Jérôme Bonneville

Rue St Pierre 1, 1003 Lausanne · seit 2013

Zum Bewerten auf einen Stern tippen

Wer bei Jérôme Bonneville einen Verlobungsring bestellt, tut das nicht in einem Laden mit Schaufenster, sondern in einem Boutique-Atelier an der Rue St Pierre in der Lausanner Altstadt, und nur nach Terminvereinbarung. Das Haus trägt den Titel Meilleur Ouvrier de France, die höchste Auszeichnung für Handwerk in Frankreich, verliehen nach einem eigenen, anspruchsvollen Wettbewerb. Bisher war das eine reine Lausanner Adresse. Ab Frühling 2026 kommt eine zweite dazu, an der Storchengasse 19 in Zürich, mit denselben zwei Leistungen wie am Stammsitz: massgefertigter Schmuck und Beratung bei der Investition in Edelsteine. Für ein Atelier dieser Grösse ist das ein ungewöhnlicher Schritt, und er ist der eigentliche Grund, warum diese Adresse in einer nationalen Liste steht und nicht nur in einer Waadtländer.

Ein Weg vom Herd zum Werktisch

Jérôme Bonneville stammt, nach eigener Beschreibung auf der Website, aus einer Familie von Künstlern und Handwerkern, der Vater ein Gastronomiekoch, der Bruder Parfumeur. Er selbst hat sich für Edelsteine entschieden und dafür am Institut de Gemmologie d'Anvers, dem HRD in Antwerpen, ausbilden lassen, einem der weltweit anerkanntesten Zentren für Gemmologie. Dort erwarb er das Diplom als Graduate Gemmologist. Seit über 20 Jahren reist er laut eigenen Angaben zu Minen und Händlern, um Steine direkt an der Quelle auszuwählen statt sie ausschliesslich über Zwischenhändler zu beziehen. Seit 2013 konzentriert er sein Geschäft ausschliesslich auf zwei Bereiche: die Anfertigung von Schmuck nach Mass und die Investition in Edelsteine. Im selben Jahr hat er sich in Lausanne niedergelassen.

Der Titel Meilleur Ouvrier de France ist in der Schweiz kein alltäglicher Zusatz auf einer Visitenkarte. Er wird in einem eigenen, sehr anspruchsvollen Wettbewerb vergeben und würdigt technische Meisterschaft und Kreativität. Für eine Kundschaft, die einen Ring nicht aus einem Katalog wählt, sondern individuell entwerfen lässt, ist das ein Signal dafür, dass am anderen Ende des Gesprächs jemand sitzt, der sein Handwerk auf höchstem Niveau beherrscht, nicht nur ein Verkäufer, der eine Werkstatt beauftragt.

Vom Skizzenblock zum fertigen Ring

Der Ablauf, den die Website für die Massanfertigung beschreibt, beginnt mit einem vertraulichen Termin im Boutique-Atelier. Aus den Ideen der Kundschaft entstehen persönliche Skizzen, und sobald eine Skizze freigegeben ist, wird ein Modell aus Harz gefertigt, an dem sich Form und Proportionen vor der eigentlichen Anfertigung noch einmal überprüfen lassen. Für die Steinauswahl greift Bonneville auf seine eigene Ausbildung in Antwerpen zurück und wählt seltene, zertifizierte Steine persönlich aus. Die Website zeigt als Beispiel eines fertigen Stücks einen Solitär aus Platin und Diamant, gefertigt für eine besonders festliche Hochzeit.

Angeboten werden Diamanten, sowohl weisse als auch farbige, sogenannte Fancy Colors, dazu Saphire, Rubine, Smaragde und Spinelle. Die Zertifizierung der Steine erfolgt über internationale Labore, konkret nennt die Website GIA, SSEF, Gübelin und GRS. Dass hier neben dem amerikanischen GIA auch SSEF aus Basel und das Gübelin Gem Lab als Alternativen auftauchen, zwei der bekanntesten europäischen Prüflabore für Farbsteine, passt zu einem Anbieter, der sich stark auf seltene und farbige Steine spezialisiert hat und nicht nur auf den klassischen weissen Diamanten. Konkrete Preise nennt die Website nirgends, das bleibt dem persönlichen Gespräch im Atelier vorbehalten.

