Scandella Montres et Bijoux Précieux
Zum Bewerten auf einen Stern tippen
Der Name ist französisch, der Betrieb ist es nicht. Scandella Montres et Bijoux Précieux SA sitzt am Spalenberg 23 in der Basler Altstadt, mitten im deutschsprachigen Teil der Stadt, und die eigene Website bietet konsequent nur Deutsch und Englisch an, kein Französisch. Der Name ist damit eher eine Verbeugung vor der Sprache der Uhren- und Schmuckbranche als ein Hinweis auf den Standort. Wer den Laden sucht, findet ihn also nicht in Genf oder Lausanne, sondern zwei Gehminuten vom Marktplatz entfernt, in einer Gasse, die auch sonst für Basler Goldschmiedearbeit bekannt ist. Für Käuferinnen und Käufer aus der übrigen Deutschschweiz heisst das: Wer ein französisch klingendes Etikett erwartet, sollte nicht enttäuscht sein, wenn Beratung und Website ausschliesslich auf Deutsch und Englisch laufen, das gehört zu dieser Adresse wie die Lage in der Altstadt.
Was es ist
Scandella ist eine inhabergeführte Boutique für Uhren, Schmuck, Diamanten, Farbedelsteine und Perlen, dazu eine Auswahl an Trauringen. Gegründet wurde die Firma 2003 von Stef und Christine Scandella als gemeinsames Ehepaar-Unternehmen, das sie bis heute führen. Auf der Website wird das Paar mit Foto und Namen vorgestellt, kein anonymes Verkaufsteam, sondern zwei Personen, die für ihren eigenen Laden stehen.
Was man bekommt
Für Verlobungs- und Trauringe verweist Scandella auf die Kollektion von Furrer Jacot, einem Schweizer Ringhersteller, dessen eigene Website die Firma auf ihrer Trauring-Seite direkt verlinkt. Im Laden selbst liegt laut eigener Aussage nur eine kleine Auswahl aus der grösseren Kollektion aus, die Ringe lassen sich nach Wunsch verändern und anpassen, mit persönlicher Beratung vor Ort. Wer lieber einen Diamanten als Einzelstein sucht, bekommt laut Website eine Bewertung nach einem "international anerkannten, standardisierten Schema"; Details zu einem eigenen Zertifikat nennt die Seite nicht. Daneben bietet Scandella zwei Dienstleistungen, die über den reinen Verkauf hinausgehen: Ankauf von Gold sowie Suchaufträge, also die gezielte Beschaffung eines bestimmten Stücks auf Kundenwunsch. Wer eine eigene Uhr oder ein eigenes Schmuckstück verkaufen will, kann das ebenfalls direkt anbieten, die Website wirbt aktiv dafür.
Ein Blick auf bereits verkaufte Einzelstücke aus der Schmuck-Galerie der Website zeigt die Bandbreite jenseits des klassischen Diamantrings: Ringe mit Tansanit (bis 4,10 ct), Morganit (6,55 ct), Prasiolith (bis 4.81 ct) und Granat (2,71 ct) sowie ein Mondsteinring, dokumentiert mit Verkaufspreisen zwischen CHF 1900 und CHF 5900. Auch Diamant-Pavé-Ringe, -Ohrhänger und ein Diamant-Pavé-Collier für CHF 4400 gehören zu den dort gezeigten, bereits verkauften Stücken. Es handelt sich um vergangene Einzelanfertigungen, keine aktuell verfügbare Ware, aber sie zeigen, dass hier auch mit Farbedelsteinen jenseits des Diamanten gearbeitet wird und in welcher Preisklasse sich die Einzelstücke bewegt haben.
Was heraussticht
Was Scandella von einer reinen Verkaufsboutique unterscheidet, ist die Ausbildung des Inhabers. Stef Scandella ist seit 1987 im Uhren-, Schmuck- und Edelsteinsektor tätig. Er studierte an der Universität Basel mit einem Diplom im Hauptfach Ur- und Frühgeschichte und den Nebenfächern Geologie und Mineralogie, und er ist diplomierter Gemmologe G.G. (Graduate Gemologist, USA) sowie F.G.A. (Fellow der Gemological Association, England), zusätzlich amtiert er als Diamantgutachter. Von 1987 bis 1990 arbeitete er im international bekannten Labor Gübelin und danach über zehn Jahre als Filialdirektor in derselben Firma, bevor er sich 2003 mit Christine selbständig machte. Gübelin gehört neben der SSEF in Basel zu den beiden Schweizer Instituten, deren Gutachten hierzulande neben einem GIA-Report als Referenz gelten, und Scandella hat seine eigene fachliche Laufbahn genau dort begonnen. Das ist ein Hintergrund, den man bei einer Boutique dieser Grösse nicht selbstverständlich erwartet.
