Goldschmiedeatelier Phasouk Xayaboun
Zum Bewerten auf einen Stern tippen
Wer in Chur nach einem handgefertigten Ehering sucht, landet früher oder später an der Obere Gasse 16, mitten in der Altstadt. Das Goldschmiedeatelier Phasouk Xayaboun ist keine Filiale und keine Kette, sondern eine einzelne Werkstatt, in der Xayaboun seit 1984 das klassische, traditionelle Goldschmiedehandwerk pflegt, wie er selbst schreibt. Wer von Zürich, Basel oder St. Gallen anreist, findet mit dem InterCity eine direkte Verbindung nach Chur, keine Umsteigerei über eine Regionallinie. Das macht die Stadt zu einem naheliegenden Ziel für ein Wochenende, an dem man nebenbei den Ehering in Auftrag gibt, statt eigens für einen Termin anzureisen.
Was man hier bekommt
Der Kern des Angebots ist die Spezialanfertigung von Eheringen, und zwar nicht nur aus den üblichen Goldlegierungen. Auf der eigenen Seite nennt das Atelier ausdrücklich Feingold 24K, Feinplatin und Feinpalladium als Materialien für Eheringe, dazu kommen Ringe und Schmuck aus Eisen, Damaszenerstahl oder Feinsilber. Das ist eine ungewöhnliche Materialpalette für ein Ehering-Sortiment: Feingold 24K ist reines Gold ohne Legierungszusätze, weicher und wärmer im Ton als eine gängige, mit anderen Metallen versetzte Goldlegierung, und wird bewusst für Kundschaft angeboten, die genau diesen Unterschied sucht. Damaszenerstahl wiederum ist in der Schweizer Ehering-Landschaft selten zu finden und eher aus dem Messerhandwerk bekannt, hier taucht er als Ringmaterial auf.
Dazu kommen laut Website Reparaturen, das Umarbeiten von altem Schmuck, die Herstellung von Wappenringen sowie Schätzungen und Beratung. Wer also einen geerbten Ring einschmelzen und neu aufsetzen lassen will, ist hier ebenso an der richtigen Adresse wie ein Paar, das einen komplett neuen Ring von Grund auf bestellt. Das Atelier beschreibt sich selbst als Ort, an dem Einzelstücke entstehen, mit freier Wahl von Material, Form und Materialzusammensetzung: Es gibt keinen Katalog mit fixen Modellen, aus dem man bestellt, sondern ein Gespräch, das zur individuellen Anfertigung führt.
Was auffällt
Auffällig ist zunächst die Kontinuität: Ein einziger Goldschmied führt den Betrieb seit über vier Jahrzehnten am selben Ort in der Churer Altstadt. Das ist in einer Branche, in der Ketten und Franchise-Modelle zunehmend das Straßenbild prägen, kein Selbstverständnis mehr. Auffällig ist zweitens die Materialbreite: Wo viele Ehering-Anbieter sich auf eine übliche, mit Zusatzmetallen versetzte Weiss-, Gelb- oder Roségoldlegierung konzentrieren, führt dieses Atelier ausdrücklich auch Platin, Palladium und Feingold in reiner Form sowie Eisen und Damaszenerstahl als Optionen. Das signalisiert eine Werkstatt, die nicht auf Masse, sondern auf handwerkliche Vielfalt setzt. Auf der eigenen Seite ist außerdem von alten Goldschmiedetechniken die Rede, die andernorts in Vergessenheit geraten seien: ein Hinweis darauf, dass hier nicht nur mit modernen Maschinen gearbeitet wird, sondern auch mit Verfahren, die in einem industriellen Betrieb keinen Platz mehr hätten.
Die Eheringe-Galerie auf der Website zeigt eine kleine, aber sortierte Auswahl fertiger Arbeiten, verteilt über mehrere Seiten. Wer sich vorab ein Bild machen will, bevor man die Werkstatt besucht, findet dort Anschauungsmaterial, wenn auch ohne Preisangaben. Zu Preisen, Lieferzeiten oder Garantiebedingungen macht die Website keine Angaben, das lässt sich nur im persönlichen Gespräch klären, was bei einer Einzelanfertigung dieser Art auch naheliegend ist.