Warum Lausanne und was der zweite Standort bedeutet

Lausanne liegt am Genfersee, mit einer Altstadt, die sich vom See den Hang hinauf zur Kathedrale zieht, die Rue St Pierre mittendrin. Für ein Handwerksatelier dieser Art ist das eine typische Lage: kleine Gassen, historische Bausubstanz, kein Gewerbegebiet am Stadtrand. Der eigentliche Unterschied zu den meisten anderen Adressen in dieser Kategorie ist aber nicht die Lage selbst, sondern die Ankündigung der zweiten Adresse in Zürich. Ein Waadtländer Atelier, das eine zweite Adresse in der Deutschschweiz eröffnet, tut das nicht ohne Grund: Es zeigt, dass die Nachfrage über den Kanton Waadt hinausreicht, konkret genug, um eine eigene Boutique-Adresse an der Zürcher Storchengasse zu rechtfertigen, mit denselben zwei Kernleistungen wie am Stammsitz.

Bis dahin bleibt die Rue St Pierre der einzige Ort, an dem man Bonneville persönlich trifft, mit direkter Bahnverbindung aus Genf oder Zürich zum Bahnhof Lausanne, von dort ist die Altstadt zu Fuss erreichbar. Wer die Reise ohnehin scheut, kann ab Frühling 2026 auf die Zürcher Adresse an der Storchengasse warten, die laut Website dieselben zwei Leistungen anbietet wie das Original in Lausanne.

Termine und Öffnungszeiten

Empfangen wird ausschliesslich nach Terminvereinbarung, Termine sind laut Website von Dienstag bis Samstag über den Online-Kalender buchbar. Die publizierten Öffnungszeiten der Boutique lauten Dienstag bis Freitag von 10:00 bis 12:30 Uhr und von 13:30 bis 18:30 Uhr, Samstag von 10:00 bis 12:30 Uhr und von 13:30 bis 17:30 Uhr, montags und sonntags bleibt das Atelier geschlossen. Erreichbar ist das Haus telefonisch unter zwei Nummern oder per E-Mail, die Kontaktseite nennt keine Warteliste und keine Mindestbestellmenge, nur den Hinweis, dass ohne Termin niemand empfangen wird.

Was neben dem Ring noch dazugehört

Bonneville trennt auf der Website bewusst zwischen zwei Geschäftsfeldern, die sich beim Verlobungsring überschneiden. Das eine ist die Massanfertigung selbst, das andere die Beratung zur Investition in Edelsteine, ausdrücklich als eigenständiges Angebot beschrieben und nicht nur als Nebensatz zum Schmuck. Für Kundschaft, die einen Verlobungsring auch als Wertanlage betrachtet, etwa bei einem grösseren, farbigen Stein, ist das ein Detail, das die meisten reinen Schmuckateliers so nicht anbieten: eine Person, die sowohl den gestalterischen als auch den gemmologischen Teil selbst verantwortet, statt beides an unterschiedliche Fachleute zu delegieren.

Wie sich Lausanne von Genf und Bern unterscheidet

Innerhalb der Kategorie, die diese Auswahl abdeckt, konkurriert Bonneville nicht in erster Linie mit grossen Häusern an prominenten Einkaufsstrassen, sondern mit anderen kleinen Ateliers, die auf Massanfertigung statt auf Lagerware setzen. Der Unterschied zu einem vergleichbaren Betrieb in Genf oder Bern liegt weniger in der Stadt als im Titel: der Meilleur Ouvrier de France ist ein französischer Wettbewerb, dessen Träger in der Westschweiz naturgemäss häufiger vertreten sind als in der Deutschschweiz, wo die Ausbildung eher über die Lehre und die eidgenössischen Fähigkeitszeugnisse läuft. Für Kundschaft, die gezielt nach diesem Titel sucht, ist Lausanne aktuell eine der wenigen Adressen im Land, an der man ihn findet, und das bleibt so, bis die Zürcher Adresse im Frühling 2026 eröffnet.

Wer den Weg hierher machen sollte

Wer einen Verlobungsring von der Stange sucht, mit sofortiger Verfügbarkeit und Online-Konfigurator, ist bei Bonneville falsch, dafür ist das Atelier zu klein und zu sehr auf das persönliche Gespräch ausgelegt. Wer dagegen ein Einzelstück will, entworfen und geprüft von einem Meilleur Ouvrier de France mit eigener Gemmologie-Ausbildung, und wer bereit ist, dafür einen Termin zu vereinbaren statt spontan vorbeizukommen, findet in Lausanne eine der am klarsten profilierten Adressen des Landes. Der grösste Wermutstropfen bleibt das Fehlen jeder Preisangabe auf der Website, was eine erste Kalkulation ohne Gespräch unmöglich macht. Wer die Anreise an den Genfersee aber ohnehin einplant oder künftig die neue Adresse in Zürich nutzen kann, bekommt hier Handwerk auf einem Niveau, das in der Schweiz nicht an jeder Ecke zu finden ist.

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