Comme par hasard (Frédérique Mottaz Bijoutière-Joaillière)

Avenue Haldimand 3, Yverdon-les-Bains

Zum Bewerten auf einen Stern tippen

Wer sich einen Verlobungsring nicht von der Stange, sondern von einer einzigen Person entwerfen und anfertigen lassen will, findet in Yverdon-les-Bains ein Atelier, das genau das seit rund 20 Jahren macht. Comme par hasard, an der Avenue Haldimand 3, ist das Geschäft von Frédérique Mottaz, Bijoutière-Joaillière: keine Filiale, keine Verkaufsvitrine mit angestelltem Personal, sondern eine unabhängige Goldschmiedin, die vom ersten Entwurf bis zur letzten Politur selbst arbeitet.

Ein Atelier statt eine Boutique

Das Haus liegt, wie die Betreiberin selbst beschreibt, hinter der Vegetation eines kleinen Vorgartens versteckt, keine Schaufensterlage im klassischen Sinn. Wer hinkommt, kommt bewusst, meist nach Absprache eines Termins. Genau das ist das Konzept: Kundinnen und Kunden können der Goldschmiedin freie Hand lassen, oder mit einer eigenen Idee ankommen, und von dort beginnt die eigentliche Arbeit gemeinsam am Zeichentisch. Ein Entwurf kann klassisch und schlicht ausfallen oder deutlich ausgefallener werden, in jedem Fall bleibt es ein Einzelstück. Die Website beschreibt ausdrücklich die Vorliebe für Materialmischungen: Gold und Edelsteine, aber auch Silber, Plexiglas, Ebenholz oder Kautschuk kommen zum Einsatz, wenn das Design es verlangt.

Für Paare, die einen Verlobungsring suchen, ist das Angebot klar umrissen: ein Solitär für den Antrag, Trauringe, die eigens für das Paar entworfen und nicht aus einem Katalog gewählt werden. Wer bereits altes Gold besitzt, ein geerbtes Familienstück etwa, kann es einschmelzen und in eine neue Kreation umwandeln lassen, statt es in der Schublade liegen zu lassen. Daneben repariert das Atelier Schmuck jeder Art, von der zu klein gewordenen Bague bis zur gerissenen Lieblingskette, wobei laut eigener Aussage vor jeder Reparatur ein Kostenvoranschlag erstellt wird. Ergänzt wird das Angebot durch Kurse, in denen Interessierte offenbar selbst handwerklich tätig werden können.

Warum Yverdon-les-Bains

Für ein national ausgerichtetes Verzeichnis zählt beim Standort weniger die Postleitzahl als das Format des Geschäfts. Yverdon ist kein etabliertes Bijouterie-Viertel mit dichter Konkurrenz auf engem Raum wie die Rue de Bourg in Lausanne oder eine Bahnhofstrasse in einer grösseren Stadt, sondern eine Einzelstandort-Adresse, die man gezielt ansteuert, wenn man genau diese Goldschmiedin und ihre Handschrift sucht. Auf der Website finden sich keine Hinweise auf weitere Filialen oder Standorte, das Atelier existiert an dieser einen Adresse, seit rund 20 Jahren an derselben Stelle, wie die Betreiberin selbst schreibt. Wer aus dem Broyebezirk oder dem Kanton Neuenburg kommt, hat damit einen näher gelegenen Ansprechpartner als mit einer Fahrt nach Lausanne oder Genf, was für die Wahl aber zweitrangig bleibt: Massgeblich ist die Arbeit selbst, nicht die Distanz zur nächsten Grossstadt.

Was das für Verlobungsringe bedeutet

Wer in Zürich oder Genf einen Ring kauft, kauft ihn oft aus einer bestehenden Kollektion, mit gewisser Flexibilität bei Stein und Fassung. Bei Comme par hasard ist der Ausgangspunkt umgekehrt: Der Entwurf entsteht im Gespräch, nicht am Verkaufstresen. Das macht das Angebot vor allem für Paare interessant, die Zeit für einen echten Entwurfsprozess mitbringen und nicht am selben Tag mit einem fertigen Ring nach Hause gehen wollen. Wer stattdessen sofort einen Ring anprobieren und mitnehmen will, ist bei einem grösseren Haus mit Lagerbestand besser aufgehoben, das lässt sich an dieser Adresse ehrlicherweise nicht erwarten.