Wie der Betrieb organisiert ist
Geöffnet ist von Dienstag bis Freitag, 8.30 bis 12.00 Uhr und 13.30 bis 18.30 Uhr, sowie samstags von 8.00 bis 16.00 Uhr. Montags und sonntags bleibt die Werkstatt zu, was für ein Ein-Personen-Atelier nicht ungewöhnlich ist, in dem Verkauf, Beratung und Handwerksarbeit von derselben Person geleistet werden. Kontakt läuft über Telefon oder E-Mail, eine Terminvereinbarung vor dem Besuch dürfte sich lohnen, gerade wenn es um eine ausführliche Beratung für einen Ehering geht.
Der Standort selbst ist Teil des Angebots: Die Obere Gasse liegt im historischen Kern von Chur, der ältesten Stadt der Schweiz und Hauptort des Kantons Graubünden. Wer ohnehin die Altstadt besucht, etwa wegen der Kathedrale oder der zahlreichen Cafés und Läden in den engen Gassen, kommt am Atelier praktisch vorbei. Das unterscheidet die Lage von einem reinen Fachgeschäft in einem Einkaufszentrum: Hier ist der Weg zum Goldschmied Teil eines Stadtspaziergangs, nicht eine gezielte Anfahrt zu einer Adresse am Stadtrand.
Was Schweizer Kundschaft zusätzlich wissen sollte
Für Feingold-, Platin- und Palladiumringe gilt in der Schweiz die Kontrolle durch das Edelmetallamt, das den Feingehalt solcher Stücke prüft und mit einer Punze versieht. Die Website des Ateliers äussert sich nicht dazu, ob und wie eigene Stücke gepunzt werden, deshalb bleibt das eine allgemeine Einordnung und keine Aussage über diesen konkreten Betrieb. Ähnlich verhält es sich mit der gesetzlichen Gewährleistung: Nach Obligationenrecht gilt bei einem Kauf grundsätzlich eine zweijährige Frist, unabhängig davon, ob der Verkäufer eigens darauf hinweist. Auch dazu macht die Atelier-Website keine eigene Angabe, was bei einem kleinen Handwerksbetrieb ohne ausführliche AGB-Seite nicht ungewöhnlich ist, aber im persönlichen Gespräch vor Ort geklärt werden kann.
Wie es sich einordnet
Im Vergleich zu den großen Uhren- und Schmuckhäusern an den Bahnhofstrassen der Deutschschweiz ist dieses Atelier klein und unaufgeregt. Es gibt keine Schaufensterauslage mit Markenware, keine Vitrine mit vorgefertigten Ringen zur sofortigen Mitnahme. Stattdessen steht die Einzelanfertigung im Zentrum, was Zeit braucht, aber auch ein Ergebnis liefert, das es in keinem anderen Geschäft ein zweites Mal gibt. Für Paare, die ohnehin ein Unikat statt eines Katalogmodells suchen, ist genau das der Punkt.
Von einem Ferienort-Juwelier in einem Bündner Bergort unterscheidet sich das Churer Atelier durch seine Verankerung im lokalen Alltag: Die Website spricht von der Werkstatt inmitten der Churer Altstadt, nicht von einer Ferienadresse. Wer als Paar aus einem anderen Kanton anreist, bekommt damit einen anderen Charakter der Beratung, als es ein saisonaler Ferienort bieten würde, auch wenn die Website selbst keinen direkten Vergleich zu solchen Betrieben zieht.
Wer mit reinem Material arbeiten will
Am besten passt dieses Atelier zu Paaren, die Wert auf ein handgefertigtes Einzelstück legen und bereit sind, dafür eine Werkstatt statt eines Ladengeschäfts aufzusuchen. Wer ein ungewöhnliches Material wie Feingold in reiner Form, Palladium oder Damaszenerstahl in Betracht zieht, findet hier eine der wenigen Adressen in Graubünden, die das ausdrücklich anbietet. Wer dagegen schnell ein fertiges Modell von der Stange sucht, ist an einer größeren Adresse mit Ladenverkauf besser aufgehoben.
Ein Manko aus Kundensicht: Die Website nennt keine Preisspannen und keine Bearbeitungszeiten, sodass sich der Aufwand für einen Besuch erst im Gespräch vor Ort abschätzen lässt. Auch fehlen Fotos oder Beschreibungen konkreter Ehering-Projekte mit Materialangaben in der Galerie, was die Vorstellung vor dem ersten Termin erschwert. Wer aber ohnehin plant, die Chance auf ein wirkliches Unikat wahrzunehmen, wird diesen Umweg über ein persönliches Gespräch kaum als Nachteil empfinden. In der Summe ist das Goldschmiedeatelier Phasouk Xayaboun eine der spezialisierteren Adressen im Kanton für alle, die einen Ehering nicht kaufen, sondern anfertigen lassen wollen.