Maison Golaz
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Wer einen Verlobungsring nicht von der Stange kaufen, sondern selbst zusammenstellen will, landet in Morges am Genfersee bei der Maison Golaz. Das Haus bietet fünf feste Fassungsmodelle als Ausgangspunkt an, jede davon lässt sich über einen Online-Konfigurator in Metallfarbe und Stein anpassen, dazu kommt auf Wunsch die komplette Neuentwicklung im eigenen Atelier. Bei der Steinwahl steht der Diamant aus dem Labor gleichberechtigt neben dem natürlichen Stein, kein Nebenangebot, sondern eine der beiden Hauptoptionen, die auf der Website nebeneinander erklärt werden.
Fünf Generationen an der Grand-Rue
Die Geschichte beginnt nicht in Morges, sondern in Monthey im Wallis. Dort eröffnete der junge Uhrmacher Franz Golaz 1910 zusammen mit seiner Frau Ida Golaz sein Geschäft. Weil das protestantische Ehepaar in einem katholisch geprägten Kanton auf Widerstand stiess, zog die Familie 1914 um, in die Grand Rue von Morges im Kanton Waadt. 1935 kaufte die Familie das Gebäude an der Grand Rue 57 und richtete im rückwärtigen Teil eine eigene Werkstatt ein. 1951 übernahm René Golaz das Geschäft, führte die bis dahin getrennten Bereiche Bijouterie, Uhrmacherei und Optik unter einem Dach zusammen und spezialisierte sich zusätzlich auf Trauringe. 1968 folgte sein Sohn Charles Henri Golaz, der sich als Uhrmacher und Optiker ausbilden liess und sich später auch die Bijouterie aneignete. Seit 1995 ist Olivier Golaz, Bijoutier-Juwelier und Gemmologe, im Betrieb, offiziell übernommen hat er ihn 2010, im Jahr, in dem das Haus sein hundertjähriges Bestehen feierte und die Verkaufsfläche neu gestaltet wurde. 2023 baute Olivier den Verkaufsraum ein weiteres Mal um, in ein Showroom-Konzept mit neuer Farbgebung.
Die Werkstatt hinter dem Verkaufsraum
Was die Maison Golaz von einem reinen Verkaufsgeschäft unterscheidet, ist die Werkstatt im hinteren Teil des Hauses. Dort wird seit Jahrzehnten Edelmetall verarbeitet, poliert und mit der Flamme verlötet, nach eigener Aussage des Betriebs kann das Atelier praktisch alles herstellen und reparieren. Für die Steinfassung steht ein voll ausgestatteter Sertissage-Arbeitsplatz direkt vor Ort in Morges bereit, bei besonders diffizilen Fassungen arbeitet das Haus zusätzlich mit einem externen Sertisseur aus der Region zusammen. Für die Massanfertigung setzt Golaz auf 3D-Konstruktionssoftware, konkret auf MatrixGold und 3Design, die Entwürfe werden anschliessend über einen 3D-Drucker im eigenen Atelier als Modell im Originalmassstab ausgegeben, sodass Kundinnen und Kunden ihren Ring vor der eigentlichen Fertigung in der Hand halten können, nicht nur auf einem Bildschirm.
Vom Fassungsmodell zum Konfigurator
Fünf Fassungen bilden die Grundlage: Love, mit vier Krallen, die sich zu einem diskreten Herz zusammenschliessen, das klassische Modell 1910 mit sechs Krallen, Eternel als moderne vierkrallige Fassung, Passion mit einer offenen, freistehenden Steinführung und Twist, bei dem zwei Metallarme den Stein umschlingen. Jede dieser fünf Linien lässt sich über den Konfigurator des Partnerunternehmens in Gelb-, Weiss- oder Roségold anpassen und mit dem gewünschten Stein bestücken. Wer sich nicht auf eine bestehende Linie festlegen will, kann stattdessen den vollständigen Weg über das Atelier gehen, vom ersten Gespräch über die 3D-Skizze bis zur handgefertigten Fassung.