Ebenso wenig veröffentlicht die Website Preise oder Richtwerte für Solitäre und Trauringe, ein Devis entsteht erst im persönlichen Gespräch. Das ist bei einem Einzelatelier dieser Grösse üblich, verlangt aber vom Paar einen ersten Schritt: einen Termin vereinbaren, bevor überhaupt ein Preis im Raum steht. Wer diesen Aufwand nicht scheut, bekommt dafür ein Stück, das nirgendwo sonst existiert, entworfen von der Person, die es am Ende auch fertigt.

Reparatur, Rachat d'or und Kurse

Neben dem eigentlichen Verlobungs- und Trauringgeschäft deckt das Atelier ein zweites Feld ab, das für ein bestehendes Paar mit Familiengold ebenso relevant sein kann wie für Neukunden: Reparaturen. Ein zu klein gewordener Solitär, eine zu weit geratene Alliance, eine gerissene Lieblingskette, all das repariert Frédérique Mottaz nach eigener Aussage selbst, und zwar erst nach einem Kostenvoranschlag, den sie vor jeder Arbeit erstellt. Wer altes Gold besitzt, das nicht mehr getragen wird, kann es zudem zurückgeben oder einschmelzen lassen, um daraus ein neues Stück formen zu lassen, das sogenannte Rachat d'or. Für ein Verlobungspaar heisst das konkret: Ein geerbter Ring aus der Familie muss nicht als Ganzes weitergetragen werden, sein Gold kann in einem neuen Solitär oder einer neuen Alliance weiterleben.

Dazu kommt ein Kursangebot, im Menü schlicht als "Cours" gelistet, ein Hinweis darauf, dass sich das Atelier nicht nur als Verkaufsstelle, sondern auch als Ort versteht, an dem Interessierte selbst etwas über die Goldschmiedearbeit lernen können. Laut eigener Website dauert ein Kurs 7 bis 8 Stunden und kostet 380 Franken, dazu kommen die Materialkosten und, falls gewünscht, eine Kette. Wer teilnimmt, sitzt selbst am Werktisch mit den professionellen Werkzeugen und fertigt unter Anleitung ein eigenes Schmuckstück aus Silber, der Termin wird individuell nach Verfügbarkeit vereinbart. Offen ist das Angebot laut Website für alle, die den Beruf der Goldschmiedin einmal aus der Nähe kennenlernen wollen, nicht nur für angehende Verlobungspaare, was zeigt, dass Frédérique Mottaz ihr Handwerk auch vermitteln will, nicht nur ausüben.

Der nationale Blick

Verglichen mit einem Verlobungsring-Kauf in einer der grossen Städte des Landes liegt der Unterschied weniger im Handwerk selbst, guten Goldschmiedinnen und Goldschmiede gibt es in praktisch jedem Kanton, sondern im Format des Geschäfts. In Zürich oder Genf trifft man häufig auf grössere Häuser mit mehreren Fachkräften, Schauraum und teils internationaler Kundschaft. In Yverdon-les-Bains trifft man auf eine einzige Person, die den ganzen Prozess von der Skizze bis zur fertigen Ziselierung selbst verantwortet. Das ist ein bewusster Unterschied im Format, nicht in der Qualität, und genau deshalb lohnt sich der Eintrag in einem Verzeichnis, das den ganzen Kanton und nicht nur eine einzelne Stadt abdeckt: Wer im Broyebezirk, im Neuenburgischen oder im Jura-Nord vaudois wohnt, hat mit Yverdon einen näher gelegenen und ebenso ernstzunehmenden Ansprechpartner als mit einer Fahrt nach Lausanne oder gar Genf.

Geduld statt Sofortkauf

Der Eintrag passt zu Paaren, die im Kanton Waadt oder in Reichweite von Yverdon wohnen und einen Verlobungsring wollen, der wirklich für sie gezeichnet wurde, nicht für eine Vitrine. Er passt auch zu Menschen mit altem Familiengold, das eine zweite Zukunft als neuer Ring verdient, und zu allen, die sich für den 7- bis 8-stündigen Silberschmiede-Kurs interessieren, um das Handwerk selbst einmal auszuprobieren. Wer dagegen schnelle Auswahl aus einem grossen Sortiment sucht, findet das eher in einer der städtischen Bijouterien an bekannteren Adressen. Für alle anderen ist Comme par hasard eine der wenigen Adressen im Verzeichnis, an der eine einzelne Goldschmiedin seit rund 20 Jahren genau diese Art von Arbeit anbietet.

Mehr aus Lausanne und Waadt

Alle ansehen