cloud8 (Claudia Stebler Goldschmiede)

Martastrasse 109, 8004 Zürich · seit 2007

Zum Bewerten auf einen Stern tippen

cloud8 ist das Atelier der Goldschmiedin Claudia Stebler an der Martastrasse 109 im Zürcher Kreis 4, ihre eigenen Worten zufolge im "lebendigen Kreis 4". Wer von auswärts anreist, landet damit nicht in der Bahnhofstrasse-Welt der grossen Juweliershäuser, sondern in einem Quartier aus Genossenschaftsbauten, Handwerksbetrieben und Take-away-Küchen, in dem eine einzelne Goldschmiedin seit fast zwei Jahrzehnten ihr eigenes Label führt. Das Atelier liegt 10 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt und 2 Minuten vom Lochergut, dem markanten Wohnturm, an dem sich in der Gegend jeder orientiert. Wer mit dem Zug anreist, ist damit in einer Viertelstunde vom Gleis am Ladentisch.

Was cloud8 ist

Stebler hat eine vierjährige Goldschmiede-Lehre in Basel absolviert und danach fünf Jahre Design an der Fachhochschule Pforzheim in Deutschland studiert, einer der bekanntesten Schmuckdesign-Schulen im deutschsprachigen Raum. 2007 gründete sie in Zürich das Label cloud8, seit 2025 ist sie nach eigenen Angaben 30 Jahre lang ausgelernte Goldschmiedin. Zwischen der Lehre und der Gründung des eigenen Labels liegen also gut zehn weitere Jahre Praxis, bevor sie den Schritt in die Selbständigkeit wagte, was sich auch im Sortiment zeigt: kein Einsteiger-Sortiment von der Stange, sondern eine über Jahre gewachsene, eigenwillige Formensprache.

Das Besondere an cloud8 aus nationaler Sicht ist die Anerkennung, die das Label ausserhalb des eigenen Ladens gefunden hat. Die Kette HAUFEN aus gehäkeltem Silber wurde 2016 in die Sammlung Zeitgenössischer Schmuck der Schweizerischen Eidgenossenschaft aufgenommen und befindet sich im Museum Mudac in Lausanne. Der Ring ROMEO UND JULIA aus Moosgummi, entstanden 1997, gehört zur Sammlung Alice und Louis Koch, die im Landesmuseum Zürich gezeigt wird. Zwei Stücke in zwei nationalen Museumssammlungen sind ein Leistungsausweis, den kaum ein Quartier-Goldschmied vorweisen kann, und genau das begründet, warum das Label über den Kreis 4 hinaus Aufmerksamkeit findet.

Dazu kommt eine für ein Einzelatelier ungewöhnlich dichte nationale Presseliste: mehrere Beiträge in der NZZ (unter anderem 2012, 2015 und ein Artikel auf Seite 21 der NZZ am Sonntag vom 20. März 2020), ein Auftritt bei Kassensturz am 18. Dezember 2018, Beiträge in der Aargauer Zeitung, im Faces Magazin, in der Annabelle und in der Wohnrevue. Das ist Berichterstattung, die sich an ein gesamtschweizerisches Publikum richtet, nicht nur an Zürcher Laufkundschaft.

Was man bekommt

Für Verlobungsringe führt cloud8 mehrere eigene Kollektionslinien, die sich in Material und Preis deutlich unterscheiden. AMOUR ELASTIQUE double aus Silber925 kostet 300 bis 520 Franken, die goldene Variante der HAMMER-Linie mit Brillant 1'180 bis 1'620 Franken, die schmalere HAMMER ZART mit Brillant 880 bis 1'100 Franken. MILKY WAY, in Silber925 und Gold750 erhältlich, bewegt sich zwischen 1'400 und 2'800 Franken. Am günstigeren Ende steht der LACK AB Ring in Silber925 oder Gold750 für 100 bis 840 Franken, dazwischen liegt 3 DIAMONDS mit Brillanten in Gold750 oder Silber925 für 420 bis 1'100 Franken und der EMBRASSER Ring für 220 bis 1'400 Franken. Diese Preisspannen zeigen: Wer mit einem festen Budget anreist, findet bei cloud8 sowohl ein reines Silberstück im dreistelligen Bereich als auch Goldringe mit Brillant im vierstelligen Bereich, ohne das Atelier wechseln zu müssen.