Diamant aus dem Labor oder aus Kanada
Bei den Steinen führt Golaz zwei Herkünfte parallel und nennt für beide eine Mindestqualität. Die Diamanten aus dem eigenen Labor-Sortiment werden in der Qualität D VVS2 angeboten, die natürlichen Diamanten stammen aus Kanada und werden mindestens in der Qualität G VS2 geführt. Ein Solitär mit 0.5 Karat kostet nach Angaben der Website rund 2300 Franken in der Labor-Variante und rund 3600 Franken in der natürlichen kanadischen Variante, das gesamte Solitär-Sortiment beginnt bei 950 Franken. Vor der eigentlichen Fertigung erhält jede Kundschaft eine Offerte sowie einen 3D-Prototyp, beides gemäss Website ohne Aufpreis. Neben Diamanten stehen auch Farbsteine wie Saphir, Rubin oder Smaragd zur Wahl, wer möchte, kann eine Fassung zusätzlich mit Datum, Initialen oder einer Botschaft gravieren lassen.
Wer berät
Direktor der Boutique ist Olivier Golaz, seit 2010 in dieser Funktion, ausgebildet in Bijouterie und Steinfassung und, den eigenen Angaben zufolge, in den neunziger Jahren mit einem Abschluss des amerikanischen Gemmologie-Instituts GIA. Er analysiert im hauseigenen Labor auch Steine von Kundinnen und Kunden auf Herkunft und Qualität. Seit 2019 arbeitet zudem Valentin Golaz im Betrieb, zunächst im Verkauf, dann mit einer Zusatzausbildung in Gemmologie und Uhrmacherei, seit 2021 übernimmt er ebenfalls die 3D-Modellierung für Kundenprojekte. Luciano Davanzo kam nach 40 Jahren als selbstständiger Bijoutier ins Team und ist für Reparaturen zuständig, Anaïs Juon betreut nach ihrer Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau die Kundschaft und den Service nach dem Kauf.
Morges am See, ein Umweg, der sich lohnt
Morges liegt direkt am Genfersee und zählte Ende 2024 rund 17'701 Einwohnerinnen und Einwohner, deutlich kleiner als Lausanne und Genf, aber verkehrstechnisch mitten zwischen beiden Städten, auf der durchgehenden Bahnlinie Lausanne-Genf. Für die Maison Golaz zählt an dieser Lage vor allem eines: Wer nicht selbst anreisen will oder kann, muss trotzdem nicht auf eine Massanfertigung verzichten. Alle fünf Fassungsmodelle lassen sich über den eigenen Online-Konfigurator in Metallfarbe und Stein von zu Hause aus zusammenstellen, inklusive kostenloser Offerte und 3D-Prototyp vor der eigentlichen Fertigung, bevor überhaupt ein Termin in Morges ansteht.
Wie Golaz zur übrigen Bijouterie-Szene der Waadt steht
Lausanne selbst hat seine eigene Dichte an Bijouterien in der Innenstadt, dazu kommen im übrigen Kanton Waadt kleinere Goldschmieden, viele davon auf Massanfertigung spezialisiert. Golaz gehört in diese zweite Gruppe, ein Familienbetrieb mit eigener Werkstatt, kein Filialgeschäft einer grösseren Kette und kein reines Ladengeschäft ohne eigene Produktion. Der Unterschied zu einer städtischen Adresse in Lausanne liegt weniger im Sortiment als im Weg dorthin: Wer nach Morges fährt, kommt für ein Haus, das seine Ringe im selben Gebäude entwirft und fertigt, in dem seit fünf Generationen dieselbe Familie steht.
Wem das Angebot entspricht
Der wahrnehmbare Nachteil ist die Grösse des Betriebs. Golaz führt nur einen einzigen Standort in Morges, eine Filiale gibt es nicht, wer die vollständige Massanfertigung mit persönlicher Beratung im Atelier will statt nur den Konfigurator zu nutzen, muss für Anprobe, Beratung und Abholung vor Ort erscheinen. Für Paare, die einen Ring sofort mitnehmen wollen, ist ein Haus mit eigener Fertigung ohnehin selten die richtige Wahl, eine Massanfertigung braucht Zeit für Entwurf, 3D-Modell und Fassung. Wer dagegen einen Ring will, der nicht aus dem Katalog stammt, sondern am gleichen Ort entworfen und gefertigt wird, an dem er später auch abgeholt wird, findet in der Maison Golaz eine Adresse mit langer Familientradition, eigenem Labor für Diamanten und Steine und der Wahl zwischen Labor- und Naturdiamant, die sich die Fahrt an den Genfersee wert ist.