Zitat der Website als "high jewelry craftsmanship prodigy". Auch die Wirtschaftszeitschrift Bilan berichtete bereits 2017 über den jungen Goldschmied. Für ein Einzelatelier ausserhalb der grossen Ketten ist das eine ungewöhnliche Anerkennung, weil sie nicht auf Filialgrösse zielt, sondern auf die handwerkliche Qualität der Arbeit selbst.
Lausanne im nationalen Vergleich
Wer landesweit vergleicht, sieht 2 unterschiedliche Modelle: das grosse Haus mit Filialen, das dieselbe Vitrine an mehreren Adressen zeigt, oder das Einzelatelier, das nur an einem Ort existiert. Vincent Michel gehört klar zur zweiten Kategorie. Die Website nennt keine weitere Filiale und keinen zweiten Standort. Wer hier kauft, kauft direkt beim Goldschmied, der den Ring auch selbst entwirft und fertigt, in derselben Werkstatt, die er von seiner Boutique aus zeigt.
Lausanne selbst liegt an der Bahnhauptlinie zwischen Genf und Bern, mitten in der Romandie. Für ein Paar aus Genf oder Bern ist ein Besuch in der Altstadt damit ein Tagesausflug und keine Reise mit Übernachtung, wie sie ein Atelier im Wallis oder Tessin eher verlangen würde. Innerhalb der Deutschschweiz konzentriert sich das grosse Filialgeschäft eher an Adressen wie der Zürcher Bahnhofstrasse, in Genf dominiert die internationale Hochuhrmacherei rund um den See. Lausanne hat davon nichts in vergleichbarer Dichte, dafür mit Vincent Michel ein Atelier, das seinen Namen nicht über Firmenalter, sondern über die im Homo Faber Guide bestätigte Handwerksqualität aufgebaut hat.
Für ein Paar, das ohnehin durch die Schweiz reist, um Adressen in mehreren Kantonen zu vergleichen, macht das Lausanne zu einem eigenen Fixpunkt: nicht wegen einer Häufung an Traditionshäusern wie andernorts, sondern wegen eines einzelnen Goldschmieds, dessen Name mittlerweile über die Stadtgrenze hinaus bekannt ist. Wer aus dem Waadtland selbst kommt, aus Morges, Vevey oder Yverdon-les-Bains, spart sich damit die weitere Fahrt nach Genf oder Zürich für ein vergleichbares Handwerksniveau.
Kleine Lagerauswahl, grosse Massarbeit
Ein Waadtländer Paar, das für einen Verlobungsring nicht extra nach Genf oder Bern fahren will, findet in der Rue de Bourg eine Werkstatt, in der der Ring nicht nur verkauft, sondern auch entworfen wird, mit demselben Goldschmied als Ansprechperson vom ersten Termin bis zur Übergabe. Wer einen Ring von der Stange sucht, findet ihn günstiger in einem grossen Kettengeschäft. Wer dagegen einen Ring will, bei dessen Entstehung er selbst mitreden kann, und der von derselben Person entworfen wird, die ihn am Ende auch in Händen hält, ist bei Vincent Michel richtig. Die Kehrseite: mit 5 sofort verfügbaren Modellen ist die Lagerauswahl klein. Wer ein bestimmtes Design sofort mitnehmen will, sollte vorher online prüfen, ob das gewünschte Stück gerade an Lager ist, statt spontan in der Boutique vorbeizuschauen. Für alle anderen ist genau das der Punkt eines Ateliers dieser Grösse: Die Werkstatt an der Rue de Bourg arbeitet für den einzelnen Auftrag, nicht für ein Regal voller identischer Ringe, und wer aus einem anderen Kanton anreist, kauft damit ein Stück, das es in dieser Form kein zweites Mal gibt.