Der Onlineshop dient dabei eher als Schaufenster für vorgefertigte Modelle. Wer ein persönliches Stück will, vereinbart einen Termin im Laden und entwickelt den Ring im Gespräch mit Stebler selbst, nicht mit Verkaufspersonal. Genau darin liegt der eigentliche Grund für eine Reise von auswärts: Die Website weist ausdrücklich darauf hin, dass die Erfahrung am meisten bringt, wenn man das Atelier persönlich besucht. Ein Katalogring lässt sich auch bestellen, ohne hinzufahren, ein individuell entwickeltes Stück nicht.

Was auffällt

Stebler legt sichtbar Wert auf die Herkunft ihrer Materialien, was für ein Verlobungsring nicht nebensächlich ist. Die Brillanten sind nach eigener Aussage konfliktfrei geschürft und ohne Kinderarbeit verarbeitet, ein Teil der Farbsteine stammt aus Madagaskar vom Familienbetrieb Miadana, Gold und Silber werden unter modernen Bedingungen in Deutschland rezykliert, und das Fairtrade-Gold aus Peru kommt über Max Havelaar. Das sind konkrete Lieferketten-Angaben, keine allgemeine Nachhaltigkeitsfloskel, und sie lassen sich auf der Website nachlesen.

Auffällig ist auch die Öffnungszeit: Das Atelier hat regulär nur von Mittwoch bis Freitag, 14 bis 18 Uhr, sowie samstags "meistens" von 11 bis 16 Uhr geöffnet, mit der ausdrücklichen Einschränkung, dass der Samstag nicht garantiert ist. Für eine Reise von auswärts bedeutet das: Der Besuch lässt sich am ehesten mit einem Nachmittag unter der Woche verbinden, nicht spontan an einem Wochenende, und ein Anruf oder eine Terminanfrage vorab ist sinnvoller als eine spontane Stippvisite.

Wie es sich einordnet

Innerhalb des Kreis-4-Handwerks ist cloud8 kein Ladengeschäft unter vielen, sondern ein Ein-Personen-Label mit klarer eigener Handschrift, erkennbar an wiederkehrenden Serienideen wie AMOUR ELASTIQUE, HAMMER oder MILKY WAY, die alle auf ihre eigenen Skizzen zurückgehen. Verglichen mit den grossen Namen am anderen Ende der Stadt bietet cloud8 keine internationalen Markenkollektionen, dafür aber eine nachvollziehbare Werkbiografie: 2007 gegründet, seither ununterbrochen am selben Standort im Kreis 4 tätig, mit Presseberichten, die sich über mehr als ein Jahrzehnt verteilen, von 2012 bis mindestens 2021. Wer aus einem anderen Kanton anreist, bekommt damit kein austauschbares Ladenerlebnis, sondern Zugang zur Person hinter dem Label.

Zeit einplanen statt Impulskauf

cloud8 passt zu Paaren, die einen Verlobungsring nicht von der Stange wollen und bereit sind, dafür einen Nachmittag einzuplanen statt eine Stunde. Wer ohnehin einen Bezug zu unabhängigem Schweizer Design hat oder das Label aus der Presse kennt, findet hier eine Adresse mit nachweisbarer nationaler Reputation statt einer rein lokalen Empfehlung. Wer dagegen kurzfristig noch am selben Tag ein fertiges Stück abholen will, ist mit den knappen Öffnungszeiten unter der Woche eher eingeschränkt und sollte den Besuch fest terminieren.

Fazit

Für einen Verlobungsring aus dieser nationalen Liste verdient cloud8 seinen Platz nicht, weil es ein weiterer Goldschmied in Zürich ist, sondern weil das Label zwei Museumsankäufe und über ein Jahrzehnt gesamtschweizerische Presseberichterstattung vorweisen kann, ein Leistungsausweis, den man in dieser Form selten im eigenen Kanton findet. Die Preisspannen von rund 100 bis über 2'800 Franken je nach Linie und Material machen das Atelier sowohl für ein bescheidenes als auch für ein grosszügigeres Budget zugänglich, solange man die eingeschränkten Öffnungszeiten und die Vorliebe für persönliche Beratung vor Ort einplant. Der Weg in den Kreis 4 lohnt sich vor allem dann, wenn ein individuell entwickeltes Stück und nicht nur ein Katalogring das Ziel ist.

Mehr aus Zürich

Alle ansehen