Wie es organisiert ist
Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 09.30 bis 12.30 Uhr und von 13.30 bis 17.00 Uhr, samstags von 09.30 bis 16.00 Uhr durchgehend, montags bleibt der Laden geschlossen. Erreichbar ist die Boutique telefonisch unter +41 (0)61 263 16 03 oder direkt vor Ort am Spalenberg 23. Eine eigene Onlinebestellung oder ein Ring-Konfigurator fehlt auf der Website; wer einen Trauring will, sieht dort nur eine Auswahl an Beispielen und wird für die volle Kollektion auf die Website von Furrer Jacot verwiesen, die Bestellung selbst läuft über das Gespräch im Laden.
Wie es sich vergleicht
Am Spalenberg selbst hat Basel mehrere Goldschmiede- und Schmuckadressen dicht beieinander, darunter auch reine Einzelateliers, die jeden Ring von Grund auf selbst fertigen. Scandella ist damit vergleichbar, aber nicht identisch: Hier steht keine Werkbank im Vordergrund, sondern ein Verkaufsraum mit Markenkollektion und ein Inhaber mit Labor-Hintergrund statt Goldschmiede-Lehre. Wer aus Zürich oder Bern anreist und dort grössere Flaggschiff-Häuser mit internationalen Uhrenmarken gewohnt ist, findet in Basel eher das Gegenteil: einen kleineren, familiengeführten Betrieb, dafür mit einem Gemmologen an der Theke statt einer Verkaufsberatung ohne Fachausbildung. Dass ausgerechnet Basel eine so dichte Uhren- und Schmuckszene hat, ist kein Zufall: Die Stadt war bis 2019 Standort der Baselworld, jahrzehntelang die weltweit wichtigste Fachmesse der Uhren- und Schmuckbranche, seit 1986 auch für Aussteller ausserhalb Europas geöffnet. Auf der Website von Scandella findet sich kein Hinweis auf weitere Filialen; der Betrieb ist ein Einzelstandort am Spalenberg.
Für wen es passt
Wer einen Trauring aus der Furrer-Jacot-Kollektion sucht und dabei von jemandem beraten werden will, der Diamanten und Farbedelsteine nicht nur verkauft, sondern gelernt hat, sie fachlich zu beurteilen, ist am Spalenberg 23 richtig. Auch wer eine alte Uhr oder ein altes Schmuckstück verkaufen oder ein bestimmtes, schwer zu findendes Stück über einen Suchauftrag beschaffen lassen will, findet hier eine passende Adresse. Wer dagegen online konfigurieren und bestellen will, ohne den Laden zu betreten, ist bei einem Anbieter mit eigenem Webshop besser aufgehoben, den bietet Scandella nicht. Für Paare, die ohnehin einen Wochenendausflug oder einen Termin in Basel planen, etwa wegen der Grenzlage zu Frankreich und Deutschland, lässt sich der Besuch am Spalenberg gut mit anderen Erledigungen in der Innenstadt verbinden, statt eine eigene Reise nur für den Ring zu rechtfertigen.
Fazit
Scandella Montres et Bijoux Précieux ist eine kleine, seit 2003 von einem Ehepaar geführte Boutique am Spalenberg, deren eigentliches Kapital nicht die Ladenfläche ist, sondern die Ausbildung des Inhabers: über zehn Jahre bei Gübelin, ein Diplom als Graduate Gemologist und Fellow der englischen Gemological Association. Der einzige echte Nachteil ist die fehlende Onlinebestellung, wer einen Furrer-Jacot-Trauring will, muss dafür vorbeikommen oder anrufen. Wer das in Kauf nimmt, bekommt eine Beratung, die auf einer der wenigen wirklich einschlägigen Fachausbildungen der Branche beruht.